Zweimal trainiert 6


Ich bin im Training, sportlich gesehen. Tatsächlich fühlt es sich mal wieder so an. Ich hatte Muskelkater diese Woche, keine Schmerzen, wegen einer Verletzung, kein Narbenziehen, keine Überlastung, weil Knochen nicht richtig stehen, ich hatte einfach nur Muskelkater. Ich habe Sport gemacht. Nicht viel im Vergleich zu anderen, nicht krass im Vergleich zu anderen, aber im Vergleich zu mir vorher, war es Sport. Mehrfach. In einer Woche. Verrückt.

Vergleiche zu anderen Trainingsplänen bringen sowieso nichts. Das ist schon sinnfrei, wenn zwei auf einen Ironman hintrainieren. Eigentlich können zwei Menschen nicht mit genau dem gleichen Training zum Ziel kommen. Jeder ist anders, hat eine andere Sportgeschichte, andere Fähigkeiten, andere Muskeln, Sehen und Gelenke, unterschiedliche Herzfrequenzen usw. Individualität ist gefragt. Nicht nur im Ironman Training. Deshalb lohnen sich die Euros für einen Trainer in meinen Augen immer. Der kann einen Athleten zu Höchstleistungen bringen, auf die beste Art, die der Athlet leisten kann. Heute bringen vergleiche zu gesunden Menschen mir auch nicht viel, weil ich woanders herkomme.

Aber bald bin ich wieder da. Zumindest scheint der Weg nicht mehr voll ganz so viel Steinen, wie noch vor kurzem angenommen. Heute früh habe ich zwar noch ein bisschen Muskelkater in den Waden, aber ich gehe trotzdem zum Rehasport. Der Arzt hat mir zwei- bis dreimal die Woche angesagt, wenn es irgendwie möglich ist. Er sagte, dass das selbst einem Athleten ohne meine Vorgeschichte sehr viel bringen würde. Krafttraining an Gewichtsmaschinen, geführt, so dass man wenig in der Bewegung falsch machen kann, ist ziemlich effektiv, sagt er. Ich bin heute im Rehasport alleine.

Im Nachbarraum arbeitet allerdings eine weitere Patientin auf höchster Stufe. Sie könnte perfekt beim Triathlon mitmachen, denn sie wird von ihrer Physiotherapeutin frenetisch angefeuert. Durchhalten ist alles und aufgegeben wird nicht. Das ist ziemlich einfach und gilt für Triathlon, wie für Rehasport. Außer den Anfeuerungen der Therapeutin ist es ruhig im Rehazentrum. Samstag Vormittags kommen hier kaum Patienten, ich dagegen regelmäßig.

Mein Rehaprogramm ist mittlerweile gute 40Minuten lang. Ich arbeite mich mit 4 Sätzen à 15-20 Wiederholungen durch den Morgen und bewege was geht. Auf der Beinpresse habe ich noch eine Gewichtsstufe übrig, dann geht’s nicht mehr weiter. Das klingt verrückt. Wieder stelle ich fest, dass ich morgens stärker bin, als abends. Und nachdem ich mit meinem Training durch bin, fahre ich wieder heim.

Täglich freue ich mich übrigens, wenn ich heim komme, weil wir kürzlich diese coole Fußmatte gekauft haben. Lange hält es mich aber nicht drinnen. Macht ja auch keinen Sinn, weil ich ja von drinnen die Fußmatte eh nicht sehen kann. Ich möchte heute noch mal laufen gehen.

Erfreulicherweise begleitet mich der Zeugwart und so laufen wir gemeinsam in den Wald und genießen die vom nächtlichen Regen gut durchgewaschene Luft. Den Wald habe ich schon lang nicht mehr von innen gesehen. Seit dem Training für den 70.3 Vichy, bin ich lediglich die kurzen Runden im Feld gewalkt, bis in den Wald habe ich es ausschließlich mit dem Rad geschafft. Heute klappt es aber wirklich ganz gut. Natürlich ist es anstrengend, aber ich habe dem Zeugwart gleich zu Anfang gesagt, dass wir keine Gehpause machen.

Die Strecke ist etwas länger als Anfang der Woche. Es geht nicht ausschließlich gerade, sondern ganz leicht hoch und der Untergrund ist waldig. Wir werden von einem Raubvogel beobachtet. Wahrscheinlich denkt er, ich würde schlapp machen? Tue ich aber nicht. Mein Mantra steht: ‚es wird nicht gegangen‘. Und weil das so ist, schnaufe ich ganz schön. Aber es heißt ja schließlich auch Lauftraining und nicht „wenn es anstrengend wird, gehe ich halt“.  Wir laufen so also tatsächlich die ganze Zeit zusammen, nur am Schluß beschleunigt der Zeugwart ein bisschen und ich laufe in der gleichen Geschwindigkeit weiter. Einfach immer weiter. Schmerzfrei.

Wir sind 27 Minuten unterwegs. Natürlich mit Hüftgurt. Man, war das anstrengend. Ich bin begeistert, wie gut es sich anfühlt, schmerzfrei zu laufen. Jetzt bin ich fix und fertig… und ganz bestimmt habe ich morgen Muskelkater.

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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