Siegerehrung – wunderbar


Nach einem Ironman gibt es auch immer eine Siegerehrung. Zwar ist direkt nach dem Zieleinlauf der Profiherren und Damen auch immer eine entsprechende Zeremonie, bei der die Leistung sofort gewürdigt wird, aber das passiert eben nur für die Profiathleten. Da aber auch die Altersklassen eine entsprechende Würdigung erhalten sollen, gibt es die Siegerehrung am nächsten Tag. In Hamburg war der Zielschluß gestern um 23h und alle sind von einem sehr sehr langen Tag geschafft, da ist das am nächsten Tag deutlich entspannter.

Denkt man sich so, wenn man halt einfach wenig Ahnung hat. Entspannt. Das mag vielleicht für die Athleten gelten. Für mich, als Zuschauer, die ich ganz offenbar total untrainiert, konditionslos und vollkommen erschöpft vom gestrigen Sonntag heute morgen aufwache, hat alleine die Tatsache, dass ich mich heute überhaupt bewegen soll, wenig entspanntes an sich. Ich bin total geschafft. Regelrecht müde und verquollen wache ich auf und bin geschockt, dass es bereits hell draußen ist. Wir haben zwar bis um 12h Zeit, unser Zimmer zu räumen, aber natürlich wollen wir vorher ausgiebig frühstücken. Und leider ist es im Hotel nun mal so, dass man angezogen zum Frühstück geht.

Was ein Projekt! Mir tut nicht nur alles weh, ich arbeite mich heute auch in Zeitlupe durch die Morgenhygiene und habe das Gefühl, dass die Creme auf meinem Finger bereits wieder antrocknet, ehe sie überhaupt die geplanten Körperstellen erreichen kann. Nicht auszudenken, ich hätte mit gemacht gestern. Obwohl ich dann natürlich super trainiert hätte und von Konditionslosigkeit wahrscheinlich keine Rede wäre. Aber so ist es ja nicht. Als wir dann tatsächlich mit Kleidung gesegnet zum Frühstück spazieren, ruft The Rock an. Ob wir auch zur Siegerehrung kommen heute. Äh. Nein. Das steht bei mir eigentlich nicht auf dem Plan. Ich muß dafür nämlich nach Wilhelmsburg fahren und vorher noch packen.

Siegerehrung

Aber wir wären keine richtigen Anfeuerer, wenn wir das durchziehen würden. Der Zeugwart wiegt kurz das Pro ab und stellt fest, dass es außer Gemütlichkeit kein Contra gibt und schon ziehen wir los und fahren zur Siegerehrung. Das wäre doch gelacht. Ich bin zwar immer noch müde und geschafft und konditionslos, aber ich stimme ihm zu. Bei der Siegerehrung werden auch die Altersklassenathleten gewürdigt und im Anschluß erfolgt die Vergabe der Kona-Slots um bei der Weltmeisterschaft zu starten. Das ist bestimmt total cool und sicherlich auch recht emotional. Und weil wir ja sowieso eine offensichtlich emotionale Phase haben, paßt das also. Wir fahren also ebenfalls zur Siegerehrung.

Und wir sitzen in der ersten Reihe zusammen mit unseren Athleten und einem Fremden, der bis auf ein leises Hallo auch sehr introvertiert scheint. Aber es ist ihm wichtig in der ersten Reihe zu sitzen. Als es an die Würdigung der Altersklasse 35-40 geht, weiß ich auf einmal auch warum. Er ist der Sieger. Na also, das hätte er ja mal erwähnen können, oder? Wir sitzen an einem Siegertisch und waren uns der Ehre gar nicht bewußt. Vom Prinzip her müssten der Zeugwart und ich also die ganze Zeit im Staub knien. Nicht nur weil alle Sieger sind, sondern eben auch, weil hier eine Trophäe auf dem Tisch steht.

Slotvergabe

Wir erleben die Siegerehrung und bleiben natürlich auch für den emotionalsten Teil des heutigen Tages. Die Kona Startplatz Vergabe, an die Athleten, die es mit ihrer gestrigen Leistung geschafft haben, sich für die Weltmeisterschaft auf Hawai zu qualifizieren. Hier gibt es die, die genau wissen, dass sie eine Qualifizierung sicher haben. Bereits lange vor dem Wettkampf ist bekannt, wie viele Plätze in der jeweiligen Altersklasse vergeben werden. Man kann sich also ausrechnen, ob man mit Platz 2 oder 3 noch einen ergattert, oder eben zu langsam war. Wenn allerdings einer den Platz ablehnt, so rutscht dieser weiter in der Reihe und dann wird statt Platz 3 eben auch mal Platz 4 oder 5 mit der Möglichkeit beglückt in Kona an den Start gehen zu können.

Gerade diese Nachrutscher können ihr Glück oft kaum fassen. Tatsächlich doch einen Startplatz für Hawai, einen sogenannten Kona-Slot zugewiesen zu bekommen, ist für einige heute ein großer Lebenstraum und wird durch Freudentänze, großen Jubel und viele Tränen untermauert. Und der Rest? Der klatscht anerkennend. Weil die meisten heute hier im Finishershirt sitzen und den Erfolg gönnen können. Irgendwie ziemlich cool.

Wir quatschen noch ein bisschen mit unseren Athleten, ehe wir in einen normalen Hamburger Touristik Alltag verschwinden, uns noch die Elbphilharmonie und die Hafencity ansehen und dann wieder nach Hause fahren. Mit jeder Menge toller Eindrücke im Gepäck und voller Motivation. Und dankbar, dass wir doch zur Siegerehrung gefahren sind.

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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