Maya Spuren im Urwald


Nachdem es uns in Tulum wirklich außerordentlich gut gefallen hat, haben der Zeugwart und ich uns entschieden, in diesem Mexiko Urlaub noch einen Ausflug zu machen. Quasi, wo wir ja eh schon mal da sind. Und weil man außerdem auch nie weiß, wann man noch mal wiederkommen kann und wenn man dann wiederkommt, ob die Gebäude, oder das, was man anschauen möchte, dann noch da ist. Das World Trade Center werde ich dem Zeugwart zum Beispiel niemals zeigen können…

Als der Zeugwart in den frühen 90er Jahren schon mal in Mexiko war, hat er Chichén Itzá besichtigt. Eine große Mayaruinenstadt, mitten im Urwald, die  durch ihre gute erhaltenen Plattformen und Tempelanlagen zum Touristenmagnet geworden ist. Der größte Tempel, auf einer Pyramide, wurde vollkommen zugewachsen entdeckt und dann nach und nach kam die ganze Stadt im Urwald zum Vorschein. Das war garantiert damals schon ziemlich beeindruckend.

Wir fahren heute also gute zwei Stunden einmal quer durch den Urwald und sehen tatsächlich nichts als grün. Es gibt so viele Sträucher, Büsche, Bäume und Äste, dass bis zum Horizont tatsächlich nichts anderes zu sehen ist. Kein Wunder, dass jemandem vor 200 Jahren der Tempel auf der Pyramide aufgefallen ist! Yucatan hat praktisch keine Hügel oder andere Erhebungen, eine Pyramide fällt dann halt auf. Als wir in Chichén Itzá ankommen, ist es noch früh am Tag und erfreulicherweise ist es nicht ganz so bocke heiß, wie in Tulum, als die Luft förmlich gestanden hat und wir wie durch einen Backofen laufen konnten.

Hier ist der Urwald für das Klima verantwortlich, wir sind weit entfernt vom Meer. Unser Touristenführer schleust uns durch den Eingang und vorbei an zahlreichen Ständen mit fliegenden Händlern. Wo es in Tulum einen extra „Marktplatz“ gab, mit der Möglichkeit zum Souvenireinkauf, sind in  Chichén Itzá gefühlt alle Wege mit Händlern gesäumt. Die Auswahl zwischen Schalen, Schüsseln, Ponchos, Hängematten und Statuen sowie T-Shirts ist riesig und im Grunde genommen, kann man sich etwas aussuchen und bei jedem der unzähligen Händler nach dem Preis fragen. Von 1USD bis hin zu „almost for free“ ist alles zu haben. Und wir haben noch nicht eine Ruine gesehen, könnten aber bereits tausende als Erinnerungsstücke kaufen.

Wir laufen zielstrebig den einzigen Weg entlang, der weg vom Eingang führt und treten auf eine große Freifläche. Vor mir steht die größte der Mayapyramiden, el Castillo. Ich bin überwältigt. Das ist ja ein Ding! Ich bin begeistert. Als der Zeugwart das erste Mal hier war, konnte er noch auf die Pyramide drauf klettern. Es gab einfach weniger Verrückte in den 90ern nehme ich an. Heutzutage ist das wegen Unfallgefahr und Zerstörungswut nicht mehr gestattet. Wahrscheinlich würde irgendein Irrer mit seiner Spraydose seinen Lieblingsverein an die Pyramide sprühen, oder sowas beklopptes. Der Touristenführer und der Zeugwart schwelgen aber ein bisschen in den Erinnerungen an die Vergangenheit. Als jeder Schritt die Pyramide hoch anders klang, je nach dem wo man saß und der Abstieg eher auf allen vieren passierte, als aufrecht.

Ich kann nicht mitreden. Ich bewundere die Pyramide wie ich sie jetzt zu sehen bekomme. Mit Abstand und trotzdem bin ich irgendwie nah dran. Der Touristenführer heute ist wieder famos. Er erzählt viel und beantwortet zusätzlich meine zahlreichen Fragen. Wir schauen uns die verschiedenen Plattformen an, erfahren, dass es in Chichén Itzá wegen der wunderbaren Akustik, die die Maya mit Hilfe des Dopplereffektes an den Pyramiden kreiert haben, zahlreiche Konzerte gab und hören die Geschichten über das Kriegertraining.

Wir spazieren zur heiligen Cenote (einem Loch im Boden, dass mit Süßwasser gefüllt ist und von denen es in Mexiko wegen der Beschaffung des Untergrundes unzählbare gibt) und hören uns die Berichte zu den Fundstücken an, die von den Tauchern geborgen wurden. Zum Abschluss unseres Besuchs in Chichén Itzá besichtigen wir noch die Wohnhäuser und die Sternwarte. Natürlich ist der Weg hierher auch von Händlern gesäumt und ich bekomme mehr als einmal mitgeteilt, dass die Schale, die ich einen Bruchteil einer Sekunde zu lange angeschaut habe, wirklich praktisch gar nichts kostet.

Unser Mittagessen essen wir in einer Hacienda und freuen uns, dass die scharfen Soßen separat gereicht werden. Im Anschluß gehen wir noch in einer Cenote schwimmen. Auf dem Gelände der Hacienda gibt es eine, und weil die Touristen eben gerne mal in einer schwimmen würden, hat man hier in den Rand eine Treppe reingehauen. Ohne Schwimmweste geht gar nichts, aber dann schwimmen der Zeugwart und ich tatsächlich in einer Cenote. Sieht echt klasse aus, wenn man hochschaut. Um uns rum schwimmen lauter Fische, über uns fliegen die Fledermäuse, es ist unwirklich und beeindruckend zu gleich. Wenn ich eine Cenote hätte, dann hätte sie auch eine Treppe, damit man in ihr schwimmen könnte.

Ich verschlafe die komplette Heimfahrt, so geschafft bin ich.

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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