Der Orient mit dem Rad


Wie gestern angekündigt, gibt es heute wieder eine Radausfahrt. Vorher finden wir uns aber, wie jeden Morgen in diesem Trainingslager, mit unserem Physiotherapeuten zum Tanz der 5 Tibeter ein. Hier machen nur fleißige Triathleten mit, habe ich so das Gefühl und ich scheine die Einzige zu sein, die sich mit den Übungen wirklich schwer tut. Der Vortänzer verbiegt sich locker, flockig wie eine Brezel, während ich verzweifelt versuche nicht in den Pool zu fallen und die Balance zu halten. Alles geht aber gut. Wie schön.
Morgen habe ich also die letzte Chance, mich erneut vor dem sicheren Naß werden zu bewahren und beim Tibetertanz wieder nicht in den Pool zu plumpsen.
Heute fahren wir nach Orient. Schöner klingt allerdings eindeutig, wenn wir in den Orient fahren, weil das für die deutschen Ohren einfach harmonischer ist. Die Anfahrt gestaltet sich garmingestützt, der Rest läuft einfach so. Da diese Gruppe nun schon ein paar Tage zusammen fährt, könnte man annehmen, dass wir das Fahren in der Gruppe mittlerweile drauf haben und wissen wie Zweierreihe geht oder wann es angebracht ist enger beieinander zu fahren.
Haben wir aber nicht. Zumindest nicht alle. Es gibt tatsächlich auch an Tag 6 des Trainingslagers noch Ausreißer, die es einfach nicht so machen möchten, wie es angesagt wird. Warum das so ist, versuche ich einfach nicht zu hinterfragen. Das wäre mir zuviel, immerhin kommt kurzfristig ein Anstieg, denn auf dem Weg in den Orient müssen wir über den Col d’Honor rüber. Ehrenhalber sozusagen. Und mich trifft die Ehre volle Kanne am rechten Oberschenkel. Und zwar hinten. Ich habe da nämlich eine muskelkrampfanfällige Stelle.
Beide Krämpfe dehne ich am Anstieg allerdings gut weg und das Anfahren am Berg klappt ebenfalls lehrbuchmäßig.
Und schon habe auch ich es geschafft und darf mit dem Schild ein Bild machen.
Zur jetzt folgenden Abfahrt ziehe ich die Armlinge wieder hoch und konzentriere mich. Abfahrten sind immer mit Vorsicht zu genießen, dass ist in Mallorca nicht anders als daheim. Außer, dass hier vielleicht ab und an mal eine Ziege auf die Strasse tritt und das daheim eher weniger vorkommt. Mittlerweile bin ich aber schon fast abfahrtsgeübt und halte die Kurvenlinie, nutze den Platz richtig aus, der mir als Radfahrer gegeben ist und kann gut einschätzen wann es Zeit zum Bremsen und wann zum Antreten ist.
Und ehe ich mich auf den nächsten Antritt vorbereiten kann, steht der Zeugwart mitten im wirklich sehr überschaubaren Örtchen Orient im Eingang des einzigen Kaffee’s am Platz und sorgt dafür, dass auch ich meine absolut wohlverdiente Pause bekomme. Wir bestellen Kaffee, Schokoladenkuchen und Wasser um meine Trinkflasche aufzufüllen. Und dann erkläre ich einer anderen Radtouristin noch schnell die Mallocinische Toilette. Die unterscheidet sich natürlich in keinster Weise von einer anderen Toilette, aber die Dame bekommt erst das Licht nicht an, dann die Tür nicht abschlossen, dann nicht gespült und dann auch nicht den Wasserhahn gestoppt. Dieser Toilettengang ist für sie eine wahre Tortour und für mich die Erkenntnis, dass man zum Rad fahren eben wirklich nicht besonders viel können muß, außer eben Rad zu fahren.
Ab dem Orient geht es noch kurz zwei Kehren Berg hoch und dann folgt eine sehr entspannte lange Abfahrt, bei der der Zeugwart und der, der den Weg kennt, einer größeren Gruppe mal zeigen, wo der Radhammer hängt. Ich bin die letzte in der Abfahrt, bekomme noch einen guten Rat und versuche dann mehr oder weniger verkrampft hinter der letzten unserer Gruppe zu bleiben, die das mit der Kurvenlinie und dem einschätzen wann zu bremsen oder Gas zu geben ist, noch nicht so wirklich verinnerlicht hat. Diese Abfahrt ist fast genauso anstrengend wie die Auffahrt gewesen ist.
Als wir unten sind, wechsle ich die Position in der Gruppe. Die ersten beiden Reihen funktionieren meistens, also halte ich mich gern dort auf. Wenn’s funktioniert mag ich’s. Irgendwann werden die passenden, Gruppenkonform fahrenden vier, überholt und kurz danach passiert es auch schon. Einer hat eine Panne und die Überholerin ist weg. Da ich weder besonders schnell im Verfolgung aufnehmen, noch besonders gut im Panne beheben bin, stelle ich mich einfach daneben und kommentiere. Der Zeugwart sprintet von dannen um die Überholerin einzufangen. Und er bekommt sie auch.
Nachdem der Reifen geflickt ist, fahren wir zurück zur Finca. Ich hänge lieber noch einen 4km Lauf hintendrin, während es für die anderen Fahrer wichtiger ist eine dreistellige Zahl auf dem Tacho zu haben. Jedem ist eben was anderes wichtig.
Morgen ist unser letzter Tag hier im Tricamp Trainingslager. Wir werden Athletiktraining machen, Schwimmen gehen und ein Koppeltraining absolvieren. So sagt es zumindest der Plan. Ich bin gespannt und falle todmüde ins Bett.

 

Clauditries

Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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Über Clauditries

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