Kräftezehrende Schwelle


Nächste Woche ist es wieder soweit, der Ironman 70.3 Kraichgau findet statt. Im letzten Jahr war ich um diese Zeit schon total aufgeregt und natürlich besonders gut im Training. Dass es dieses Jahr um die Kondition und den Trainingszustand anders bestellt ist, ist ja mittlerweile fast schon allgemein bekannt. Trotzdem finde ich, dass es heute Zeit für das Finishershirt vom letzten Jahr ist. Es lächelt mich so aus dem Schrank an und so schmeisse ich mich schon morgens in die Sportklamotten und gehe mit Finishershirt ins Büro.

An einem Freitag muß das mal drin sein. Ist es auch und keiner sagt was. In der Mittagspause, nach einem wirklich sehr vollgepackten Vormittag, ziehe ich mir noch eine Sporthose an und verschwinde zum Rehasport. Ich möchte heute 30 Minuten machen und da ich im Anschluß ganz sicher total durchgeschwitzt sein werde, kommt es auf jede Minute an. Im Therapiezentrum angekommen muß ich so nur noch Schuhe wechseln und bin schon am Gerät. Wenn es drauf an kommt passt es einfach mit dem Timing. Das habe ich ja gestern in England auch schon bewiesen, scheint ein Trend zu werden.

Ich bin die einzige hier an den Geräten und arbeite mich kräftezehrend durch den vorgeschriebenen Trainingsplan. Es ist heiß heute und drückend, später wird es bestimmt noch gewittern. Jetzt schwitze ich erst mal was das Zeug hergibt und brauche mein Handtuch nicht nur zum Geräte abdecken, sondern auch, damit ich die zahlreichen Schweißtropfen aufsaugen kann. Die vier Sätze, die ich mittlerweile absolviere sind einfach deutlich anstrengender als die ursprünglichen drei und so ziehe, drücke und rudere ich mit schwerem Gewicht, während ich stetig bis 20 zähle.

Und das klappt bei jedem der vier Sätze. Das bedeutet, ich muß beim nächsten Mal erneut Gewicht steigern. Wo soll das noch hinführen? Bei der Beinpresse zähle ich mal durch und habe noch 8 mögliche Gewichtsscheiben die ich auflegen kann, dann ist das Gerät ausgeschöpft. Das kann ja nicht sein. Wahrscheinlich geht es jetzt noch einmal mit Gewicht weiter und dann ist die Schwelle so groß, dass ich sie nicht mehr einreißen können werde.

Auf einmal ist die Stille vorbei. Die alte Dame kommt rein, die mir erst kürzlich das ganze Training von ihrem Leben erzählt hat, na bravo. Sie beginnt auch sofort über ihre Sportballerinas zu erzählen und teilt mir mit, dass ihr auch zu Hause viel zu langweilig ist. Deshalb kommt sie her. Ihr Sohn hat zwar vor, an Pfingsten vorbei zu kommen, aber bei ihm weiß man schließlich nie und da geht sie später wenigstens noch mal einkaufen. Essen gehen wollte er mit ihr, aber ob sie dazu Lust hat, weiß sie natürlich jetzt noch nicht. Die Sportballerinas waren übrigens im Angebot. Glaubt sie zumindest. Sonst würde sie sich so einen neumodischen Kram ja schließlich nicht kaufen.

Mein letztes Gerät steht an. Leider ist das Gewicht mittlerweile so schwer eingestellt, dass ich nicht mal schnell schnell was machen kann um flott zu verschwinden. Ich schufte mich durch jeden der vier Sätze und höre dabei der alten Dame zu. Mittlerweile ist sie beim Thema einkaufen angekommen. Ehe ich erfahre, wo ich mich morgen Vormittag fern halten muß, weil ich Gefahr laufen könnte, die Dame erneut zu treffen, ist der letzte Satz auch schon durch und ich verabschiede mich.

Einmal komplett durchgeschwitzt stelle ich mich zügig unter die Dusche und bin dann wieder zurück am Schreibtisch. Das Kraichgau T-Shirt war heute mal wieder so richtig sportlich.

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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