70.3 Kraichgau 2017 – mit einem Kloß im Hals 15


Wer versteht das schon? Leute die keinen Triathlon machen, auf jeden Fall schon mal nicht, so viel ist klar. Heute früh klingelt der Wecker wie er es immer tut und der Zeugwart und ich packen Proviant, Kamera und Trommel und fahren in den Kraichgau. Im Land der 1.000 Hügel findet heute der 70.3 statt, bei dem ich letztes Jahr auch gestartet bin. Auf den ich letztes Jahr so lange hingearbeitet habe und der mich im letzten Jahr so richtig stolz gemacht hat. Einmal die Ernte des vielen Trainings einholen hat bei mir im Kraichgau geklappt.

Heute starten ein paar Freunde und natürlich rund 2.000 andere Triathleten, mit denen wir nicht direkt etwas zu tun haben. Manche werden wir sicherlich schon mal gesehen haben, aber die meisten sind doch Unbekannte. Aber sie sind alle gut trainiert und kommen hoffentlich alle wohlbehalten ins Ziel. Das ist das Wichtigste. Dabei ist dann auch jede Zeit egal.

Wir sind überpünktlich im Kraichgau und beziehen Stellung an der Radstrecke. Der Zeugwart hat die Trommel dabei, ich die Kamera. Ich bin gespannt, ob ich die Athleten heute ganz gut vor die Linse bekomme. Das Wetter ist super und die Perspektive vielversprechend. Die Profis starten im Kraichgau um 9h und wie erwartet sind sie nach etwas mehr als 30 Minuten dann auch bei uns und lassen sich prima ablichten. Der Favorit ist heute Sebastian Kienle und der läßt auch hier, kurz nach dem Schwimmen schon nichts anbrennen. Der Rolling Start der Altersklassenathleten soll für ein sichereres Schwimmen sorgen und zieht das Feld weitestgehend ganz gut auseinander.

Ironman

Das ganze Unterfangen sieht unheimlich anstrengend aus. Ich kann gar nicht glauben, dass ich selbst im letzten Jahr hier mitgemacht habe und ins Ziel gekommen bin. Wenn ich mir das heute so ansehen, erscheint mir eine Wiederholung dessen mehr als unwahrscheinlich.

Unfassbar, wie fit diese Menschen alle sind. Der Zeugwart und ich verbringen heute viele Stunden an der Strecke. Erst beim Radfahren, dann beim Laufen. Der Zeugwart wird sogar für’s Radio interviewt, weil er so schön trommelt und die Akustik im Schatten unter der Brücke so hervorragend ist.

Die Stimmung rund um unsere Brücke ist überragend. Wir Zuschauer haben mächtig Spaß und die Athleten sind hier, kurz nach dem Schwimmen und noch vor dem Schindelberg auch alle blendender Stimmung. Kaum einer schaut allzu ernst, hier genießt jeder noch.

Ich habe einen kleinen Kloß im Hals. Wenn man alles versucht, dann kommt einem alles erreichbar vor. Wie ich jetzt hier an der Strecke stehe, merke ich, wie weit der Weg eigentlich ist und wie holprig und wie schwer. Es kommt mir schier unmenschlich vor, was die Athleten hier abliefern und trotzdem sieht es bei vielen leicht aus, als würden sie zum Brötchen holen fahren.

Im Anschluß ans radeln, stöbern der Zeugwart und ich etwas auf der Expo und ich kaufe mir einen neuen Badeanzug. Es ist nicht so, als hätte ich keinen, aber dieser von Arena sieht einfach wirklich hübsch aus und ist eine Nummer kleiner, als meine gesammelten Werke daheim. Und dann stellen wir uns in Richtung Ziel und Laufstrecke und verbringen hier den Nachmittag.

Ironman

Die Stimmung ist super, hier liegen Freud und Leid in der Mittagshitze wirklich nah beieinander und auch meine Gefühle sind erneut zwiegespalten. Zwischen „da will ich wieder hin“ bis zu „freu Dich, dass Du es einmal geschafft hast“ ist wirklich alles dabei.

Und beim Zieleinlauf verdrücke ich dann doch auch noch ein Tränchen…

Ziel Ironman

Am Ende des Tages bin ich fix und fertig. Ich habe nicht nur kaum Kondition, es ist zusätzlich heiß und wir waren bereits länger auf den Beinen, als die meisten Starter, die heute hier mitgemacht haben. Im Auto schlafen wir abwechselnd.

All meine Fotos habe ich in diese Flickr Galerie hochgeladen. Wenn Ihr Euch selbst findet oder ein Bild so haben möchtet, nehmt bitte Kontakt mit mir auf!

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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15 Gedanken zu “70.3 Kraichgau 2017 – mit einem Kloß im Hals

  • Elke's Runningblog

    Hallo Claudi,
    das kann ich voll nachvollziehen, wie einen das mitzieht, wenn man selber auch sportelt und Du gerade dort ja schon dabei warst. Und schön, dass Ihr die Teilnehmer angefeuert habt!
    Liebe Grüße
    Elke

  • schnodo

    Schön geschrieben! Mitmachen ist mir mittlerweile zu anstrengend aber nächstes Jahr bin ich zumindest als Zuschauer wieder dabei. 🙂

  • Helge Orlt

    Liebe Claudi,
    du wirst auch wieder als Athlet dabei sein. Da bin ich mir sicher.
    Ich finde es toll, das ihr dort anfeuert. Jeder, der solche Rennen mitmacht, weiß wie schön es ist, wenn gut gelaunte Menschen an der Strecke stehen und motivieren.
    Sei nicht traurig, auch dein Wettkampf kommt wieder 🙂
    Liebe Grüße
    Helge

  • Iron Frank

    Liebe Claudi,startlinie stehen.
    du musst nicht traurig sein, auch wenn es länger dauert, es wird schon wieder.
    Wenn du dann wieder schmerzfrei bist, liegt es an dir und wenn du es dann wirklich willst
    und wieder trainieren kannst, wirst du auch wieder an der Startlinie stehen!
    Liebe Grüße
    Frank

  • Avaganza

    Liebe Claudia,

    ich finde das so toll was du machst :-)! Ich würde das auch gerne schaffen. Aber ich habe selbst meine Marathon Träume begraben müssen weil ich nach meiner neuerlichen Knieverletzung (beidseitiger mehrfacher Meniskusriss) wieder vor weiteren OPs stehe 🙁 … aber ich habe deinen Post sehr gerne gelesen.

    Alles Gut für deine weiteren Ziele!
    Liebe Grüße
    Verena

    • Clauditries Autor des Beitrags

      Ich wünsche Dir nur das Beste für Deine OP’s Verena! Hoffentlich ist eine baldige Besserung in Sicht und frei nach dem Ironman Motto finde ich ja sowieso „Anything is possible“. Kopf hoch!
      Liebe Grüße

  • Sigrid Braun

    Ich bewundere die Disziplin, der Menschen die diesen Ausdauersport betreiben. Unsereins schafft gerade mal das Radfahren. Aber das Schwimmen, Radfahren und Laufen nach der Uhr ist für mich kaum vorstellbar.
    Liebe Grüße
    Sigrid