Ein Beben im Meer


Während Hurricane Irma mit ordentlich Schwung auf Florida zueilt und wir uns erfreulicherweise mit ihrem Kumpel Jose nicht auseinandersetzen müssen, beobachten wir Katia etwas genauer, weil dieser Tropensturm sich auf Mexiko zubewegt. Ist das eine gute Reisezeit für Mexiko, habe ich daheim mehr als einmal gehört. Tja, was ist schon eine gute Reisezeit? Tropenstürme treten mittlerweile fast zu jeder Jahreszeit auf und ansonsten ist der September mit den schon etwas gemäßigten Temperaturen zwar eigentlich keine Saison, aber trotzdem recht beliebt.

Von gemäßigten Temperaturen merken der Zeugwart und ich hier allerdings überhaupt gar nichts. Dafür wacht der Zeugwart letzte Nacht vom Erdbeben auf und weckt mich. Das Bett wackelt spürbar und irgendwie weiß ich gar nicht, was am Besten zu tun ist. Wer rechnet denn auch bitte mit einem Erdbeben? Wir stürmen raus, da ist es aber auch schon vorbei und weil gefühlt jeder außer uns, das Beben entweder weggefeiert oder verschlafen hat, legen wir uns auch wieder ins Bett.

Die SMS Flut aus der Heimat als wir heute früh aufwachen, ist überwältigend. Ich dachte nicht, dass so viele Leute entweder wissen, dass wir in Mexiko im Urlaub sind, oder sich um uns Sorgen machen, sonst hätte ich heute Nacht noch eine kurze Info rausgeschickt. So waren unsere Freunde und Bekannte stundenlang in Sorge, weil wir einfach weitergeschlafen haben. Nachdem wir also alle Nachfragen beantwortet haben, verbringen wir einen mittlerweile fast schon üblichen Urlaubstag am Strand.

Ich denke viel an das Erdbeben und was es angerichtet hat. Teile von Mexiko sind stark zerstört, Häuser sind eingestürzt und viele Menschen sind gestorben. Wenn der Zeugwart mich nicht geweckt hätte, dann hätte ich es einfach verschlafen. Eine große Gefahr mitten in der Nacht, wo man eigentlich denkt, dass man behütet ist und erholsam schlafen kann. Sowas kann man nicht kommen sehen, egal wo und wann man in den Urlaub fährt, so viel ist sicher.

Der Zeugwart und ich gehen heute mal im Meer schwimmen. Hier kann er meine Geschwindigkeit noch besser beurteilen, weil wir in diesem Jahr ja auch schon öfter bei der Swimnight gemeinsam geschwommen sind. Er ist dabei immer zwei Züge geschwommen und hat dann auf mich gewartet, während ich hart paddelnd alles gegeben habe. Ich bin gespannt, ob ich mich nach gestern, wieder so gut an die Tipps und Ratschläge des SchwimmGuru’s erinnern kann. Und wenn ich mich erinnern kann, ob sie mir im direkten Zeugwartvergleich etwas bringen.

Club Med Tricamp

An der Kulisse kann es auf jeden Fall schon mal nicht liegen, wenn das heute im Meer nichts wird mit der Geschwindigkeit, so viel ist sicher. Ein flacheres Meer gibt es kaum und laut Schnorchelübersichtstafel wird uns eine extrem bunte und sehr trubelige  Unterwasserwelt erwarten. Ich bin gespannt und so suchen wir uns einen guten Einstieg und lassen die FlipFlops zurück. Ich bin glücklicherweise noch mal frisch mit wasserfester Sonnencreme eingeschmiert, die Sonne brennt nämlich ganz ordentlich und mit meiner hellen Haut bin ich ja prädestiniert dafür, mir gleich einen richtigen Sonnenbrand zu holen.

Natürlich finden wir einen genialen Einstieg und fühlen uns ein bisschen so, wie Columbus, als er Amerika entdeckte. Sicherlich waren schon zahlreiche Menschen vor uns hier, aber trotzdem fühlt es sich für uns einsam und einzigartig an. Als einzige Menschen auf diesem Planeten spazieren wir also hier über diesen einsamen Strandabschnitt und sind mit wenigen Schritten so im Meer, dass zumindest ich den Boden unter den Füßen verliere. Die Unterwasserwelt ist der absolute Wahnsinn. Hier ist was los und ich bin immer wieder überrascht, wie wenig man davon über Wasser mitbekommt.

Als erfahrene Taucher kennen wir Riffe, Wracks und Fische, wir sind es gewöhnt, dass man den Kopf unter Wasser steckt und in eine andere Welt eintaucht, und trotzdem ist es immer wieder etwas Besonderes. Manchmal würde ich die Zeit dann gerne anhalten. Das macht aber natürlich keinen Sinn, wenn ich mit dem Zeugwart das Schwimmen im Meer üben möchte. Der SchwimmGuru hat mir ein paar Übungen gezeigt, die ich zur Orientierung machen kann, also legen wir los. Wir verabreden mal grob, dass wir bis zum ersten sichtbaren Riff schwimmen möchten. Immerhin ist mir klar, dass der Zeugwart mich innerhalb von wenigen Zügen abhängen wird.

Dachte ich. Tut er aber nicht. Wir schwimmen einträchtig nebeneinander her, die ganze Zeit. Bis zum Riff und dann auch wieder bis zum Strand. Ich schwimme einfach, wie der SchwimmGuru es mir gesagt hat, und ich übe die Orientierung, wie er es vorgeschlagen hat. Und was soll ich sagen, es klappt hervorragend.  Nicht, dass ich Zweifel an seinen Vorschlägen hatte, aber es ist doch was anderes, wenn es dann umgesetzt funktioniert. Der Zeugwart versichert mir nämlich, dass er so geschwommen ist wie immer.

Ganz in Urlaubsstimmung und irgendwie auch leicht beflügelt schnappe ich mir einen Schirmchendrink an der Bar und pflanze mich auf die Strandliege. Wieder zurück an Land, erscheint die Unterwasserwelt unheimlich weit weg, obwohl sie nur ein paar Schritte entfernt ist.

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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