Unsere Fünf – Ironman Frankfurt 2


Da isser wieder, dieser besondere Sonntag im Juli, der, auf den ich immer gut ein Jahr hinfiebere und der dann doch immer ganz plötzlich auf einmal da ist. Eingeleutet von der verlegten Swimnight am Dienstag, dem Night Run am Donnerstag, dem Messebesuch am Freitag und der obligatorischen Hilfe beim Check in gestern, ist heute endlich IRONMAN Sonntag. Einer der tollsten Tage, die Frankfurt mir so bieten kann. Und ich war bisher noch niemals als Athlet auf der Strecke. Ironman und Frankfurt schaffen es seit Jahren mir als Zuschauer meinen längsten Tag des Jahres zu gestalten und mich genauso fertig zu machen, wie die Langdistanztriathleten auf dem Kurs. Reife Leistung. 
Dieses Jahr wird es sicherlich anstrengender als zuvor, weil aus unserem Verein fünf Starter auf der Strecke unterwegs sein werden. Fünf Freunde, die für den Zieleinlauf am Römerberg im letzten Jahr -und auch bereits davor- alles gegeben haben. Die weder frühe Uhrzeiten, noch Kälte oder Regen gescheut haben, um sich auf den heutigen Tag vorzubereiten. Der Zeugwart und ich hatten teilweise das Radvergnügen mit den Starterinnen und sind auch mal die ein oder andere Trainingsrunde mitgefahren. Ein bisschen Ironmanluft schnuppern war also auch für uns drin. Obwohl unser Training sicherlich in keinster Art und Weise mit dem der fünf Freunde zu vergleichen war.
Der Zeugwart und ich stehen heute wieder früher auf, als unter der Woche und fahren in die Stadt, als am Langener Waldsee der Startschuss fällt. Wir haben uns gegen den See entschieden, denn dort sind bereits Begleiter und ich finde es schön, wenn die Athleten so Anlaufstellen haben und nicht alle auf einem Fleck warten. Das macht es zwar für die Anfeuerer etwas anstrengender, aber das paßt schon. Wir kümmern uns also, dass wir unsere Fünf in der ersten Radrunde erwischen und platzieren uns an der Frankfurter Ignatz-Bubis-Brücke. Weil wir dieses Jahr irgendwie schon fast zum alten Anfeuere-Eisen gehören, haben wir sogar Klappstühle dabei. 
Irgendwie rede ich mir aber ein, das Mitführen selbiger ist lediglich der angekündigten Hitze geschuldet… auch wenn ich im tiefsten Innern weiß, dass das nur die halbe Wahrheit ist. 
Während ich mich mit Kreide noch dran mache für unsere Fünf möglichst sinnhafte Anfeuerung auch noch auf die Straße zu malen, kümmert sich der Zeugwart um die perfekte Kamerapespektive. Dieser Ironman ist einzigartig und die Momente gehören alle eingefangen. Ob unsere Fünf nochmal zusammen starten werden? Bei der Hitze? Unter diesen Bedingungen? Wer weiß das schon? Also finde ich es wichtig, so viele Momente festzuhalten, wie nur irgendwie möglich sind. 

Während ich noch die Kreide auf die Straße bringe und dabei auch vor der Laufstrecke nicht halt mache, kommt schon die Polizei Straßensperre. Ich bin so vertieft, dass ich das fast nicht mitbekomme. Gut, dass ich den Zeugwart habe und den Hubschrauber, denn beide kündigen die Näherung der Feldspitze verlässlich an. 

Als Sebastian Kienle an uns vorbeifährt verliert er eine gelbe Flasche, die ich von der Strasse räume, damit keiner drüberfährt. Später erfahre ich, dass es wohl sein geheimes Iso gewesen ist. Leider bin ich diesbezüglich ein Banause und trinke es vor der Möglichkeit einer chemischen Detailanalyse aus, es ist einfach blöd, wenn man durstig ist. 
Dank der wahnwitzigen Geschwindigkeit von Jan Frodeno ist die Radstrecke für uns heute wirklich äußerst kurzweilig. Zuerst die Führung, dann haken wir unsere Fünf der erwarteten Reihenfolge entsprechend nacheinander ab, dann kommen ein paar Alterklasseathleten und schwups… noch ehe der Besenwagen kommt, ist der Jan schon wieder da. Also daran können wir uns nicht erinnern, dass es sowas schon mal gegeben hat. Früher hatte man eine Verschnaufpause ehe die Spitze wieder durchgeradelt kam. Heute ist es anders… verschnaufen war gestern. 
Wir erwischen Jan Frodeno noch am Eingang zur zweiten Wechselzone, ehe wir uns dringend eine kurze Wurstpause gönnen müssen. 

Als Anfeuerer kann man zwar fast überall sein, aber es bringt auch nichts, wenn man dabei zusammenklappt. Also ist es umso wichtiger, sich auch an der Strecke, und nicht nur darauf, richtig zu versorgen. Wir haben für diesen Fall ausreichend Wasser im Auto und spazieren nun zum Auffüllen der mitgeführten Flaschen erst mal dort hin. Unsere Fünf sind alle auf der Radstrecke und während die führenden Herren auf der Laufstrecke bereits alles geben, jonglieren der Zeugwart und ich mit unserer Verpflegung. 

Unser nächster Stopp ist der Ausgang der Wechselzone, wo wir nun die waren Helden des heutigen Tages in den nächsten Stunden von der Radstrecke zurück erwarten: unsere Fünf. Wir sind uns sicher, dass sie an der Reihenfolge nichts geändert haben und so fiebern wir mit gut funktionierendem Liveticker mit, wann die letzten Meter endlich absolviert sind. 

Und während wir so abwarten, wann denn nun einer unserer Fünf kommt, steht auf einmal auf der anderen Seite des Laufkanals Lisabet. Sie ist Nummer fünf und sollte eigentlich noch auf dem Rädchen sein. Ich bin so verwirrt, dass ich zweimal hinschauen muß. Da steht sie tatsächlich… aufrecht, fit und mit ihrem rotem Beutel. Sie hat das Rennen kurz nach Beginn der zweiten Radrunde abgebrochen. Mir kommen fast die Tränen, während sie ganz zufrieden aussieht. 
Kein Zieleinlauf, kein Lohn für die viele Mühe, keine Quälerei auf dem Marathon… jetzt sind es nur noch vier. Ich schwöre mir, dass ich alles dran setzen werde, diese vier den Römerberg hinauf zu schicken. Das muß einfach was werden. 
Weil Nummer 1 total schockiert ist, dass er Lisabet bei uns am Rand stehen und anfeuern sieht, beschließen wir, dass wir den anderen Startern nicht sagen, dass sie abgebrochen hat. Vor allem Madita soll ihren Wettkampf durchziehen können ohne auf Abbruchgedanken zu kommen. So stellen wir uns das vor. 
Als alle auf der Laufstrecke sind, suchen wir einen vom Flitzer organisierten Zuschauerverpflegungspunkt auf. Hier grillt der Flitzer Würstchen und serviert Brat- oder Rindscurry Worscht mit entsprechender Soße, stilsicher von Papptellern mit Kuchengabeln. Ich frage mich, warum der Flitzer das nicht schon viel früher so durchgeführt hat, bis mir klar wird, dass er sonst immer selbst am Start steht und den Marathon selber läuft. Da kann er natürlich nicht zur Mittagszeit für uns grillen. Klar. 
Unsere Fünf bzw. die vier, die noch auf der Strecke sind haben es nicht leicht. Das ist aber keine Besonderheit, denn alle haben mit den Temperaturen zu kämpfen und einige Athleten auch mit Blessuren. Auch bei den Zuschauern merkt man die Erschöpftheit mit jeder Stunde, die sie länger an der Strecke stehen. 
Mittlerweile sind zwei unserer Fünf im Ziel und Madita hat sich, trotz all unserer Unterstützung, zur Aufgabe entschieden. Auch sie wird das Rennen heute nicht auf dem Römerberg beenden. Der Zeugwart und ich verabschieden uns für heute aus dem Frankfurter Geschehen. Wir fahren heim und verfolgen den Zieleinlauf unserer letzten Vereins-Finisherin über die HR Übertragung. Sie hat ihren ersten Ironman ins Ziel gebracht. Unfassbar, was für eine Leistung! 
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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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2 Gedanken zu “Unsere Fünf – Ironman Frankfurt

  • Helge

    Liebe Claudi,
    es war bestimmt nicht einfach für die beiden, sich zu entscheiden, unter diesen Bedingungen nicht weiter zu machen.
    Ich hoffe, es war nicht der 1. Ironman für die beiden, weil das wäre nicht gut, wenn man beim 1. nicht durch hält.
    Nächste Woche in Roth, wenn viele unserer Vereinsmitglieder am Start sind, soll es ja zum Glück nicht ganz so heiß werden.
    Hoffen wir mal das beste 🙂
    Liebe Grüße
    Helge

    • Clauditries Autor des Beitrags

      Die Beiden haben vor zwei Jahren schon mal einen IM gemacht. Ich bin aber sicher, dass es nicht der letzte war, der ins Ziel gebracht wurde. 😉
      Alles Gute für Deine Vereinsmitglieder am Sonntag!