Was man nicht im Kopf hat… 1


Manchmal klappt alles beim ersten Mal, und manchmal hat man eben besser alles in den Beinen, wenn man es nicht im Kopf hat. Heute ist das bei mir so. Ich ziehe mich zum laufen an und trete auf die Strasse. Da stelle ich fest, dass ich die falschen Schuhe anhabe und gehe wieder rein. Schuhe wechseln. Dann trete ich erneut auf die Strasse. Jetzt hat es angefangen zu regnen. Ich überlege kurz, finde dann aber, dass es genug für eine Regenjacke ist, und gehe rein, um eine zu holen. Dann gehe ich wieder raus. Jetzt kann es ja endlich losgehen. Nach den ersten drei Schritten merke ich, dass ich meinen Hüftgurt nicht anhabe. Das will ich nicht riskieren. Ich laufe zurück, sind ja nur drei Schritte, und gehe wieder nach drinnen. Mittlerweile muß die Haustüre sich auch denken, dass ich total bescheuert bin. Bin ich ganz bestimmt auch irgendwie. Als ich jetzt wieder raus gehe, mache ich noch mal einen Sicherheitscheck und prüfe ganz genau, ob ich auch wirklich alles habe.

Und der Kopf bestätigte, dass jetzt tatsächlich an alles gedacht wurde. Unfassbar. Ich laufe heute eine andere Strecke. Der Kopf braucht Abwechslung und das Athletengemüt ebenfalls. Wenn ich immer die gleiche Runde laufe, wird das auch für die Bäume und Sträucher langweilig, die am Wegesrand stehen. Die fühlen sich dann leicht überwacht und das muß ja auch nicht sein. Ich laufe also im strömenden Regen eine andere Runde als sonst und finde, dass die Luft wirklich angenehm ist. Der Zeugwart findet ja sowieso, dass es immer regnet, wenn ich laufen gehe, paßt also perfekt ins Bild, dieses Wetter. Obwohl es meistens auf der Hälfte des Weges beginnt, ich also unvorbereitet bin. Nicht so heute… heute habe ich die Regenjacke gleich mit am Start.

Nach der Hälfte des Weges hört es auf mit regnen. Einfach so, als wäre nichts gewesen, kommt die Sonne raus. Ich laufe die neue Strecke und mein Kopf hat viel damit zu tun herumzuschauen und die Eindrücke aufzunehmen.

Laufen

Nach 16 Minuten drehe ich um. Ich will heute versuchen runde 30 Minuten am Stück zu laufen. Das wäre eine Steigerung zur mittlerweile „üblichen“ Runde und sogar etwas mehr, als der Zeugwart und ich kürzlich gelaufen sind. Ich laufe an einem total besoffenen Mann auf einer Parkbank vorbei und zähle die Bierdosen, die er ganz offensichtlich noch vor sich hat. Er hat Großes vor, soviel ist sicher. Für mich, die ich vollkommen ohne Alkohol lebe, unvorstellbar. Ich hätte die Menge an Dosen noch nicht mal hier her bekommen.

Was geht wohl in so einem Kopf vor, wenn man sich vollkommen Wegdröhnen will? Ich kann mir das erfreulicherweise nicht vorstellen. Meine einzige Sorge momentan ist, dass ich durchlaufen möchte, und das, obwohl der Schweinehund in meinem Kopf sich beginnt zu fragen, ob das wirklich nötig ist. Denn gehen ist ja keine Schande. Sagt er, und hat recht. Laufen ist aber auch keine, sage ich und das stimmt ebenfalls. Und warum sollte ich gehen, wenn ich auch laufen kann?

Das Ausflugslokal, dass ich passiere ist prall gefüllt mir Menschen, die ihren Feierabend ganz offensichtlich gemeinsam ausklingen lassen. Ich drehe kurz danach wieder um und finde es sehr lustig, dass die Herrschaften sich nun also -wenn überhaupt- fragen, ob ich hier nur zu ihrer Belustigung auf und ab renne. Ich laufe an Bienenstöcken vorbei, bei denen von Feierabend noch keine Spur zu sehen ist und betrachte mir die Schafe auf ihrer weitläufigen Weide. Der Schweinehund in meinem Kopf teilt mit, dass es jetzt wirklich anstrengend wird und er weiterhin eine Gehpause vorschlägt und ich bleibe hart. Eine Gehpause ist heute nicht vorgesehen. Ich laufe weiter. 30 Minuten +/- werden ja wohl zu schaffen sein. Ich bin im Moment noch schmerzfrei und deshalb gibt es erst recht keinen Grund jetzt aufzugeben.

Ich laufe über die letzte Kreuzung, bevor ich in meine Strasse abbiege und jetzt hat es auch der Schweinehund verstanden. Eine Gehpause jetzt lohnt sich wirklich nicht mehr. Ich bin begeistert. Die Uhr zeigt 33 Minuten.

Leider kann sie mir nicht sagen, wie weit ich unterwegs war, denn meine Garmin 735XT ist derzeit beim Service und entgegen des schnellen und guten Services, den ich bisher von Garmin gewöhnt war, liegt sie dort dank einer Systemumstellung, die vorher nicht mit Zeitverzögerung in Verbindung gebracht wurde, seit dem 11. Juli rum. Garmin hielt es auch nicht für nötig mit vorab entsprechend zu informieren und so laufe ich halt ohne Uhr, seit Wochen und denke mir meinen Teil. Der bislang tolle Kundenservice von Garmin hat in meiner Welt durch diese Aktion -oder besser durch diese eben Nichtaktion- derbe gelitten. Mit Service hat das nämlich in meinen Augen wenig zu tun, 10 Tage anzukündigen und dann nach telefonischer Auskunft mitzuteilen, dass es halt eine Systemumstellung gab und es jetzt auch gut mal vier Wochen dauern kann.

Unfassbar und überhaupt nicht meine Erwartung. Aber, wie ich ja sowieso immer öfter feststelle… anything is possible.

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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Ein Gedanke zu “Was man nicht im Kopf hat…

  • Elke's Runningblog

    Hallo Claudi,
    hihi, das mit dem Haustür-ruas-und-rein kenne ich auch.
    Hach, und meine Polar liegt auch gerede beim Service. Ja, da muss man sich irgendwie behelfen. Und schön, dass es bei Dir läuferisch wieder den Einstieg gab 🙂
    Liebe Grüße
    Elke