Wartezimmer 2


Auch, wenn es hier nicht stets Erwähnung findet, macht mein rechtes, beim Fahrradunfall im November 2013 stark in Mitleidenschaft gezogenes Knie, nach wie vor Probleme. Es ist permanent angeschwollen und nach jeder Belastung teilweise so stark, dass selbst gutes Zureden, Eis und ein Verband mit Retterspitz erst über Nacht Abhilfe verschafft. Es bringt aber nichts, ständig darüber nachzudenken oder rastlos darüber zu jammern, denn das ändert am Knie und seinem Verhalten nichts. Gar nichts. Also plane ich nach jedem Sporteinsatz meines Knies die notwendigen Rehamaßnahmen einfach immer mit ein. So ist es und so wird es höchstwahrscheinlich auch noch eine ganze Weile sein. Dabei ist mein Knie nach der Ansicht zahlreicher Ärzte, Orthopäden, Röntgenanalysten und MRT Spezialisten, nicht schwer beschädigt. Einfach nur geprellt.

Unmöglich

Das jedoch, kann ja irgendwie nicht sein, höre ich heute, als ich in die Praxis des Gutachters gehe. Bewaffnet mit all meinen MRT und Röntgenaufnahmen und allen Arztberichten marschiere ich pünktlich nach Frankfurt. Ich habe eine Unfallversicherung und ehe hier eine Zahlung getätigt wird, stellt ein unabhängiger Gutachter fest, ob überhaupt eine fällig ist. Lieber wäre mir natürlich, es wäre keine Zahlung fällig und dafür wäre mein Knie einfach normal, aber wo ich für die Versicherung schon so lange eingezahlt habe, geht es selbstverständlich auf alle Fälle zum Gutachter.

Bei einem Unfallgutachter macht man keinen Termin aus, der Gutachter kommt auf einen zu. Sehr interessante Vorgehensweise, aber ich bin ja flexibel und so erscheine ich pünktlich und bin in der Lage, mich bis auf die Unterwäsche zu entkleiden. Denn das steht in der Einladung zum Termin ebenfalls drin. Hier geht’s also zur Sache.

Arzt

Schon das Wartezimmer ist beeindruckend. Hier geben sich ganz offenbar auch die Stars die Klinke in die Hand, und jeder geht oben ohne wieder raus, zumindest sieht das so aus, wenn ich mir die Wände betrachte. Die Trikots hängen teilweise dreifach übereinander.

Nachdem ich meine Bilder und Berichte abgegeben habe, nimmt sich der Gutachter ein paar Minuten Zeit und dann werde ich reingerufen. Wir klären kurz, dass es um mein Knie geht und ich bin froh, dass er wirklich gut vorbereitet ist, dann ziehe ich meine Jeans aus und er kann loslegen. Die heutige Untersuchung ist umfangreich. Extrem umfangreich. Von ausmessen über Prüfungen zur Flexibilität, Belastbarkeit und Streckung, sowie der Ermittlung der Muskelkraft ist alles dabei. Wenn ich mal Maße brauche, gehe ich auf jeden Fall wieder her. Der Mann hat das voll im Griff und macht es nicht zum ersten Mal.

Varianzen

Die Unterschiede zwischen meinen Beinen sind gravierend. Meine Muskulatur rechts ist deutlich zurückgebildet im Vergleich zur linken Seite. Auch mein derzeitiges Hüft-Rücken-Thema kommt laut seiner Aussage (und dabei weiß er davon gar nichts) eindeutig vom Unfallknie. Da bislang nur ein Röntgenbild am Unfalltag gemacht wurde, schickt er mich sofort jetzt gleich zum erneuten Röntgen. Im Anschluß stelle ich mich bei ihm wieder vor.

In der Röntgenpraxis geht es schnell wie nie. Nicht nur, dass ich als normaler Kassenpatient hier weil ich vom Gutachter komme, einfach durchgeschleust werde, die Praxis ist zusätzlich extrem modern und alles geht ratz fatz. Und schwups habe ich meine Bilder in der Hand und marschiere zurück zum Gutachter. Zurück in das ab sofort tollste Wartezimmer aller Zeiten.  Jedes Wartezimmer, was ich zukünftig besuche, wird sich mit diesem hier messen müssen, das ist klar.

Der erste Blick auf die Bilder zeigt keinen Befund. Beide Knie weisen die gleichen Verschleißerscheinungen auf, wie sie in 37, xx Jahren nun einmal vorkommen. Einen nennenswerten Unterschied zwischen beiden gibt es nicht. Schön, aber leider wieder keine Erklärung für das Unfallknie, was eben nach wie vor muckt.

Abwarten

Alle Bilder bleiben hier und werden erneut Spezialisten vorgelegt, die nur darauf ausgebildet sind Mysterien aufzudecken. Ich erhalte in 3-4 Wochen eine Rückmeldung vom Gutachter mit den Befunden, der Spezialisten. Am schönsten wäre es, wenn sie mir dann sagen könnten, was mein Knie hat und wir endlich mit einer richtigen Therapie loslegen könnten. Weit über zwei Jahre nach dem Unfall wäre es dafür ja wirklich an der Zeit.

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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2 Gedanken zu “Wartezimmer