Ruhe heißt bei Sportlern nicht Ruhe. 1


Wir sind wieder in Darmstadt bei Skinfit, denn heute findet ein weiterer Vortrag mit Michael Schneider statt. Im Verkaufsraum ist es 10°C kühler als vor zwei Wochen und die Stühle sind ähnlich gut besetzt.

Dieses Mal geht es um das Thema „Verletzungen und Regeneration im Laufsport“.
Das ist ja leider in unserem Haushalt ein bekanntes Thema und von daher sind wir gespannt und neugierig mehr zu erfahren.

Michael beginnt seinen Vortrag und ich erinnere mich sofort an seine Art die Dinge zu erklären und die Beispiele zu geben. Er kann das gut, etwas erklären ist nicht jedermann’s Sache, aber er bringt das gut rüber und so erfahren wir, wie wichtig es ist, dass eine Entzündung in normalem Masse statt finden kann ohne gleich Medikamente einzuwerfen. Das ist eines der wichtigsten Dinge, die ich mir von heute Abend mitnehmen werde.

Michaels Vortrag startet…
…beim Laufen haben wir zwar eine Belastung auf unsere unteren Extremitäten (=Beine, Füße) aber die ist längst nicht so hoch wie in anderen Sportarten. Alle Sprungsportarten bieten da weitaus mehr Belastung und daher oft auch ein höheres Verletzungsrisiko.
Verletzungen können auf zwei Arten entstehen, entweder man wählt eine Belastung, die schlichtweg zu hoch für den eigenen Körper und seine Grundvoraussetzungen ist, oder man belastet sich normal, der Körper ist aber nicht so in Schuß, dass er es aushalten könnte. Praktisch alle Verletzungen bzw. ein großer Anteil beim Laufen entstehen durch Trainingsfehler (zu viel, zu schnell), wenige finden ihre Ursache dann noch in Unfällen, funktionellen Problemen, anatomischen Themen oder anderen systemischen Belastungen (das Rundumpaket Mensch).
Immer wenn eine Verletzung akut auftritt kann man sie mit Ruhe, etwas Geduld und oft ohne Medikation ausheilen lassen… Michael nennt diese Verletzungen „nette“ Verletzungen. Ich kann ihm zustimmen… wenn ich meine Achillessehne mal überlastet habe, war’s mit Ruhe (=Laufpause) und Eis immer nach ein paar Tagen gut. Ich kenne andere Beispiele von nervösen Sportlern, die ihre Sehne sogar zum reißen gebracht haben, weil sie die berühme Laufpause eben nicht machen wollten.

Michael bespricht mit uns ein paar Verletzungen die beim Laufen vermehrt auftreten, bzw. welche, mit denen ein Läufer in seinen „Kreisen“ öfter mal in Verbindung kommt. Ich habe selbst bisher keine dieser Beschwerden gehabt… aber ich bin ja auch eher einer der Vorsichtigeren, seit dem die Achillessehne mal weh tat.
Wir beginnen mit Muskelkrämpfen, Muskelkater und wechseln dann zur Plantarfaszitis. Letztere äußert sich mit Schmerzen an der Ferse und kann ein Zeichen für eine Überlastung sein. Außerdem sollte man sich die dorsalen Strukturen (hintere Muskeln) ansehen und ggf. dehnen oder stärken. Die Plantarsehne ist an der Ferse angewachsen und ist quasi der Gegenspieler bzw. die Verlängerung der Achillessehne… geht’s der einen schlecht kann die andere leicht folgen.
Reizt man die Ferse lange genug, weil man seine Plantarsehne nicht schont und die Belastung zurückfährt kann man einen Fersensporn ausbilden. Das ist ein knöcherner Fortsatz an der Ferse über den die Sehne dann erst recht rüberreibt. Ich dachte ja der wäre immer da… aber Michael belehrt mich hier eines besseren.

Was mir beim letzten langen Lauf auffiel war ein leichter Schmerz unterhalb meiner linken Kniescheibe. Allerdings nur auf den letzten Metern und wirklich ganz leicht. Ich hab’s nie erwähnt, weil’s so wenig war. Jetzt weiß ich was es gewesen sein könnte… es nennt sich unspezifischer distaler Knieschmerz. Der kann entstehen durch Überlastung oder schlechtes Schuhwerk, das zu funktionellen Dysbalancen führt. Dadurch können die Menisken gereizt werden oder die Kapsel… aha. Kann bei mir natürlich alles der Fall sein. Ich glaube allerdings, bei mir hat’s wirklich nur mit Überlastung zu tun. Ich wollte halt spontan mal 90Minuten laufen dabei hätten 70Minuten auch völlig ausgereicht. Also ein typischer Sport“verletzung“ durch Überlastung-Fall. ;-)

Der Zeugwart meinte dann währendessen flüsternd zu mir: „Als Hypochonder kannst Du Dich hier nicht hinsetzen.“ … worauf ich nur erwiedern konnte, dass mir auch schon alles weh tut. Unweigerlich hört man bei so einem Vortrag ja in sich selbst rein und stellt fest was einem alles so weh tut und was kürzlich noch gezwickt hat.

Dann wurde noch das Läuferknie besprochen, bei dem eine Sehne über einen Oberschenkelknochenfortsatz reibt und dadurch Schmerzen verursacht. Das deutsche Läuferknie ist nicht zu verwechseln mit dem englischen Running knee, das wieder eine andere Verletzung ist.

Nachdem ich meine schmerzenden oder besser nicht schmerzenden Beine nun stark im Fokus hatte ging der Vortrag in Richtung des zeitlichen Ablaufs einer Verletzung. Das fand ich sehr interessant, weil ich mir dazu bisher auch noch nie richtig Gedanken gemacht hatte. Ich bin immer nur angenervt, wenn’s mal wieder länger dauert. ;-)
In den ersten fünf Tagen befindet sich der Körper in der Entzündungsphase, hier geht’s um die Säuberung der Verletzung und um die Infektabwehr. Der Körper bereitet sich auf die Proliferationsphase vor, in der ein provisorisches Ersatzgewebe gestrickt wird. Das passiert bis zum 21.Tag. Hier kann leichte Bewegung helfen, da damit die Durchblutung gefördert wird. Im Anschluß gibt’s dann die Phase, wo das Ersatzgewebe in festes bleibendes Gewebe umgewandelt wird… nennt man Konsolidierungsphase. Das dauert ungefährt bis zum 60. Tag nach der Verletzung. Bis zum 300. Tag dauert es dann bis alles wieder so hergestellt ist, wie es vorher war. Bei sehr schweren Verletzungen auch noch länger.
Wahnsinn oder? Ich motze ja schon beim 7.Tag rum… wie langweilig alles ist und wie gerne ich wieder was machen würde… da ist ja noch längst nicht alles geschafft. Gut, dass das mal einer so erklärt, dass ich es verstehe!
Michael hat dann noch die mir wohlbekannte PECH Regel erklärt und auch noch mal verdeutlicht, warum sie in der aktuen Phase gilt… bei länger andauernden Sachen aber nicht mehr.

Besonders wichtig fand ich, dass er erwähnte: die Symptome zu mildern bedeutet keine Heilung… und dass er Sportler grundsätzlich zur absoluten Ruhe rät, auch wenn ein bischen Mobilisierung oft hilft. Denn ein Sportler hält eh keine Ruhe und das was der Sportler bei der Verordnung „Ruhe“ noch macht, reicht für die  Mobilisierung völlig aus. Ein sehr schlauer Ratschlag!

Die Fahrt nach Darmstadt hat sich gelohnt! Danke an Skinfit und Michael für die Möglichkeit der kostenfreien Teilnahme!

Clauditries

Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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Ein Gedanke zu “Ruhe heißt bei Sportlern nicht Ruhe.

  • Michael

    Hey Claudia,
    bin begeistert von Deinem Interesse an der Materie und Deiner perfekten Zusammenfassung des Infoabends!!! Danke auch für den Support an dieser Stelle!
    Viele Grüße
    Michael

Kommentare sind geschlossen.