Kleine Fortschritte 8


Die Leichtigkeit des Seins habe ich mal gemerkt, irgendwann. Wahrscheinlich vor dem 24. Juli 2016. Seit dem ist an meinem Sein vieles nicht mehr so leicht. Viele Bewegungen, die mal normal und natürlich schmerzfrei waren, zwicken jetzt, viele darf ich nicht machen, einige kann ich nicht machen, weil sie noch weh tun. Ich bin eingeschränkt, ich darf nicht rennen, kein Rad fahren (auch wenn mir danach manchmal gar nicht danach zu Mute ist) und nichts heben. Mein linker Arm ist auf ein Tragegewicht von 500gr beschränkt, was wirklich nicht viel ist. Und wenn ich mal zwischendurch austeste, ob nicht doch auch mehr geht, bekomme ich sofort die Quittung. Es zieht in meinem Brustkorb, als wäre ich ein Gewichtheber bei Olympia. Ungedopt.

Zeit

Meine Rippen und die Narbe vom Unterdruckschlauch sind noch nicht soweit. Die Narbe sieht allerdings schon wirklich gut aus. Ich pflege sie regelmäßig mit Narbengel und massiere sie, damit sie weich und geschmeidig wird. Aber anscheinend geht das eben nicht von heute auf morgen oder von Anfang August bis heute. Ich bin alt und deshalb braucht mein Körper etwas mehr Zeit, als mein Kopf dafür bereit gestellt hat. Ich gewöhne mich aber langsam an die neue Geschwindigkeit, die mein Körper für die Heilung so aufruft und freue mich über die Fortschritte, statt deprimiert zu sein, dass es so lange dauert.

Gut Ding will eben Weile haben. Den Spruch gibt es ja nicht nur einfach so, sondern mit Sinn. Mittlerweile bin ich ja auch schon ein gutes Stück weiter. Vor allem bin ich viel viel weiter, als die Ärzte im Krankenhaus prophezeit haben. Ich befinde mich was die Genesung angeht in den Augen der Ärzte auf der Überholspur und bin ganz vorne. Während ich jetzt schon fitter bin, als viele, die mit meinen Verletzungen in eine Reha geschickt werden und dann zurück kommen, mache ich mir Gedanken, wann ich denn endlich wieder laufen gehen kann.

Zurück

Man zielt ja immer darauf ab, wo man hergekommen ist. Und da hat ein kleiner 5km Lauf eben auch an Tagen, wo ich mich unfit gefühlt habe, dazu gehört. 5km gingen immer. Eine halbe Stunde laufen? Dafür war immer Zeit. Selbst auf Geschäftsreisen und an stressigen Tagen… eine Runde laufen hat rein gepaßt. Jetzt strengen mich manchmal normale Tage so an, dass ich keine Runde laufen mehr schaffen würde. Joggen ist eh nicht gestattet, wegen der Stoßbelastung, aber selbst spazieren gehen ist anstrengend in meiner Welt. Ich falle abends, nach Physiotherapie und normalen Tätigkeiten wie Wäsche waschen, einkaufen oder Spülmaschine ausräumen ins Bett und schlafe wie ein Stein.

Gestohlen

Der Unfall hat meine Kondition geklaut. Vorher war der Haushalt ein Nebenschauplatz. Der ging so nebenbei… während ich gekocht habe, wurde die Spülmaschine ausgeräumt. Während ich die Einkaufsliste geschrieben habe, wurde die Wäsche gemacht. Heute brauche ich für eine Tätigkeit so viel Puste, dass keine andere mit erledigt werden kann. Und ich brauche auch immer mal eine Pause, weil ich dann zwischendurch einfach nicht mehr kann. Und da rede ich nicht von einer Gehpause, weil ich bei einem langen Lauf das Gefühl habe, ich kann nicht mehr. Ich kann dann wirklich nicht mehr und zwar auch nicht gehen. Ich setze mich dann hin und mache eine Pause. Die besteht aus gar nichts, außer atmen. Einfach eine Pause.

Claudi gives it a TRI - Unendlichkeit

Früher hat der Trainer immer mal „aktive Pause“ in den Plan geschrieben… die Zeiten sind vorbei. Zumindest für den Moment. Aktiv ist an meinen Pausen im Moment gar nichts. Ist vielleicht aber auch nicht so schlecht? Wenn eine Pause tatsächlich mal ein Moment der Ruhe ist? Und die Pausen werden kürzer.

Mittlerweile kann ich mich auch im Schlaf auf die Seite drehen, ohne wegen Schmerzen wach zu werden. Endlich ist die dauerhafte Rückenlage nur noch eine Erinnerung und ich kann auch mal auf der rechten Seite liegen. An die linke Seite ist noch lange nicht zu denken, nur, weil ich mich das auch schon gefragt habe und dann gleich ausprobieren musste. Die linke Seite ist noch viel zu empfindlich und braucht noch. Lange. Aber über die rechte Seite und ihre neue schmerzfreiheit freue ich mich schon mal sehr.

Mit solchen Erfolgen kann es weitergehen!

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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