Blogparade: Warum mach‘ ich das überhaupt? 7


Das ist doch mal eine gute Frage… generell ist die Frage nach dem Warum ja nie schlecht. Auf dem Blog von Martin Feigenwinter gibt es derzeit die Blogparade zu diesem Thema und irgendwie hat mich das Thema sofort berührt. Gerade hatte ich noch einen wirklich schlechten Tag bzw. einfach keinen Guten und schon geht’s weiter im Text und mit dem Leben. Es macht einfach überhaupt gar keinen Sinn dauerhaft Trübsal zu blasen oder sich demotivieren zu lassen. Schon gar nicht von 11 Knochenbrüchen oder einer verletzten Lunge. Wo käme ich denn da hin, wenn ich deshalb den Mut verlieren würde? Voran ginge es auf jeden Fall nicht. Und glücklicherweise findet man auch immer zahlreiche Beispiele von Menschen, die es noch schlechter getroffen haben, als ich.

Worum geht’s eigentlich?

In meinem letzten Blogeintrag hatte mich ein schlechter Tag regelrecht überrannt. Die Schmerzen und die Unbeweglichkeit ergaben ein unschönes Gemisch von Motivationslosigkeit und Traumanzweiflung. Noch mal auf’s Rad steigen? In weite Ferne gerückt und kein großer Wille das wieder ranzuholen. Der Traum vom Ironman, vermeintlich ausgeträumt aber ganz sicher in unheimlich weite Ferne gerückt. Muß Radfahren überhaupt sein? Gehört das dazu? Ist es dringend notwendig? Muß es Triathlon als Hobby sein, oder kann man auch einfach was anderes machen? Stricken, nähen, malen?

Wie fängt man sich da wieder?

Motivation kann nur von einem selbst kommen. In die eine, wie auch in die andere Richtung. Schon bei meinem ersten Triathlon, beim ersten 5km Lauf, nach meinem letzten Unfall und im letzten Jahr beim Ironman 70.3 Kraichgau, es ist immer das gleiche Schema. Es kann immer nur auf die eigenen Gedanken ankommen, weil kein anderer wirklich versteht, was in einem vorgeht und warum man etwas möchte oder eben auch nicht. Auch auf der Arbeit funktioniert es nur, weil man selbst motiviert ist. Da kann der Chef mit mehr Geld kaum etwas ändern, wenn es eben einfach nicht das Richtige ist, was man tagtäglich tut, dann geht man trotzdem frustriert hin und findet kein Glück.

Gründe genug

Einen Grund gibt es immer. Für die eine, oder für die andere Entscheidung. Es gibt auch jede Menge Meinungen zu den verschiedensten Themen. Und doch kommt es immer nur auf einen selbst an. Was möchte man erreichen und warum? Spaß steht für mich dabei ganz oben auf der Liste. Ich möchte ein schönes Leben haben. Es ist kurz genug, egal wie lange es dann im Endeffekt dauert -und das kann in meiner Familie ganz schön lange sein- um tatsächlich alles zu verwirklichen, was man immer mal machen wollte. Also sollte man sich die Rosinen rauspicken, wo es eben geht.

Veränderung

Ich habe mal zwei Jahre einen extrem ätzenden Job gehabt. Die Arbeit war geprägt von Irrsinn und Menschenverachtung. Der Umgang untereinander oft grotesk, ich kam mir oft vor, wie in einer Fernsehshow, weil das, was täglich geschehen ist einfach so unwirklich verrückt war, dass ich es kaum ertragen konnte. Die Geschichten die ich davon zu Hause erzählen konnte, waren so wirr und kaum nachzuvollziehen, dass ich manchmal schon selbst gedacht habe, ich erfinde sie. Bei sowas kann man sich noch so oft einreden, dass man ja „nur“ zur Arbeit geht und es egal ist. Ist es aber nicht. Auch hier braucht es Motivation um die Antwort auf „Warum mach‘ ich das überhaupt?“ mit „Du machst es nicht mehr.“ geben zu können.

Im Sport ist es ähnlich. Wie allgemein bekannt und natürlich hier in meinem Blog seit Jahren nachzulesen, schwimme, radle und laufe ich niemals um Treppchenplätze, Weltmeisterschaftsqualifikationen, Pokale und Klassifizierungen mit. Es ist bei meinem Training, der körperlichen Verfassung (auch vor meinen Unfällen) und meinen Lebensumständen einfach so und ich kann auch prima damit leben. Ich sportel also nicht um vorne mit dabei zu sein. Allerdings trainiere ich regelmäßig um nicht ganz hinten dabei zu sein. Paßt dann auch nicht so ganz, oder? Ein Treppchenplatz wäre manchmal schon toll, aber der Preis ist oft höher, als ich ihn bereit bin zu zahlen. Und Spaß kann man auch im Feld haben, manchmal vielleicht sogar mehr, als ganz vorne. Das kann ich nicht beurteilen. Vorne sieht es meistens nach Arbeit aus.

Motivation im Sport und im Alltag

Jetzt, da es bei mir erneut darum geht, mich nach meinem Unfall zurück zu kämpfen, spielt die Motivation mal wieder eine ganz besondere Rolle. Anders als im täglichen, wöchentlichen und monatlichen Trainingsplan meines Trainers, dem ich diesbezüglich weitestgehend blind vertraue, außer wenn tatsächlich etwas ganz wirres drin steht, weil er mich offensichtlich mit einem krassfitten Downhill Mountainbiker von zarten 17 Jahren verwechselt, mache ich mein Training selbst. Ich muß mich selbst motivieren mein Atemtraining und die Übungen für Rippen und Lunge durchzuführen.

Beim Sport schreibt der Trainer alles in den Plan und ich kann es abarbeiten.  Ich überlege mir ein Ziel, an dessen Verwirklichung ich Spaß haben werde, und der Trainer verschriftlicht es. Ich kann das Ziel dann so gut umsetzen und starte gut vorbereitet mit der nötigen Ruhe. Im Kraichgau hatte ich einen super schönen Wettkampf. Ich lächle auf jedem Bild und bin sehr zufrieden, dass ich mir das vorgenommen hatte und dann durchziehen konnte. Das hilft natürlich ungemein weitere Ziele entsprechend umzusetzen. Gute Erfahrungen stärken den Geist und die Motivation, schlechte Erfahrungen spornen dazu an, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Natürlich können schlechte Erfahrungen auch die Motivation töten. Man kann für sich nach so einer Erfahrung auch beschließen, dass man es läßt. Und sich andere Ziele suchen. Nach einem Unfall gibt es die Möglichkeit aufzugeben nicht. Mein derzeitiges Training hat noch gar nichts mit Sportlichkeit zu tun, im Moment geht es um ganz normale Dinge, die einfach wieder funktionieren sollen und dafür trainiert werden müssen. Der Alltag ist deshalb Motivation genug. Es wäre grotesk, den normalen Alltag aufzugeben, wenn ein konsequentes Training dafür sorgen kann, dass man an die Gewohnheit vor dem Unfall anknüpfen kann.

Und warum mache ich den Sport überhaupt? Da ist der Spaß an Bewegung und daran, etwas geschafft zu haben, meine Motivation. Triathlon macht einfach Spaß. Die Radausfahrten mit der Männergruppe und im Trainingslager sind immer schön, die Läufe in unserem Wald, bei denen ich toll abschalten kann, gefallen mir und dann so ein Zieleinlauf wie im Kraichgau, wenn man alles umgesetzt hat, ist wirklich schön.

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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7 Gedanken zu “Blogparade: Warum mach‘ ich das überhaupt?

  • Helge Orlt

    Liebe Claudi,
    ich schaue das Bild von dir vom Kraichgau an und weiß sofort, warum du das alles gemacht hast 🙂
    Das Bild wo du auf der Bank sitzt und stolz wie Oskar die Medaille in die Kamera hälst.
    Du hättest es zwei Jahre vorher nie für möglich gehalten, oder? Die Radstrecke ist wirklich nicht ohne und auf die Laufstrecke gehört jetzt nicht zu den einfachen. Aber du hast das einfach gemacht und das, was am wichtigsten ist: du hattest Spaß dabei. Du warst glücklich dabei. Um Platzierungen, Preise und sowas geht es in unseren Leistungsniveau -Kreisen doch eh nie. Vielleicht erwischt mal mal einen kleinen Triathlon wo die eigene AK ganz schwach besetzt ist, aber da hört es auch schon auf. Es geht doch nur um das Ziel und den Weg dahin. Darum, Dinge zu schaffen, die vor ein paar Jahren völlig undenkbar waren. Über sich selbst hinaus wachsen und das Leben genießen.
    Und jetzt geht es für dich erstmal darum, wieder völlig gesund zu werden. Und wenn das geschafft ist, dann kommt der Rest von alleine. Gönn dir die Zeit, die es braucht. Und lass den Kopf nicht hängen weil es länger dauert als du es gern hättest.
    Ich bin mir sehr sehr sicher, das ich hier irgendwann den Bericht darüber lese, das du wieder auf der Piste bist 🙂
    Ganz liebe Grüße
    Helge

  • Alexandra

    Hi Claudi,

    in „meinem“ Sport lebe ich leider auch in der „alltäglichen“ Gefahr mich zu verletzen oder gar zu sterben. Vor wenigen Wochen erst war ich „live“ dabei wie sich ein Fliegerkollege in den Fels gebombt hat. Zwei offene Beinbrüche, ein gebrochener Arm, ein gebrochenes Becken, 12 Stunden OP und 3 Reanimationen.. und leider liegt der Pilot immer noch im künstlichen Koma, keiner weiß wie’s ausgeht.

    Die Frage, „warum“ will ich trotzdem fliegen, ist es nicht bescheuert meine Gesundheit und mein Leben auf’s Spiel zu setzen? Warum glaube ich, dass es mich nicht treffen wird, obwohl die Statistik bei 30.000 aktiven Piloten zwischen 10 und 15 Tote im Jahr zählt? 4 tote Gleitschirmfreunde in 7 Jahren.. keine gute Quote.

    Für MICH ist die Antwort aber ganz klar.. ich LIEBE das Fliegen. Ich kann es einfach nicht aufgeben, mein Leben würde um so vieles ärmer werden wenn ich es müsste.

    Ich hänge am Leben und ich fliege risikobewusster als die meisten Piloten die ich kenne. Wenn die Bedingungen zweifelhaft sind, verzichte ich auch mal. Ich bilde mich ständig fort und ich trainiere.. das ist meine Überlebensstrategie. So sicher wie möglich, so konsequent wie möglich, damit kann und will ich leben und fliegen. Ich denke, dass Du über Deine Leidenschaft ähnlich denkst!

    Ach.. und wenn Du nach Motivation suchst.. schau mal hier https://vimeo.com/152058154 Eine sehr sehr sehr beeindruckende Frau!

    • Clauditries Autor des Beitrags

      Hallo Alexandra,
      danke Dir für Deine Worte!
      Mein Orthopäde hat auch mit warmen Worten auf mich eingeredet und hat gesagt, dass ich mir überlegen soll, ob Fahrradfahren zum Leben dazugehört, oder eben nicht. Es ist ein gefährliches Hobby, aber das seien andere Hobbys auch und das Leben an sich sowieso. Wahre Worte.
      Ich verstehe Deine Ausführungen über das Fliegen und JA, ich denke ähnlich. Ich verzichte ebenfalls, wenn es wirklich kritische Bedingungen sind, aber das normale Radfahren möchte ich eigentlich nicht missen. Das Gefühl der letzten Tage ist eindeutig.
      Alles Liebe,
      Claudi

  • Karina

    Hallo Claudi,
    es wird immer wieder solche und solche Tage geben. Aber irgendwann werden die besseren wieder überwiegen. Lass dich nicht stressen und drängen. Nimm dir die Zeit, die es braucht. Triathlonaltersmäßig bist du ja noch ein Jungspund, also hast noch alle Zeit der Welt wieder anzugreifen. Und wenn es mal nicht so läuft, dann denke einfach an Kraichgau…
    Liebe Grüße
    Karina