Check in und Knistern in Hamburg 2


Ich habe großartig geschlafen! Das Prizeotel in Hamburg, was wir schon im letzten Jahr gebucht haben, hat wirklich gute Betten. Das Bad ist winzig und das Zimmer glänzt ansonsten auch nicht mit Größe, aber die Betten sind sehr bequem, und das ist in einem Hotelzimmer ja tatsächlich ein wichtiger Aspekt. Wir essen uns nach dem Aufstehen durch ein wunderbares Frühstücksbüffet, was sich an Auswahl und Qualität wirklich in keinster Weise verstecken muß. Ich bin ob dieses Umstandes wirklich überrascht, weil man sich bei Prizeotel selbst mit der Bezeichnung Budget Design Hotel schmückt und das für mich eher nach Kostensparen als nach dem Gast etwas Gutes tun, klingt. Aber wir werden eines besseren belehrt und haben die große Auswahl.

Im Anschluß marschieren wir los. Erst ins Schanzenviertel, etwas rumbummeln und den Flair genießen, dann in die Neustadt. Wir erfahren, von jemandem, der sich anscheinend wirklich gar nicht auskennt, dass der Hamburg Marathon mit einer rote Linie auf der Strasse durch die Stadt führt und stellen fest, dass man selbst seine Stadt meistens eben doch nicht so gut kennt, wie die Touristen.

rote Linie

Ist aber egal. Wir klären nicht auf, sondern freuen uns, dass man uns wenigstens helfen wollte… man sieht die Sachen im Urlaub ja eh meistens positiv. Im Anschluß geht es natürlich erneut in die Innenstadt und auf den Rathausmarkt. Wir treffen den Tonangeber und die Chefin und auch die Hübsche ist angereist um morgen die Trainingslagerkollegen über die Strecke zu treiben. Nach einem gemeinsamen Mittagessen spazieren wir fast geschlossen zur Wechselzone und treffen zahlreiche Athleten, die auch schon mal im Trainingslager mit Tricamp waren.

Etwas, was uns alle verbindet. Und deshalb gleich sympathisch macht.

Während The Rock und der Sugardaddy noch ihre Räder organisieren gehen, ist Sarabi bereits bestens vorbereitet. Zusätzlich zu ihren Wechselbeuteln, dem Rad und der Startnummer, hat sie heute auch noch an ein Buch mit Schwimmtrainingsplänen gedacht, mit dem ich ab sofort trainieren darf. Mein anstehendes Schwimmprojekt schwebt sanft über dem kommenden Herbst und Winter und schien bisher noch ziemlich weit weg. Jetzt aber, hat sich die kleine Nebelwolke gerade in eine deutlich sichtbare Wolke am Himmel verwandelt. Ich bin gespannt.

Sarabi checkt ein und ist dann mit ihrem Chip ausgestattet, auch flott wieder draußen. Eigentlich gibt es ja schon länger kein Zurück mehr, aber jetzt ist das Zurück noch weiter weg, als es vorher auch schon war. Wer sich anmeldet, setzt ja schließlich alles dran, auch ins Ziel zu kommen. Und zum ins Ziel kommen, gehört halt eben nun mal auch, dass man eincheckt. Sarabi ist eine Ersttäterin. Sie wird morgen zum ersten Mal in ein Langdistanzziel rennen. Wir sind den ganzen Tag an ihrer Seite. Mal mehr, mal weniger wahrnehmbar natürlich, weil wir sie auf dem Rad natürlich nicht begleiten können, aber vielleicht hat es mit den positiven Gedanken doch etwas auf sich und wir können ihr welche rüber schicken?

The Rock hat die ganze Zeit immer wieder gezweifelt. Das Laufen wird sein Problem, sagte er mir immer wieder. Und dass er nicht weiß, ob das alles eine gute Idee war. Ich dagegen glaube schon, dass es eine ist. Man meldet sich ja schließlich nicht einfach so für einen Ironman an. Man möchte das wirklich. Der Start ist nicht ganz billig und auch die Trainingszeiten und der Umfang, den man über viele Monate in diesen Traum vom Finish einer Langdistanz einsetzt, sind nicht zu verachten.

Elbphilarmonie

Aufgeben, weil man gesundheitliche Probleme hat, ist das Eine, aufgeben, weil man nicht an sich glaubt, ist das Andere. Manchmal hatte ich seit unserem Trainingslager auf Mallorca den Eindruck, dass nicht alle an The Rock glauben. Ich hatte nie meine Zweifel. Der Trainingsaspekt ist das Eine, aber der Wille ist mindestens genauso wichtig. Ich hatte in den letzten Monaten immer den Willen, dass The Rock es ins Ziel schafft. Genauso, wie ich fest davon überzeugt bin, dass Sarabi ihren großen Traum erfüllen wird und der Sugardaddy die Ratschläge seines Trainers, dem Tonangeber, umsetzt und einfach unter 10 Stunden ins Ziel laufen wird.

Ich kann an die Menschen glauben, weil alles Möglich ist, wenn man es nur möchte und es vielen hilft, wenn andere davon überzeugt sind, dass sie es schaffen können. Gerade heute, einen Tag vor dem Rennen haben viele Zweifel. Ob sie genug trainiert haben, ob alles da ist, wo es sein soll, ob es reichen wird, für die magischen Cut-off Zeiten und ob diese Medaille am Ende dann endlich in den Händen gehalten wird. Ich weiß es einfach, dass alles passen wird. Auch wenn ich die drei erst seit diesem Jahr kenne. Alle haben toll trainiert, alle haben gute Trainer, die wissen was sie tun, weil die Chefin und der Tonangeber nicht einfach so etwas vorschreiben, sondern immer alles Hand und Fuß hat. So ist es selbst beim Ortsschildsprint auf Mallorca, warum sollte es bei einem Langdistanztraining anders sein?

Meine Bewunderung, vor den vergangenen, trainingsreichen, Monaten und dem Mut, sich morgen an die Startlinie zu stellen, ist allen Athleten hier sicher. Die Vorbereitung passt für unsere Freunde und, obwohl es auch für uns ein langer Tag wird, freue ich mich schon total.

Liebe Sarabi, ich bin ganz sicher, dass es Dein Tag wird. Du wirst morgen alles geben und alles bekommen. Auf der Strecke werden Dir alle zujubeln, weil Deine Leistung der absolute Wahnsinn wird. Du wirst Dich an viele Radausfahrten, lange Läufe und Schwimmtrainings zurückerinnern, an verrückte Trainingswochenenden und natürlich ganz bestimmt auch an Mallorca und vielleicht auch an unsere gemeinsamen Radausfahrten. Ich denke oft an Randa, und wie Du genau gewusst hast, dass ich die Auffahrt trotz allen Widrigkeiten schaffen werde. Du hast immer an mich geglaubt und mich, zusammen mit der Hübschen, unterstützt. Ich erinnere mich daran, wie Du Dich gefreut hast, dass ich den Anstieg einfach durchgezogen habe und an unser Erinnerungsfoto oben, auf dem Plateau. Du kommst in dieses Ziel am Rathausmarkt! Ich bin davon überzeugt. Es gibt keinen Zweifel.

Sugardaddy, Du bist so gut vorbereitet, es muß schon Großes passieren, wenn Du Dein Ziel die 10 Stunden zu knacken nicht schaffen solltest. Aber, obwohl Du alles dransetzt, bitte laufe auf jeden Fall in dieses Ziel. Egal ob es unter, oder über 10 Stunden werden, sei nicht deprimiert, weil eine Zahl auf dem Papier oder auf dem Zielbogen eben einfach nur eine Zahl ist. Und Du hast, egal wie schnell, trotzdem großartiges vollbracht. Heute bist Du die Ruhe selbst gewesen und ich hatte das Gefühl, dass ich mich wirklich zurückhalten muß um meine Aufregung nicht auf Dich zu übertragen. Und dass, wo uns Welten unterscheiden… und trotzdem gibt es offenbar eine Schnittmenge. Ich bin sicher, dass morgen Dein Tag wird und dass Du alle Früchte Deines Trainings beim Ironman Hamburg ernten kannst.

Ich habe große Erwartungen an The Rock. Er weiß das, weil ich es ihm immer wieder gesagt habe, in den letzten Monaten. Er läuft ins Ziel und darauf kommt es morgen an. Egal wie schnell Du bist, egal, wie lange es dauert, lauf in dieses Ziel! Glaube an Dich selbst, so wie wir es tun, verlasse Dich auf Dein Können, gib nicht auf, ziehe es durch, auch wenn es schwer werden wird. Und wenn es leicht ist, genieße es! Wir werden Dich bejubeln, als wenn es kein Morgen gibt und wenn es Dir hilft, durchzuhalten, dann denke an das letzte Jahr, denk daran, was Du trainiert hast, denk daran, wie sehr Du Dich auf diesen Wettkampf gefreut hast und nimm das Ziel in den Fokus. Du wirst Dir diese Medaille holen. Ich hatte auch bei Dir nie Zweifel, dass es so sein wird und ich bin weiterhin weit davon entfernt. Holt alles raus und zeig es allen!

Wir machen heute noch mal ein gemeinsames Abendessen in einer großen Tricamp Gruppe direkt am Kreuzfahrtterminal. Alle sitzen zusammen, essen gut und langsam kommt die Nervosität und als wir früh in Richtung Hotels und Unterkünfte aufbrechen, gibt es für alle noch einen dicken Drücker. Ich freue mich wahnsinnig auf morgen. Der Tag, an dem in Hamburg Ironman Premiere ist. Der Tag, an dem so viele Menschen ihren Traum erfüllen können.

Es wird großartig!

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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Über Clauditries

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