Klimmzugfeinde


Nachdem wir gerade noch pünktlich im Sportclub ankommen und ich mich in rasender Geschwindigkeit umgezogen haben, bin ich die Letzte, die in die Halle kommt. Alle Fitten, die vor uns dran waren sind schon fertig. Wir werden so nett begrüßt, und jeder scheint sich zu freuen, dass wir heute wiedergekommen sind… kenne ich so gar nicht von anderen Fitnessstudios. Heute ist unser zweiter Kenneth-Tag und beim Blick auf die Tafel werde ich ein bischen kreidefarben. Wir müssen aber „nur“ die eine Hälfte machen, lächelt Kenneth mich an und von daher ringe ich mir ebenfalls ein Lächeln für ihn ab. Ich will die Motivation ja voll genießen, Angst habe ich trotzdem.  
Eigentlich freue ich mich ja auf das Training… und es macht auf der Arbeit ja auch jede Menge her zu berichten, dass ich bei einem Army Ausbilder trainiere. Ha ha… die Kollegen denken alle, ich wäre super fit. Den Zustand muß man auskosten. 
Nach ein paar kurzen Erklärungen, zu den Übungen, bei denen ich noch immer am Vokabeln lernen bin wie ein Anfänger, und dem Zurechtlegen von einer 12kg Kettlebell, legen wir los. Ich mache alles falsch und fabriziere so gefühlte 100 Kettlebell Swings, bis Kenneth zufrieden ist. Eigentlich soll ich ja nur 10machen… aber natürlich richtig ausgeführt. Da ist er eisern. Recht hat er ja. 
Während ich also versuche die Kettlebell richtig zu halten, meinen Po richtig anzuspannen und den Rücken im richtigen Winkel zu haben, neigt mein Gehirn wieder mal zu einer Übersprunghandlung. Ich muß ja wirklich alles kommentieren, oder ich lache. Gerade jetzt, bei Kettlebell Swing Nr. 69 (gefühlt… klar, oder?) denke ich an Kenneths Spruch über die einsame Insel, bei der mir doch tatsächlich geraten  hat, wenn ich auf einer einsamen Insel strande, soll ich unbedingt eine Kettlebell mitnehmen, weil man damit die effektivsten Übungen machen kann. Er ist einfach herrlich und ich bin sicher, in seiner Notfall-Erdbeben-Insel-Tsunami-Unglück-Katastrophentasche ist neben Karotten auch ganz bestimmt eine Kettlebell drin. Natürlich.  Mein einsamer Insel Plan ist in dieser Hinsicht weniger ausgereift und hätte sowas wie Bücher, den Zeugwart, die Teamchefin, den Profiathlet und genügend Grillzeug im Blick. Aber gut. Wir tauschen die Pläne ja nicht aus und so bleibt meiner geheim. 
Irgendwann verstehe ich dann auch was er meint und mache die Übung richtig. Das ist ja schon mal was. 
Dann sollen wir 30 mal auf eine Bank aufsteigen und zwar immer abwechselnd mit dem anderen Bein. Das sind 15 pro Seite, aber egal wie man es ausdrückt… es sind viele. Oh man. Dafür bin ich nicht gemacht und ich habe auch nicht das Gefühl, dass mir diese Übung auch nur Ansatzweise leichter fällt als vor zwei Wochen. Die Bank ist endlos hoch, ich bin fix und alle und als ich bis 28 gezählt habe, denke ich aufrichtig über Betrug nach. Weil dann aber der Schweinehund gewinnen würde, betrüge ich mich nicht und mache die zwei noch. Da wir das Set 4x machen sinds am Schluß nicht nur 30… ich bin hart im Nehmen.
Weiter geht es mit Klimmzügen. Ich habe die ja hier im Blog bisher tot geschwiegen und das nicht ohne Grund. Klimmzüge sind meine Feinde. Ich habe einfach zu viel Körper für meine Arme und krieg die nicht hin. Claudi und Klimmzüge haben bis auf das i nichts gemeinsam. Wir können uns nicht leiden. Heute machen wir die Klimmzüge in dem wir auf dem Boden sitzen und eine Querstange festhalten. Dann richten wir uns in eine Gerade auf, deren Winkel variabel gewählt werden kann und dann ziehen wir uns an die Stange ran. Irgendwie eine umgekehrte Liegestütz oder ein Kinderklimmzug… oder einfach ätzend. Ich wähle den falschen Winkel und beschließe sofort, dass ich wahrscheinlich heute genau hier sterben werde. Es ist schrecklich anstrengend. Ich soll 5 Stück machen. Bei 3 fange ich an zu fluchen… wenn das aber noch geht hab ich ja noch Luft und mache deshalb Nr. 4 auch noch. Für den 5 muß ich mich dermaßen quälen, dass die anschließenden 8 Ausfallschritte als Erholung empfinde. 
Ausfallschritte als Erholung? Ich habe auch eine Vollmeise mittlerweile. Unfassbar. 
Das restliche Programm bringt mich dermaßen zum schwitzen, dass ich zwischendurch nachtanken und Kenneth, als er -wie so oft am heutigen Abend- was bei mir verbessert, ein feuchtes Sportshirt anfassen muß. Der Arme. Aber gut, er hätte ja auch einen Kinderplan für mich anschreiben können. Hat er aber nicht. Ich mache alles wie die großen Jungs. 
Und auf der Heimfahrt weist mich der Zeugwart noch darauf hin, dass ich ja letzte Woche den russischen rumdreh Sitz-Dings mit 5kg und diese Woche mit 7kg gemacht habe. Nicht, dass ich mich erinnert hätte oder einen Unterschied gemerkt habe. Aber ich bin mir sicher, Kenneth wußte das von letzter Woche noch und denkt einfach, wir sind jetzt so top trainiert, dass wir auch 7kg schaffen. War anstrengend, aber er hatte recht. Und er hat mich damit klammheimlich ausgetrickst, ohne dass ich es gemerkt habe. Überhaupt hat er oft recht… nur das mit der einsamen Insel überlege ich mir noch. Wenn der Muskelkater nachgelassen hat. 
Clauditries

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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Über Clauditries

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