Wände aus Papier


Die Hotelzimmerwände sind aus dünnem Papier und mein Zimmernachbar hat heute offenbar viel vor. Bereits um 5h klingelt der Wecker, dann streckt und reckt er sich, geht auf die Toilette und zieht sich an. Er telefoniert außerdem mit seiner Frau, der es gut geht und die ihm offensichtlich Auskunft über den Gesundheitszustand seines jüngsten Sprösslings gibt. Seine große Tochter schreibt heute eine wichtige Klassenarbeit und er wünscht ihr dazu viel Erfolg. Da sie ja viel zusammen gelernt haben, soll sie sich keine Sorgen machen, sie ist bestens vorbereitet. Nach weiteren Absprachen mit seiner Frau, legt er auf und geht zum Frühstück.

Ich bin glockenwach. Und beeindruckt, dass ich mir quasi mit einem wildfremden Mann ein Zimmer geteilt habe. Ob er meine Bettroutine gestern Abend ebenfalls so verfolgen konnte? Während ich mir überlege, ob das schlimm oder egal ist, spaziere ich in den Frühstücksraum und überlege mir, welcher der hier sitzenden Herren wohl mein Zimmernachbar war. Rausfinden tue ich es natürlich nicht. Alle sind Franzosen, wie er, was sich ganz deutlich am Outfit und an der Frühstücksauswahl feststellen läßt. Die Herren erfüllen alle meinen Stereotypen und tunken ihr Croissant in den Kaffee. Ganz wunderbar finde ich das und mache es ebenfalls. Mein Tisch sieht im Anschluß aus, als hätten mehrere Croissants einen Krieg zwischen sich ausgetragen, aber auch das stört hier keinen. Weil eben alle Tische hier so aussehen.

Nach dem Frühstück marschiere ich zur Arbeit. Das morgendliche Nizza hat den Zauber der letzten Nacht, mit dem hübschen Sonnenuntergang und der schönen Beleuchtung etwas verloren und bietet mir den normalen Antlitz einer Großstadt. Wenigstens einer Großstadt am Meer, das ja bekanntlich vieles rausreißen kann. Obwohl ich es eigentlich nur einen Katzensprung zum Büro habe, nehme ich einen Umweg und laufe an der Promenade entlang. Ich genieße das Meer und den Blick zum Cap de Nice. Einige Schwimmer sind unterwegs und mich überholen außerdem zahlreiche Jogger. Nizza ist eine recht sportliche Stadt.

Im kommenden Jahr gibt es hier zusätzlich zu Marathon und Ironman außerdem noch einen 70.3. Leider ist es drumrum ziemlich bergig, so dass auch die 70.3 Strecke ziemlich viele Höhenmeter hat. Aber es heißt ja auch Ironman 70.3 und nicht Kindergeburtstag 70.3. Wir arbeiten heute viel und der Vormittag vergeht wie im Flug, und weil alle Kollegen hier, ähnlich wie daheim, total sportlich sind, machen wir heute eine trainingsreiche Mittagspause.

Café du cycliste

Wir laufen zum Meer und gehen schwimmen. Hier wird nämlich sehr fleißig für einen anstehenden Swim+Run trainiert. Und direkt neben dem Hafen, nur unweit vom Cap, gibt es einen kleinen Strand, der perfekt für eine Mittagspause ausgestattet ist. Es gibt Duschen und sogar Treppen, die über die Steine ins Wasser führen, wie im Freibad. Das Schwimmgebiet ist mit Bojen gekennzeichnet, so dass eventuell ankommende Yachten Abstand halten. Es ist viel los hier am Strand, wir sind nicht die einzigen. Zahlreiche Ironman Athleten, leicht zu erkennen an ihren Teilnehmer Badekappen, die überall bunt aus den Wellen herausstechen, trainieren und wir reihen uns einfach nahtlos ein.

Heute endet mein Arbeitseinsatz in Nizza, ich fliege spät heute Abend wieder zurück nach Hause. Es war extrem effektiv und ich bin froh, dass ich wenigstens ein bisschen Training mit einbauen konnte. Die Hübsche wird sich umschauen, was ich an Schritten für die Challenge gesammelt habe!

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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