Cowboy Training 3


Wir sind nichts gewöhnt. Und dabei könnte man von Triathleten ja tatsächlich erwarten, dass sie sportlich oder wenigstens ansatzweise durchtrainiert sind, aber bei mir ist da nichts zu holen. Der Zeugwart und ich merken unseren Hintern extrem, weil die Sättel andere Druckstellen haben, im Vergleich zu unseren Fahrrädern. Und weil Cowboy-sein anstrengend war. Der Pferdeteil auf jeden Fall. Wie ein Cowboy mehrere Stunden am Stück im Sattel sitzen konnte ist mir heute früh, als wir zum Frühstück marschieren unklar. Übung macht da wahrscheinlich den Meister und den guten Reiter ebenfalls. Vermute ich. Oder man kauft sich eben einen Sattel, der nicht nur zum Pferderücken, sondern auch zum Cowboyhintern paßt. Alles spricht auf jeden Fall dafür, dass ich mich heute nicht nochmals in den Sattel setzen kann.

Das Frühstück auf der Valley View Ranch ist ähnlich lecker, wie das von gestern. Heute gibt es Texanische Frühstücksfrittate und außerdem leckeres Brot, Aufschnitt und Müsli. Wie gestern ist der gute Start in den Tag damit auch heute wieder gesichert. Außer dem schmerzenden Hinterteil natürlich. Aber dafür bzw. dagegen, gibt es eben auch keine Frühstücksspeise, die helfen würde. Heute ist Mike unsere Gesellschaft beim Frühstück und so können wir auch gleich mit ihm klären, wann wir unsere weiteren Cowboy Aktivitäten heute machen möchten. Auf unserem Plan steht nämlich Büchsenschießen und Lasso werfen.

Büchsenschießen

Ich sehe meine Chancen hier als verschwindend gering an. Ich hatte noch nie ein Gewehr in der Hand. Selbst in Vergnügungsparks oder auf Jahrmärkten habe ich noch nie zur Waffe gegriffen. Ich habe also keine Übung, keine Erfahrungswerte und keine Ahnung. Mike ist dagegen extrem versiert und so bekommen wir zuerst das übliche Cowboygewehr, eine Winchester, erklärt. In der Theorie klappt das schon ganz gut, obwohl die Waffe auch ohne Ladung ziemlich schwer wird, wenn man zu lange zielt. Allerdings bin ich mir einfach auch nicht so sicher und schieße deshalb selbst ohne Kugel erst nach langem Ziel suchen.

Geladen sieht die Welt dann nicht viel anders aus. Ich ziele lange und ausgiebig… und ich schieße daneben. War ja irgendwie klar. Alle meine Cowboy Schießversuche treffen was, aber nie eine der Büchsen, die es zu treffen gilt. Ich bin irgendwie kein guter Cowboy Schütze. Im Gegensatz zu mir ist der Zeugwart ziemlich gut. Er trifft die Büchse. Allerdings sagt er, dass er schon früher auf der Frankfurter Dippemess im training war. Natürlich nicht ausgiebig… aber doch ein bisschen. Das kann natürlich jetzt den entscheidenden Unterschied machen!

Wir wechseln das Gewehr. Vielleicht habe ich mit dem typisch amerikanischen Hausverteidigungsgewehr, einer sogenannten Pumpgun, mehr Zielglück? Das Gewehr wird nicht mit Kugeln, sondern mit Schrot geladen… und Schrot streut und damit steigen die Chancen. Die Hoffnung steigt. Laden läßt sich die Pumpgun wie man es aus den Ballerfilmen kennt, festhalten und ruckartig pumpen. Kein Wunder, dass die Schulmassaker in den USA häufig mit dieser Waffe ausgeführt werden. Ich kann sie ohne viele Erklärungen laden, zielen geht auch und ich treffe sogar beim schießen. Bei Schrot aber, wie bereits zur Beruhigung aller mitgeteilt, keine wirklich hohe Kunst. Aber doch ein bisschen Kunst. Kommt eben auf den Blickwinkel an.

Ich halte die Waffe vorbildlich und komme, ganz im Gegensatz zum Zeugwart, ohne blaue Flecken davon. Der Rückstoß der Waffe donnert ihm ordentlich gegen die Schulter, währenddessen ich dem Gewehr kaum Bewegungsfreude gebe. Technisch bin ich vorne was das angeht. Ich schieße deshalb auch des Zeugwarts Patronen noch leer und treffe alle Büchsen. An denen hat heute und in Zukunft keiner mehr Freude. Eine ganz ungewohnte Art des Recyclings.

Lasso werfen

Cowboys ballern ja nicht immer mehr oder weniger wild durch die Gegend, sie haben für ihre tägliche Arbeit auch Lassos, mit denen sie ihre Rinder unter Kontrolle halten. Beim Rodeo gibt es zusätzlich zur normalen Arbeit weitere Disziplinen bei denen sich die Cowboys miteinander auf Zeit messen können. Es gibt unterschiedlichste Arten das Lasso zu werfen und für jeden Einsatz auch das passende Lasso. Welche für die Hörner, welche für die Hufe, welche um Tiere am Hals zu fangen, stabilere, flexible und in jeder Farbe. Lassos sind für Cowboys wie ihre Pferde… jedes scheint einen eigenen Charakter zu haben.

Mike hat hier auf der Valley View Ranch ein Lasso, mit dem wir es mal probieren können. Wie bei der Winchester und meinen Schießübungen, habe ich auch mit diesem Lasso wenig Erfolg. Das Ziel treffe ich nicht, der Schwung sieht aber schon ganz passend aus. Ich hätte einfach vor Jahrzehnten mit dem üben beginnen sollen, so wie es die Cowboys auch von klein auf tun. Der Zeugwart ist mit dem Lasso etwas geschickter als ich und trifft das Ziel ein paar Mal. Allerdings ist es für ihn die gleiche Schulter, die er für das Gewehr als Abstütze gebraucht hat, die jetzt auch in Anspruch genommen wird. Das ist natürlich weniger gut.

Roping

Heute endet unser Besuch auf der Ranch bei Petra und Mike. Es waren einfach wunderbare Tage! Anscheinend dachten wir bei der Reiseplanung, dass drei Tage Cowboy sein ausreichen würden? Für unsere Hintern und des Zeugwarts Schulter war das auch eine hervorragende Planung, für mein Gemüt nicht so sehr. Wir haben die Tage abseits von Verkehr, Stadt, Lärm und Hektik wirklich sehr genossen.

Auf dem Weg nach Dallas, dem nächsten Ziel unseres Urlaubs, fahren wir noch in einem Cowboyladen vorbei. Mike hat ihn empfohlen und tatsächlich ist es wie von ihm beschrieben. Gefühlte 1.000 Sättel, 5.000 Lassos und hunderte von Hüten zusammen mit zahlreichen Cowboys und Stiefeln gilt es zu bestaunen. Hier bekomme ich von einem wirklich urigen Cowboy, der selbst ziemlich gut mit dem Lasso umgehen kann auch gleich eine Kaufempfehlung und nehme mir ein passendes, recht flexibles, Übungslasso mit. Wenn ich das nächste Mal zu Petra und Mike auf die Ranch komme, werde ich die Ziele fangen können. Alles Übungssache!

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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3 Gedanken zu “Cowboy Training

  • Helge Orlt

    Liebe Claudi,
    ja, mit dem Reiten ist es wie mit dem Laufen und dem Radfahren, dem Schwimmen und eben allem anderen: Nur wenn man es ständig übt, tut der Hintern irgendwann nicht mehr weh 😀
    Ich weiß wovon ich rede, schließlich habe ich ja eine Ausbildung zum Pferdewirt mal gemacht und habe jeden Tag Stunden im Sattel verbracht.
    Sehr spannend was ihr alles so auf der Cowboy Farm gemacht habt. Ihr kommt dann ja als waschechte Freizeit Cowboys zurück. 🙂
    Liebe Grüße
    Helge

    • Clauditries Beitragsautor

      Liebe Helge,
      nachträglich noch alles Gute zum Geburtstag! 🙂
      Ach, Du bist eine Pferdewirtin? Das ist ja interessant. Theoretisch könntest Du auch eine Psychologin sein… Pferde sind ja wirklich unheimlich spannend.
      Ich muß unbedingt zurück zur Cowboy Ranch kommen um weiter an meinen Reitkünsten arbeiten zu können.
      Viele erholte Grüße,
      Claudi

      • Helge Orlt

        Vielen Dank für die Geburtstagswünsche 🙂
        Ja, ich bin (zumindest war ich es in meinem 1. Leben) Pferdewirtin mit der Spezialisierung als Bereiter.
        Ich habe also tagein tagaus auf dem Pferderücken gesessen.
        Irgendwann bin ich dann aber in die Informatik gegangen 😆
        Ich hatte auch privat ein Pferd. Einen echten Schatz. Musste leider mit 24 Jahren (nach einem wirklich schönen Leben) eingeschläfert werden.
        Schönen Urlaub noch 🙂