Doppeltraining in Sicht 1


Wieder einmal kann ich nicht glauben, dass ich im letzten Jahr viele Wochen ausgefallen bin, so viele Fragen, wie mir auf der Arbeit gestellt werden. Und es ist nicht so, dass sich das Unternehmen oder mein Aufgabenbereich sonderlich geändert hat. Es ist einfach anders, wenn man da ist, so scheint es mir. Und ich bin wirklich lange im Büro gewesen die letzten Tage und ich habe gefühlt nicht viel geschafft bekommen, weil ständig jemand anderes eine Frage gestellt hat.

Laufen

Heute muß ich mein Auto gleich früh von der Werkstatt abholen. Es hat gestern eine große Inspektion bekommen und die Werkstatt liegt erfreulicherweise in Laufnähe. So walke ich die 3km heute früh durch den sonnigen Morgen und erfreue mich am Wald. Hier ist zur frühen Stunde schon wirklich viel los und da heißt es die Singvögel in Deutschland gehen zahlenmäßig zurück. In unserem Wald ist diesbezüglich nichts zu merken. Hier singt es aus jeder Ecke und mit viel tirili komme ich dann auch tatsächlich nachssgeschwitzt im Autohaus an. Und da bekomme ich mein Auto sogar ohne für die Inspektion zu bezahlen. Die Rechnung ist nämlich noch nicht fertig. Das fühlt sich irgendwie lustig an.

Nachdem ich den Tag mit Abstimmarbeiten und neuen Vorlagen für die kommende Saison verbracht habe, viel telefonieren musste, denn die Fragen müssen ja irgendwie platziert werden, entscheide ich mich heute Abend noch -mehr oder weniger freiwillig- für den Rehasport.

Rehasport

Im Activano angekommen, schnappe ich mir mein Handtuch und wechsle in der Umkleidekabine die Schuhe. Hier sitzt eine ältere Dame, die gerade Ballerinas anlegt und fröhlich vor sich hinplappert. Als sie mich sieht, redet sie mit mir. Über ihre neuen Ballerinas. Es ist jetzt nicht so, als wäre ich interessiert. Ich habe lediglich gegrüßt, als ich eingetreten bin. Eine Aufforderung mich über ihre neusten Erunschgenschaften aufzuklären war das jetzt meines Wissens nicht. Ist ihr aber egal. Ich antworte nicht, aber eine Antwort ist auch gar nicht von Nöten. Immerhin lausche ich einem Vortrag über Ballerinas und den Sohn der Frau, der schon lange nicht mehr dagewesen ist, aber sich kürzlich ein neues Auto gekauft hat, obwohl er eigentlich gar keines gebraucht hätte. Das Alte war noch mehr als gut und sie glaubt, das liegt nur an seiner Freundin, die ihr sowieso ein Dorn im Auge ist.

Ich bin froh, dass ich zum Training gehen kann und sage nur kurz Tschüss um dann die Tür hinter mir zu schließen. Ich fülle meine Flasche und begebe mich an den Gerätezirkel. Und schon ist sie hinter mir und setzt sich an ein Gerät. Spontan entscheide ich mich für etwas Abstand und beginne mit einer anderen Übung als sonst. Und werde verfolgt. Die ältere Dame platziert sich um und spricht weiter, dass ich sie ja sonst überhaupt nicht hören könnte und sie wollte nicht so rumschreien. Ich erwähne kurz, dass ich wirklich am allerliebsten meine Ruhe habe und ihr viel Spaß beim Training wünsche. Sie sagt, dass sie auch gerne ihre Ruhe hat und sich gerade hier beim Training am liebsten konzentriert.

Ahhhh, das Kaputt…

Und dann erzählt sie von ihrer Nachbarin, ihrem letzten Arztbesuch, wo der ihr gar nicht so richtig zugehört hat (wie hat er das bloß gemacht? Ich bin für jeden Tipp dankbar!) und von ihrer Tochter, die in Australien wohnt und immer, wenn der alten Dame etwas einfällt und sie dort anruft, erwähnt, dass es jetzt mitten in der Nacht sei und sie wirklich schlafen muß. Ich kann nicht anders als zu schweigen… ich habe nämlich auch gar keine andere Möglichkeit, denn eine Pause für eine tatsächliche Konversation läßt die Frau nicht. Als ich an die Beinpresse wechseln möchte, steht davor ein älterer Mann. Ich frage, ob das Gerät frei ist und erfahre, dass er nur ein leichtes Gerät sucht und ich die Beinpresse gerne benutzen kann. Ich stelle das Gewicht von 30kg auf 120kg und lege los.

Als ich absteige, während die ältere Dame weiterhin davon erzählt, was es bei ihr heute Abend noch zu Essen gibt, kommt der ältere Herr zurück an die Beinpresse. Ob ich fertig bin, fragt er und ich sage lächelnd und verschwitzt ja. Er verstellt das Gewicht auf 130kg, nimmt Platz und stellt die Beine an. Dann drückt er los, läßt wieder locker, steigt von der Beinpresse ab und teilt mit vollem Ernst mit, dass das Gerät kaputt ist. Es hat sich keinen Millimeter bewegt.

Alkohol am Steuer

Die ältere Dame ist mittlerweile bei ihrer Wochenendplanung angekommen, während ich auf der Bauchmaschine 25kg versuche zu bewegen. Da kommt der Rezeptionist rein und fragt mich, was an der Beinpresse kaputt ist. Ich antworte, dass sie bei 120kg eben noch prima funktioniert hat, und er grinst und sagt… ahhh, das Kaputt. Dann verläßt er den Raum. Offenbar interessiert es ihn nicht, was die ältere Dame am Wochenende so machen möchte? Mich übrigens auch nicht. Aber das ist egal.

Nachdem ich mein ursprüngliches Rehaprogramm mit den zusätzlichen Übungen aufgestockt habe, fahre ich irgendwann so nass geschwitzt heim, dass ich ein Handtuch auf den Autositz lege. Zu Hause empfängt mich der Zeugwart wutschnaubend. Er war radeln und erzählt von einem Kastenwagen, der ihn ohne Außenspiegel auf einem für Kraftfahrzeuge gesperrten Feldweg vom Weg abgedrängt und einen weiteren Radfahrer gestreift hat. Nachdem er durch eine unbefahrbare Brücke zum Wenden gezwungen wurde, konnten die zwei Betroffenen sehen, dass er eine offene Wodkaflasche zwischen den Beinen hatte und auch seine Rumpöbelei ließ auf verstärkten Alkoholkonsum schließen. Leider hat die Polizei den Fahrer nicht erwischt. Hoffentlich ist kein anderer durch ihn zu Schaden gekommen!

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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