Ein Abschied 2


Heute ist das letzte Mal Balletttraining. Nicht für alle, aber für mich. Ich möchte einfach nicht viele Monate im Jahr umsonst bezahlen und damit den Preis pro Ballettstunde in die Höhe treiben, eine 10er Karte ist nicht mehr möglich, also ist nach dem heutigen Unterricht einfach erst mal Schluß. Für alle beginnen ab nächster Woche sowieso die Osterferien, so dass es in jedem Fall eine Pause gegeben hätte.

Ich bin heute früh vor Ort und dann ziehe ich mich auch flott um und sitze ein letztes Mal im Ballettsaal. Die Musik läuft und es riecht wie früher. Eine Mischung aus Schweiß, abgewetzter Ledersohle und Frühling, weil halt gerade ordentlich Frühling ist. Und früher war eben auch schon mal Frühling. Wahrscheinlich damals, als ich mich noch besonders flexibel bewegen konnte, Spagat kein Problem war und auch Sprünge ganz locker von der Hand gingen. Damals eben. Meine Ballettkarriere fand ein jähes Ende, weil ich nach vielen Krankenhausaufenthalten einfach nicht mehr reingefunden hab. Mehrere Monate aussetzen werfen die Kunst zurück.

Heute legen wir wie üblich los, weil das einfach beim Ballett immer so ist. Die Aufwärmübungen sind immer gleich oder zumindest sehr ähnlich und die Übungen an der Stange kenne ich auch. Schön, wenn man so gut mitkommt. Die Abfolgen werden zwar immer erweitert, aber das Grundprinzip bleibt natürlich gleich. Das Rad wird beim Ballett ja nicht ständig neu erfunden. Die Kunst des Tanzens baut hauptsächlich auf altbewährten, lange bekannten Übungen und Abfolgen auf. Manche Ballettstücke werden jahrelang gleich aufgeführt und dann, wenn man sie auf einmal modernisiert, geht keiner mehr hin.

Das verstehe ich. Ich mag das Traditionelle. Wenn ich mir den Nussknacker ansehe, dann weiß ich was kommt, und das macht es so schön. Genauso ist es für mich hier. Ich weiß was kommt: Bauch einziehen, Schultern runter, Kopf hoch, Blick zur Seite, Arm gebogen und natürlich die Beine strecken. Und nach außen drehen. Natürlich. Und die Hüfte gerade halten.

Obwohl heute meine letzte Stunde ist, legen wir trotzdem wert darauf, dass ich alles richtig mache. Sonst würde es ja auch nur halb so viel spaß machen und noch wuseliger aussehen, als es das eh schon tut. Eine Nilpferd- Tänzerin mit krummem Rücken sieht noch lustiger aus, als eine die wenigstens die Technik richtig umsetzt.

Ich gehe heute wehmütig aus der Ballettschule raus. Zwar wären sowieso Ferien, aber ich würde gerne jede Woche kommen. Ballett macht mir wirklich viel Spaß. Vielleicht finde ich ja eine Tanzschule, die ihr Unterrichtsangebot auch während der Schulferien aufrecht erhält, zumindest für Erwachsene. Und vielleicht gibt es im Rhein-Main-Gebiet ja auch eine Fortgeschrittenengruppe für Erwachsene. Ich muß einfach mal danach schauen.

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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2 Gedanken zu “Ein Abschied

  • Helge Orlt

    Liebe Claudi,
    ja schade, ich habe auch immer sehr gern über deine Ballettstunden gelesen. Ich habe es als Kind selbst gemacht und irgendwie ist es schön zu hören, das sich da anscheinend nix geändert hat 🙂
    Ich bin mir sicher, du findest etwas anderes. Man kann ja lesen, wie viel Spaß es dir macht.
    Ich drücke dir die Daumen 🙂
    Liebe Grüße
    Helge