Schwimmen ohne Flossen


Ich habe schlecht geschlafen. So richtig schlecht. Normalerweise schlafe ich einfach und merke alleine am ausgeschlafen sein am nächsten Morgen, dass ganz offensichtlich ein bisschen rumschlummern dazwischen lag. Aber letzte Nacht war blöd. Ständig ist ein anderes Körperteil bitzelnd eingeschlafen oder kribbelnd aufgewacht, meine Schulter hat mir weh getan und mein Knie hat gepocht. Es war zu warm und zu kalt und dann war mir mein Atmen zu laut oder ich habe was gehört, was gar nicht da war. Die Nacht ist früh vorbei. Gut eigentlich, weil es ja eh alles blöd war. Aber dann wiederum ziemlich dämlich, weil ich noch wirklich müde bin. Außerdem habe ich Kopfschmerzen.

Im Radio sagen sie im Verkehrsfunk auch gleich durch, dass mein Weg heute früh bereits um 5:30h gespickt mit Unfällen ist und es sich schon jetzt staut. Wer ist denn bitte um diese Uhrzeit auf der Gass‘ und stellt sich in einen Stau? Das ist doch irre. Aber gut, ich verstehe schon. Ich bin nicht der Nabel der Welt. Ich mache erst mal Frühstück und dann springe ich in den Badeanzug und schon geht’s auch los. Heute gehe ich vor der Arbeit schwimmen. Der SchwimmGuru hat den Schwimmtrainingsplan ja nicht aus Jux und Dolleres geschrieben, sondern, weil er möchte, dass ich besser werde.

Nachdem der Verkehr heute früh wirklich unheimlich dicht ist, finde ich direkt vor dem Schwimmbad einen Parkplatz und falle praktisch ohne wirklichen Umweg direkt ins Becken. Dort sage ich dem SchwimmGuru kurz hallo, der heute einen anderen Schüler trainiert, und dann schleiche ich mich bei Walter Mitty auf die Bahn. Und schon geht’s los. Unfassbar, wie viele Leute hier morgens ihre Bahnen ziehen. Das ist wirklich ziemlich verrückt. Die müssen ja auch irgendwie aufstehen, ihre Badekleidung anlegen und herkommen, oder umgekehrt. Die Menschen im Rhein-Main-Gebiet sind sowas von sportlich… oder alle in einem Rookie Projekt. Ehe ich das jetzt aber anfrage, schwimme ich einfach mal meinen Plan ab.

Während ich mir mit Walter Mitty die Bahn mehr oder weniger teile, hält sich neben uns ein Herr gerade so über Wasser, dass er nicht untergeht, verprügelt das Wasser und kommt so gut wie gar nicht voran. Es ist wirklich kein Spaß ihm zuzusehen und wenn ich an ihm vorbei schwimme, dann tut er mir irgendwie leid. Aber, seine Rettung wäre ja vom Prinzip her nur drei Menschen entfernt, denn der SchwimmGuru ist gleich hier. Natürlich hat er jetzt einen Schüler, aber grundsätzlich könnte man ihn ja ansprechen. Tut der Schwimmer aber nicht, zumindest nicht, während ich ihn sehe. Er schwimmt einfach. Langsam, wackelig und ohne Kraft oder großartigen Vortrieb. Obwohl ich es selbst gerade erst richtig lerne, sehe ich das, was fehlt, sofort.

Schwimmen

Nachdem ich meinen kurzen Plan heute durchgeschwommen habe, wechsel ich das Becken, um meine Beinarbeit abzuarbeiten. Das habe ich jetzt ja schon öfter mal trainiert, aber trotzdem habe ich das Gefühl, dass das immer noch nicht dauerhaft in meinem kleinen Kopf angekommen ist. Ich verfalle dem alten Beinschlag immer noch, wenn ich mich nicht zusammen nehme. Und das ist ja nicht Sinn der Sache. Es kann allerdings auch kein Hexenwerk sein. Es ist ein Beinschlag! Der SchwimmGuru kommt, nachdem sein Schüler ihn verlassen hat, kurz rüber und zeigt mir noch eine neue Übung, sowie eine Beinschlagkorrektur und dann geht’s hier auch gleich so richtig voran. Ich bin wirklich begeistert, was für einen guten Draht er bei mir trifft.

Er macht eine Ansage, erklärt eine Übung oder zeigt mir was und ich kann es praktisch sofort umsetzen und nachmachen. Zwar nicht ausdauernd und perfekt, aber die Richtung stimmt, so dass ich daran üben kann. Das finde ich großartig. Was für ein Glück so einen Schwimmtrainer zu haben! Wo es ja gerade beim schwimmen auf die Technik ankommt. Nachdem ich das also auch noch ein bisschen geübt habe, schwimme ich mich aus und nutze den korrekten, vortriebsfreudigen, Beinschlag. Es kommt mir vor, als hätte ich Flossen an den Füssen, obwohl die am Rand liegen und meine Füße nur mit Schuhgröße 35 gesegnet sind. Von einer Größe ist hier also nicht wirklich die Rede.

Sehr zufrieden stelle ich mich unter die Dusche und merke mal wieder, dass ich im Duschen und anziehen niemals einen Blumentopf gewinnen werde. Da bin ich wirklich super langsam. Oder ich bin einfach alt und da braucht man halt auch länger? Vielleicht werde ich da mal dran arbeiten, wenn ich 10km am Stück laufen und 50m in 30 Sekunden schwimmen kann? Man muß ja Ziele haben im Leben.

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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