Ich kann gut laufen. Gerade hier durch die Massen an Menschen paßt das in den Lauf finden prima. Als ich um die erste Ecke biege stehen dort ganz viele Vereinskollegen und feuern mich an… sie wissen wahrscheinlich gar nicht so genau, wie gut mir das tut. Unter der Eisenbahnbrücke sehe ich die Teamchefin und wir umarmen uns lang. Das tut gut. Sie glaubt, dass ich ins Ziel komme und ich freue mich, dass sie nicht so dolle Knieschmerzen hat, wie wir erwartet haben. 
Dann laufe ich weiter. Hinten am Wendepunkt an der Zoobrücke geht es über die Matte und dann laufe ich zurück zum Zielbereich. An dem Verpflegungspunkt ist eine bomben Stimmung! Die Helfer sind total nett, tragen Schilder was sie anbieten und sagen mir, wie toll sie mich finden, weil ich so eine Leistung bringe. Ich bin ganz gerührt. 
Ich laufe am Zielbereich vorbei und sehe den Zeugwart. Dem erzähle ich die Schnellversion vom Schwimmen und wie sehr ich auf dem Rad gelitten habe und laufe weiter. Ich habe immerhin noch ein paar Kilometer vor mir. Auf dem Weg über die Eisenbahnbrücke suche ich mir ein paar Lieblingsschlösser aus, ich will versuchen sie auf der nächsten Runde wiederzufinden. Durch die Erschütterung der Läufer und den Wind feuern uns die Fahnenmasten mit an. Sehr cooler Schachzug der Organisatoren. Über einen Serpentinenkurs geht es wieder runter an den Rhein. Hier ist der Weg wirklich unwegsam, ich muß aufpassen, dass ich nicht über die Wurzeln falle. Die Strecke nach Norden führt wieder bis zur Zoobrücke. Kurz danach ist der Wendepunkt und ich bekomme mein erstes Rundenbändchen. 

Die Farbe darf ich mir aussuchen. Ich wähle grün, wegen der Hoffnung, und bin schon auf dem Weg zurück. Jetzt geht die Strecke bis zur Wendeltreppe, hoch auf die Deutzer Brücke und zurück in den Zielbereich. Dort beginnt die nächste Runde. Die Wendeltreppe habe ich zwar geübt, aber jetzt ist es schon etwas anderes… die Treppe ist nicht das Thema, eher der Wendelteil. Ich muß mich festhalten, weil ich zu schnell für meinen Kopf da hoch laufe und mir etwas schwindlig wird. 

Oben auf der Deutzer Brücke kann ich gut laufen und dann fliege ich förmlich durch den Zielbereich. Fliegen in meiner Welt ist natürlich eine andere Klasse, als in der Welt der großen Triathleten… aber egal. 
Die nächste Runde beginnt und ich schließe auf zwei Herren auf: Malteser und Saarbrücken. Die beiden wurden leider aus der Wertung genommen, weil sie für die Radstrecke zu lange gebraucht haben. Ein Defekt hat sie aufgehalten und so haben sie die Cut-off Zeit nicht geschafft. Bei diesem Wettkampf darf man aber trotzdem ins Ziel laufen und so absolvieren wir die zweite Laufrunde praktisch gemeinsam. Wenn ich Gehpausen wegen des Kopfsteinpflasters oder den Schotterpassagen mache, laufen die Herren weiter, wenn ich dann wieder anlaufe überhole ich und sie hängen sich dran. An den Verpflegungsständen trinke ich Cola und esse ein paar Brezeln, das Salz tut gut. 
Und dann entdecke ich den Flitzer, der mich in einer Gehpause erwischt. Er ist natürlich bereits seit Stunden im Ziel und hat sein Rad auch bereits ausgecheckt. Ich trabe wieder an, denn er möchte ein sportliches Foto machen. Herrlich. Dann fährt er vor bis zur Wendeltreppe, wo Frau Flitzer und unser Alterspräsident auf mich warten. Ich hangle mich die Wendeltreppe hoch und laufe das letzte Mal heute in diese Richtung über die Deutzer Brücke. 
Ich weiß jetzt ganz genau, dass ich auf alle Fälle in dieses Ziel reinlaufe. Ich werde auf gar keinen Fall vorher stehen bleiben, wie schon so oft. Das wird es heute nicht geben. Ich biege an der Wechselzone links um die Ecke und höre Robin Thick. Na das ist ja der Hammer. Spielen sie doch gerade jetzt mein Lieblingslied! Unglaublich. 
Also gebe ich noch eine Idee Gas, was eben gerade noch so zu holen ist, und laufe einfach mit allem, was noch so zu liefern ist. Aus dem Athletengarten feuern mich noch zwei Herren an, die vorhin noch mit mir auf der Strecke waren… und dann biege ich links ab in den Zielkanal. Und ich schaffe es tatsächlich, während meines Lieblingsliedes ins Ziel einzulaufen! 

Dieses Zieleinlaufvideo hat ein Vereinskollege von mir aufgenommen! DANKE!

Auf dem roten Teppich werfen sich die Teamchefin und Madita zu Boden und ich überlege den Hauch einer Sekunde, ob die beiden Damen überhaupt jemals wieder aufstehen können. Und dann hängt mir eine Helferin eine Hawaikette und meine Medaille um. Und ein anderer Helfer drückt mir ein Bündel Finishershirts in die Hand. Wahrscheinlich gleich mehrere, weil ich groß angekündigt hatte, dass ich die vorerst nicht wieder ausziehen werde? 
Alle gratulieren und beglückwünschen mich und freuen sich tierisch, dass ich die Mitteldistanz geschafft habe. 
Und ich? Ich habe das noch nicht so realisiert und fühle mich irgendwie ein bischen wie letztes Jahr, wo ich den Vereinsmädels und dem Kapitän hier zugejubelt habe. Es kommt mir wirklich sehr unwirklich vor, dass ich mein Rad und meine Beutel nun aus der Wechselzone raushole und der Zeugwart mir alles abnimmt, weil ich mich erst mal ausruhen soll. Ausruhen? Verstehe ich jetzt nicht so richtig… 
Wir laufen zurück ins Hotel. Da hat der Flitzer angeboten, dass ich duschen kann, ehe wir nach Hause fahren. Wie nett. Unter der Dusche überlege ich mir, was der Trainer wohl morgen auf den Trainingsplan geschrieben hat… immerhin muß ich für den Wettkampf in Köln ja trainieren. Und beim abtrocknen merke ich, weil ich meine Beine ordentlich spüre, dass der Wettkampf in Köln ja gelaufen ist. Und ich im Ziel bin. Nachdem ich wieder angezogen bin, lege ich die Medaille wieder um und der Zeugwart kutschiert uns nach Hause. Schlafen kann ich nicht.