Der Urlaub der Anderen


Ich bin am Strand wirklich schlecht vorbereitet. Das stelle ich hier täglich (natürlich!) mit einem Augenzwinkern fest. Obwohl das Klientel in diesem Urlaubshotel wirklich klasse ist und wir uns erfreulicherweise nicht mit anderen Urlaubern, die hauptsächlich alkoholisiert genießen können, muß ich zugeben, dass gerade die Französinnen ihren Strandurlaub ganz anders im Griff haben, als ich.

Stil

Französinnen haben immer Stil und können scheinbar mit unendlichem Kofferinhalt verreisen. Oder vielleicht haben sie auch das Geheimnis von Mary Poppins und ihrem bodenlosen Koffer gelöst? Ich weiß es nicht, aber ich bin täglich schwer beeindruckt. Während ich mit einer Dreiviertelhose und einem T-Shirt bekleidet morgens zum Frühstück spaziere um im Anschluß beides am Strand abzulegen und im Bikini auf der Liege zu liegen, kommen die Französinnen täglich in einem anderen Kleidchen oder Tuch oder im langärmeligen, aber luftigen, Hemdblusenkleid zum Strand.

Auf den ersten Blick müssen auch die Hemden ihrer Männer öfters für ein Damenstrandoutfit herhalten, wo ich nicht im Ansatz drauf kommen würde. Deshalb greife ich ja auch zu Hose und T-Shirt. Und zwar in meinem Schrank. Aber die Französinnen machen es vor, sie sehen großartig aus, wie sie so zum Strand gehen. Und im Urlaub, gerade in Mexiko, passen bunte Tücher ja sowieso immer. Ich stelle fest, dass diverse Wickeltechniken, die mir teilweise so kompliziert erschienenen, dass ich auch nach ein paar Tagen beobachten immer noch nicht in der Lage zum Nachwickeln bin, hier von den verschiedensten Frauen einwandfrei täglich verwendet werden.

Sonnenbrand

Vielleicht gibt es für Urlauber auch entsprechende Kurse? Oder die Anderen bereiten sich einfach anders auf so einen Aufenthalt vor? Bei YouTube gibt es garantiert zahlreiche Anleitungen. Man muß sie halt einfach nur ansehen, sonst bringt einem die beste Anleitung und das schönste Tuch nichts. Und man braucht natürlich Tücher. Ohne Grundausstattung ist am Strand eben einfach nichts zu holen. Mit meinem Strandoutfit bin ich zwar wesentlich universeller und kann auch mal einen Spaziergang machen ohne mir gleich einen ordentlichen Sonnenbrand zu holen, aber deshalb dann so sportlich rumlaufen?

Ich bin zusätzlich auch des öfteren am eincremen, weil ich trotz regelmäßiger Radbräune auch noch genügend ungebräunte Haut an den Strandtag lege. Die Französinnen sind anders vorbereitet. Da muß nicht ständig gecremt werden und schon gar nicht laufen sie ständig in sportliche Hosen und einem Sonnenschutzshirt rum.

Für Französinnen ist das sportliche Ganztagesoutfit undenkbar, die haben nämlich ein extra stilvolles Sonnenbrand-Vermeidungsoutfit in ihrer Strandtasche. Das ist auch so ein Thema. Die Strandtasche. Der Zeugwart und ich haben eine dabei, weil ich im letzten Moment daran gedacht habe. Ich fand eine von Arena passend, die haben es ja sowieso auch mit Wasser und vom Material her dachte ich, dass die sich erstens gut zusammenpacken lässt und zweitens auch wenig Sand reinlässt. Besonders schick ist sie aber nicht, dafür hat sie einen tollen Spruch drauf, der mich jedes Mal, wenn ich die Tasche anschaue, strahlen läßt. Das ist für uns kein Problem, wenn ich mir aber die Strandtaschen der anderen Urlauber hier ansehe, sticht sie raus. Nicht hässlicher oder schöner, aber eben anders.

Strandtasche

Hier werden große, schicke Taschen, fast schon Bowlingbags und überdimensionierte Handtaschen zur Strandtasche umfunktioniert. Wie bereits erwähnt, müssen die Koffer riesig sein, mit denen hier angereist wird. Die Damen legen keinen Wert auf ein kleines, übersichtliches Packmaß. Die Tasche muß schick sein. Wahrscheinlich ist sie das Bordgepäckt, statt unserer Rucksäcke? Aber bei den Ausflügen dann mit so einer Tasche unterwegs sein, statt mit einem Rucksack? Ist das praktisch? Oder kommt es darauf gar nicht an? Hier gibt es Lackoberflächen, die in der Sonne wunderbar glitzern, es gibt schicke Ledertaschen im Indianerlook und selbst Mütter, die mit ihren Kindern unterwegs sind, nutzen eher so eine Bowling- Reisetasche, als das, was wir an unserer Liege stehen haben.

Ich nehme mir spontan vor bei nächster Gelegenheit daheim auch nach einer schöneren Strandtasche zu schauen. Wie ich die dann ggf. an einen Strand verbringe, das kann ich mir dann ja auch immer noch überlegen. Man wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben. Auch am Strand, oder beim packen.

Frisur

Die Urlauberinnen in diesem Clubhotel haben alle außerdem keinerlei Probleme mit ihrer Frisur oder der Handhabung während des Urlaubs. Wenn ich eine Pferdeschwanz habe, dann stört der, wenn ich auf dem Rücken auf der Liege platziert bin um zu lesen. Liege ich auf dem Bauch, bekomme ich Rückenschmerzen, weil ich anscheinend einfach in dem Alter bin? Wenn ich meine Haare offen habe, kleben sie verschwitzt am Hals fest, was ich unangenehm finde. Oder sie wehen ständig durcheinander, was auch nicht besonders grandios ist. Die Französinnen haben diese Probleme nicht. Sie kommen top gestylt an den Strand, wickeln sich ein Tuch um den Kopf oder haben ein breites Stirnband um, das ihre Haare bändigt.

Wenn ich so ein Stirnband anziehe, rutscht es übrigens innerhalb weniger Sekunden nach oben vom Kopf und zerstört die vorher mühevoll schön gemachten Haare. Ich habe es da wirklich nicht einfach. 😉 Zugegebenermaßen habe ich allerdings auch keines dabei um der Sache doch noch eine Chance zu geben. Ich bin was den Bereich „Haare im Gesicht“ angeht auch einfach zu empfindlich. So klammere ich mir also die Haare zusammen, wenn ich aufstehe und liege sonst mit Haare hinter dem Kopf da.

Abends kommen die Damen ürigens toll gestylt und mit super volumigen Frisuren zum Abendessen. Wir sind hier so wenige, dass man sich schnell kennt und immer wieder sieht. Die Haarpflege Utensilien in Form von Festigern, Haarspray, Locken- oder Rundbürste und Sachen, die ich bislang noch gar nicht kenne, müssen einen beachtlichen Anteil am Packvolumen einnehmen. Ich bin beeindruckt und schaue gerne hin, während meine Haare einfach nur lufttrocknen (das aber meist schon vollständig, ehe wir überhaupt im Restaurant sind, weil es immer noch 35°C warm ist).

Pflege

Wenigstens bin ich in Sachen Haar-Pflegeprodukt dank einer Spende meiner Mutter ganz vorne mit dabei. Auch ich nutze, wie die Französinnen, ein Sonnenschutzspray für die Haare. Ohne meine Mutter hätte ich gar nicht gewusst, dass es sowas überhaupt gibt. Mit meinem Produkt, was sogar von Lancaster ist, weil meiner Mutter für die Schönheit ihrer Tochter anscheinend nichts zu teuer ist, bin ich allerdings wirklich voll im Trend. Ich nutze es allerdings im Bad, wohingegen die Damen hier wild am Strand um sich sprühen.

Alle Menschen sind gleich

Eines haben wir allerdings, egal aus welchem Land wir sind, hier im Urlaub gemeinsam… jeder hier hat beste Laune, jeder genießt seine Auszeit vom Alltag wo er oder sie nur kann und jeder hat Zeit. Es gibt am Buffett sowieso kaum mal die Situation, dass jemand vor mir steht, aber wenn, dann merkt man richtig, wie der Faktor Zeit den Menschen hier keinen Stress bereitet. Egal aus welchem Land wir kommen, im Urlaub hier im Club bekommen wir tatsächlich die Möglichkeit alles auszublenden.

Das wichtigste an so einem Urlaubstag kann tatsächlich die Beobachtung des Horizonts sein. Stundenlang. Und das ist einfach herrlich. Vor allem, wenn man einen Schirmchendrink in der Hand hat, so wie ich. Und die Französinnen.

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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