Codewort – Langsam


Gestern Abend hat es sich bereits angedeutet und heute ist es dann tatsächlich soweit. Bei der Visite sieht alles prima aus, mein Kontrollröntgenbild der Lunge, was gestern Nachmittag noch geschossen wurde, zeigt eine voll entfaltete Lunge und weiterhin zahlreiche gebrochene Rippen, und der Arzt ist gut zufrieden. Er fühlt die Platte am Schlüsselbein, freut sich noch mal über seine tolle Arbeit und verabschiedet sich. Er wünscht mir alles Gute und hofft, dass wir uns nicht noch mal wiedersehen. Obwohl er nett ist und ganz sicher eine gute Arbeit gemacht hat, hoffe ich das ebenfalls.

Mit Unfällen bin ich durch.

Ich weiß nicht genau, wie ich das in Zukunft steuere, aber definitiv werde ich Unfälle jeglicher Natur unbedingt vermeiden. Während ich meine Tasche packe und wegen jeder Minisache einmal durch das Krankenzimmer laufe, verstreicht die Zeit wie im Flug. Ich bekomme noch ein letztes Mal alle Pflaster gewechselt und Wunden sowie Narben kontrolliert und dann gibt es noch jede Menge Papierkram. Und schon, ist der Zeugwart auch zur Stelle um mich heimzuholen.

Zum ersten Mal überhaupt, nehme ich den Aufzug in Richtung Ausgang und der Zeugwart zeigt mir seinen täglichen Weg der letzten Wochen. Es geht vorbei an der Notaufnahme und der Radiologie und dann ist man im Eingangsbereich, wo ich am 24. Juli als Geist im OP Hemd einmarschiert bin. Wie schön, dass ich heute langsam, aber alleine atmend und ziemlich lebendig raus laufen kann. Ein Hoch auf die Medizin!

Regenwetter

Draußen regnet es. Der Zeugwart geht schon mal vor und bezahlt das Parkticket, während ich in Richtung Auto gehe. Langsam. Ich habe das Gefühl, langsam wird für die nächste Zeit das Wort der Wahl sein. Unser Parkplatz ist heiß begehrt und ich versuche auch irgendwie mich beim einsteigen zu beeilen. Natürlich ohne Erfolg. Weil ja Langsam und nicht Schnell das neue Codewort ist. So ein Autoeinstieg ist aber auch wirklich sehr anstrengend. Nicht nur für meinen operierten Arm, sondern vor allem für meinen Brustkorb. Ich kann mich außerdem kaum rühren, so dass das Anschnallen zu einer Gemeinschaftsaktion wird.

Wir fahren von Frankfurt aus nach Hause, meine Güte sind die Strassen schlecht. Ich halte mich total verkrampft am Griff über der Tür fest und spanne gleichzeitig als Extrapuffer meinen Po permanent an. Jede Bodenwelle, jede Kurve und jede Schwelle merke ich unangenehm in meinem Brustkorb. Kein Wunder, dass mir heute früh die Schwester noch dazu geraten hat, ordentlich Schmerztabletten zu nehmen. Nicht auszudenken, wie es ohne wäre!

Arztbesuch

Wenn man aus dem Krankenhaus entlassen wird und weiterhin Hilfsmittel oder Medikamente braucht, dann muß man sich das erst mal organisieren. Ein Krankenhaus kann einen nämlich weder länger krank schreiben, als man Insasse ist, noch Medikamente mitgeben. Netterweise hat man seitens der BGU bereits gestern den Arztbrief der meine Krankengeschichte beschreibt und die Therapieempfehlungen sowie die derzeitige Medikation auflistet an meinen Hausarzt gefaxt. Heute fahren der Zeugwart und ich auf dem Weg nach Hause deshalb direkt hin und nehmen zahlreiche Zettel in Empfang. Rezepte für Physiotherapie für den Arm und für das Atemtraining für meine Lunge sowie Schmerzmittelrezepte. Dann machen wir noch einen Termin aus um meine Narben und Wunden zu kontrollieren und einen um die Fäden zu ziehen.

Natürlich kann ich jederzeit kommen, wenn es zwischendurch Probleme geben sollte. Wenn ich kurzatmig werde, lautet die eindeutige Anweisung, sofort ins Krankenhaus zu fahren oder per Rettungswagen in die BGU zu kommen, ohne Umwege. Zum Hausarzt geht es nur, wenn ich mit den Narben oder Wunden ein Thema habe, also z.B. eine Entzündung aufflammt. Ich habe allerdings nicht vor, dass jetzt noch was passiert.

In der Apotheke lösen wir das Rezept ein und gehen mit einem Berg von Medikamentenschachteln wieder raus. Unfassbar, was ich für Schmerzen haben muß, wenn ich mir die Größe der Schachteln betrachte. Ich kann über den Stapel gerade noch so drüber schauen, als ich im Auto sitze.

Alltag

Dann sind wir zu Hause und ich muß mich erst mal hinsetzen. So ein Arztbesuch kann ganz schön schlauchen. Der Zeugwart hat heute den Tag frei genommen und ist auch morgen einen Tag daheim, damit er mich unterstützen kann. Kaum daheim angekommen merke ich sofort, warum das sinnvoll ist und bin gespannt, wie ich es nach dem Wochenende dann alleine schaffen soll. Der Alltag, wie ich ihn kenne und die Normalität, ist in weite Ferne gerückt. Ganz weite Ferne. Vorerst werde ich mich mit ganz anderen Sachen beschäftigen.

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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