Laufendes Teamevent


Heute steht ein Wettkampf an, oder ein Teamevent, je nach dem wie verbissen man so an die Sachlage ran geht. Ich versuche es gelassen zu sehen und habe mich deshalb im Vorhinein sehr enthusiastisch für die 10km Streckenvariante entschieden. Ob das im Hinblick auf das unfassbar schlechte Laufwetter, die Kälte und die Streckenführung eine gute Idee war, wird sich zeigen. Ich vermute: nein. Aber da will ich mich mal nicht zu sehr aus dem Fenster legen. Der Teamevent – Lauf findet auf dem Riedberg in Frankfurt statt. Hier wird seit 5 Jahren mitsamt grünen Zipfelmützen der gleichnamige Lauf ausgerichtet. Klingt vielversprechend, finde ich.

Es ist eiskalt, es regnet und es bläst ein ordentlicher Wind.

Wer hat sich denn ausgerechnet den 1. Advent, an dem wahrscheinlich seit Beginn der Wetteraufzeichnungen immer so ein Wetter herrscht, für dieses Teamevent Laufspektakel ausgedacht? Egal. Wir ziehen das durch. Auch wenn eine Kollegin sich doch erst noch diesbezüglich absichert. Aber wir wären kein ordentliches Team, wenn wir nicht auch diesem Wetter trotzen würden. Ich habe dabei leicht reden, denn mein Job im Team ist ein fast reiner Schreibtischjob, wohingegen die Kollegen hier oft dem Wetter trotzden dürfen. Die sind also regelrecht im Training was das angeht.

Wir treffen uns vor Ort und weil der Zeugwart nicht läuft, aber dabei ist, haben wir sogar einen eigenen Fotografen am Start, der nicht nur ein Gruppenbild, sondern später auch allerlei Laufbilder macht. Ebenfalls im Regen. Natürlich. Der Zeugwart ist allerdings regensicher verpackt, wie ein Michelinmännchen sieht er aus. Es gibt hauptsächlich bewegte Bilder, denn still stehen ist heute nicht wirklich drin. Es ist einfach viel zu kalt dafür.

Kurz vor dem Start nehme ich mir noch ein paar Kopfkino Thematiken vor. Ich will durchlaufen, egal ob es hoch oder runter geht, ich will flott laufen und sehen, wie das Knie die Sache mitmacht und ich will meine 5km Zeit zwischenstoppen. Kaum in der Startaufstellung angekommen geht es langsam aber bestimmt in Richtung vorne. Das Teamevent ist in meinem Lauf eher durch flotte Läufer geprägt, die laufen auf die 10km auf jeden Fall mal weit unter 50Minuten. Also, alle, außer ich natürlich.  Deshalb wollen sie auch alle vorne stehen. Gut, wegen mir eben auch das. Soweit vorne stand ich noch nie. Als es losgeht rechne ich deshalb mit einer Lawine die von hinten über mich prasseln wird.

Es kommt aber keine. Und das liegt nicht daran, dass ich -trotz zweiter Reihe- keinen mehr hinter mir habe, das liegt daran, dass tatsächlich derzeit kaum einer vorbei rennen will. Interessant. Ich wage deshalb einen Blick auf die Ambit 2 und bin überrascht, wie schnell ich tatsächlich unterwegs bin. Angst macht mir das allerdings keine und ich beschliesse so lange wie es möglich ist nicht nachzulassen. Da es beim Zipfelmützenlauf nach einer kurzen ebenen Strecke ein ordentliches Stück Berg ab geht, fällt es mir leicht, die Geschwindigkeit zu halten. Berg rauf sieht es dann schon wieder anders aus. Leider ist es ja schon beim Berg ab laufen klar, dass man das alles auch wieder hoch muß. Fiese Streckenführung. Wir laufen durch das Neubaugebiet am Riedberg und machen eine regelrechte Sightseeingtour. Wahnsinn, was hier alles entstanden ist in den letzten Jahren. Die Laufstrecke führt gefühlt kreuz und quer durch das Wohngebiet, aber weil ich sowieso eine Orientierung wie ein Stuhl habe, kann es auch sein, dass es gar nicht so wild ist, wie es mein Kopf wahrnimmt. Ich gebe mir auf jeden Fall Mühe meine Geschwindigkeit zu halten und um mich rum immer die gleichen Leute zu sehen.

Es sei denn, sie werden langsamer.

Dann überhole ich. Das ist ungewöhnlich und noch bei kaum einen Lauf wirklich vorgekommen. Aber ich ziehe es durch. Ich laufe meine Geschwindigkeit und wenn vor mir jemand langsamer wird, dann laufe ich dran vorbei. Mit einer Dame habe ich einen regelrechten Hasen bei unserem Teamevent. Dabei gehört sie gar nicht zum Team, hätte man ihr aber für den heutigen Tag fast anbieten können. Sie läuft ein bischen schneller als ich und ich beiße mich an ihre fest. Ich glaube, ich bin ein ganz angenehmer Festbeißer. Ich mache keine unangenehmen Geräusche, halte Abstand und laufe einfach nur mit. Die Dame sieht das ähnlich und so laufen wir recht einträchtig, ohne nachzulassen.

An einer Stelle passiert es dann.

Da ist genau eine rutschige, schlammige Stelle an dieser Laufstrecke und natürlich -weil ich an chronischer Selbstüberschätzung leide- vertrete ich mich ein bischen. Wahrscheinlich nicht wirklich gravierend schlimm, aber gut genug, dass ich mit einem Mal nur noch an mein Knie denken kann. Es fühlt sich wackelig an und ich merke regelrecht, wie es anschwillt. Das war einfach nichts. Dieser eine komische Schritt hat es vollkommen aus dem Tritt gebracht. Mein Kopf trifft eine gute Entscheidung. Er enscheidet sich spontan dazu, den 10km nach der ersten Runde zu beenden und einen 5km Lauf daraus zu machen. Bis dahin ist es nicht mehr ganz so weit und so halten wir die Geschwindigkeit. Langsam laufen oder gehen wäre wahrscheinlich angenehmer für das Knie, aber im eiskalten Wind und dem peitschenden Regen sicherlich auch ein Garant für eine Erkältung. Kommt also nicht in Frage. Erkälten will ich mich auf gar keinen Fall.

Als ich dem Zeugwart entgegenrenne, der sich kurz vor der zweiten Runde fotografengünstig positioniert hat, ist er deshalb umso erstaunter, dass ich den Lauf auf 5km verkürze. Die Knieproblematik sieht man mir nämlich gar nicht an. Mit meiner 5km Zeit bei den Bedingungen und bei dieser Streckenführung bin ich mehr als zufrieden. 29:08Minuten. Es scheint, als würde ich mittlerweile dauerhaft eine Zeit unter 30Minuten laufen können.

Was ein Fest!

Am Nachmittag, nachdem ich mich etwas von meinem Einsatz erholt, warm duschen konnte und mein Knie mit helfenden Tinkturen bearbeite habe, mache ich noch das, was man üblicherweise bei einem solchen Mistwetter am 1. Advent tut. Ich versuche mich am Plätzchen backen. Allerdings stelle ich schnell fest, dass ich lieber 5km durch extrem schlechtes Wetter mit Gegenwind Berg auf laufe, als Plätzchen zu backen.

Claudi gives it a TRI - Plätzchen backen

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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