Morgens am Feld


Manchmal denkt man, man macht einfach das Beste daraus und weiß gar nicht, dass das Beste tatsächlich doch noch ziemlich heftig sein wird. Ich wache heute früh in England auf. Natürlich nicht so spontan, ich bin gestern schon angekommen und weiß deshalb natürlich sofort, dass ich heute früh in England sein werde. Ganz in der Nähe von Oxfort in einem mittelprächtigen Hotel, dafür aber direkt neben dem Büro. Das ist auch was wert. So kann ich nicht nur bis spät arbeiten und direkt ins Hotel fallen, ich kann auch früh beginnen, weil ich keinen langen Weg habe. Planungstechnisch ziemlich schlau. Unser Bürogebäude liegt eigentlich ganz hübsch. Weit ab vom Schuß, in Feldern, zwischen der Bahnlinie und der Autobahn. Für die, die hier üblicherweise arbeiten ganz gut zu erreichen und für Leute wie mich, mit angrenzendem Hotel auch ganz ok.

Nur die Freizeitgestaltung lässt stark zu wünschen übrig. Aber dass ein Bürokomplex sich nicht um die Freizeitgestaltung von Besuchern kümmert, sollte auch klar sein. Das wäre auch etwas zu viel verlangt. Ich arbeite also gestern lange und gehe dann mit meinem Kollegen noch etwas essen. Mit besonders gutem, sportlichem Vorsatz falle ich dann gestern auch ziemlich müde ins Bett, nur um heute mit verwirrter Zeit zu erwachen und nicht mit Englischer. So eine Stunde Zeitverschiebung kann mein Körper anscheinend nicht sofort umsetzen. Ich hatte gestern keine Gelegenheit mir die Gegend anzusehen, nur die Bahnlinie habe ich wahr genommen, weil der Zug regelmäßig vorbei kommt. Oxford ist ganz gut an den Bahnverkehr angekoppelt.

Der nette Rezeptionist hat mir für meinen Morgensport eine Runde am Feld vorgeschlagen. Er wies mir gestern Abend noch den Weg und so weiß ich heute früh, als ich umgezogen und etwas wetteroptimistisch mit einem T-Shirt bekleidet dem englischen Klima entgegentrete, schon, wo ich langlaufen möchte. Natürlich mache ich keine Experimente. Es wird gewalkt. Ich bin ein paar Tage hier und muß dann auch die Rückreise meistern, das kann ich auf keinen Fall mit einer schmerzenden Hüfte oder einem blockiertem ISG und meine Zeit hier ist auch so gut verplant, dass ich einen Arztbesuch wirklich nicht einschieben möchte. Joggen ist also abgesagt, es wird gewalkt. Ich laufe aus dem Hotelkomplex raus und nehme den Weg, den mir gestern angewiesen wurde. Am Feld.

Ach was. Das heißt also am Feld. Ich zweifle spontan an meinen englischen Sprachkenntnissen. Obwohl der Mann natürlich nicht ganz unrrecht hat, wenn man sich diesen Eindruck ansieht.

Das Feld ist gut bewässert, der wolkenverhangene Himmel läßt auf eine leichte fehlinterpretation meinerseits bezüglich des englischen Klimas schließen, und irgendwo finden sich bestimmt auch ein paar Vögel. Hören tue ich die allerdings nicht. Ich habe auch das Gefühl, dass ich mich leicht verkrampfe, denn auf der anderen Seite des Weges ist eine viel befahrene Bundesstrasse, die zu dieser morgendlichen Uhrzeit vor allem von gestressten Berufstätigen und von großen Lastwagen benutzt wird.

Irgendwie hatte ich „am Feld“ anders interpretiert, aber gut. Ich schaue also, dass ich nicht überfahren werde und alle Herrschaften auch ihre Spur halten, während ich mich durch den doch zugegebenermaßen etwas frischen englischen Morgen bewege. Wenn alle paar Sekunden ein Pendler vorbeirast und dazwischen immer noch ein LKW vorbei kommt, hat so ein Morgen auch gleich eine ganz andere Geräuschkulisse, als es üblicherweise an einem Feld so der Fall ist. Kein Wunder, dass ich keinen Vogel höre. Das müssten riesige Vögel mit ordentlichem Organ sein, um hier wahrgenommen zu werden.

Ich entschließe mich spontan heute keine wirklich lange Strecke zu spazieren. Es macht wirklich nur bedingt Freude direkt neben der Bundesstrasse zu laufen und so drehe ich zügig wieder um und marschiere zurück ins Hotel. Erfreulicherweise werde ich an jeder möglichen Fußgänger- Straßenquerung auf den Linksverkehr hingewiesen, so dass ich -und wahrscheinlich zahlreiche anderen Morgensportler, die heute lediglich ausnahmsweise eine andere Strecke gewählt haben- nicht Gefahr laufen von einem der Pendler oder LKW Fahrer platt gemacht zu werden. Dass man so eine Bundesstrasse überhaupt mit Gehwegen und vor allem Überwegen ausstattet ist schon speziell finde ich. Aber paßt schon… ich erwische eine Lücke und bin dann auch flott wieder am Hotel. Ich bin allerdings ziemlich sicher, dass ich morgen auf den Frühsport draußen verzichten werde.

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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