Wind schult den Charakter 6


Heute bin ich früh auf. Der Zeugwart muß extra früh zur Arbeit und da nutze ich die Gelegenheit und stehe ebenfalls auf. Und weil ich mich gestern in das Abenteuer öffentliche Verkehrsmittel gestürzt habe, nehme ich heute das Fahrrad um zur Arbeit zu kommen.

Der Zeugwart hat bereits alle Beleuchtungseinheiten, die wir so haben, vorbereitet und so ist mein Rücklicht aufgeladen (das machte es nämlich an der Steckdose, via USB) und zwei Frontlichter ebenfalls. Eigentlich fehlt mir nur noch etwas für die Speichen, leider ist das, was ich super toll finde in Deutschland nicht zugelassen. Ob ich es mir trotzdem kaufe und damit ein Verkehrsrowdy werde, weiß ich noch nicht. Da ich noch mein leuchtendes Schutzblech habe, fahre ich heute also beleuchtet zur Arbeit. Und da der Zeugwart mich mit dem Auto auch noch überholt, kann er bestätigen, dass ich tatsächlich bestens zu sehen bin. Zumindest von hinten und von vorne. Seitlich ist es ausbaufähig. Definitiv.

Im Rhein-Main-Gebiet ist es stürmisch in diesen Tagen. Heute sollte es allerdings besser sein, als gestern. Da ich gestern nicht mit dem Rad gefahren bin, es aber heute tue, kann ich leider keinen Vergleich ziehen. Ich kann aber wohl sehr genau feststellen, dass es heute durchaus ordentlich windig ist. Und dass der Wind nur aus der Gegenrichtung kommt, merke ich ebenfalls. Ganz schön frech, aber natürlich nicht zu ändern. Im Kraichgau im kommenden Jahr kann ich mir ja beim Veranstalter auch keinen windfreien Wettkampf wünschen.

Und außerdem schult Wind den Charakter. Meiner hat da offenbar jede Menge schulungsbedarf, bei dem was es heute am Main so rumweht. Und das, obwohl ja weniger Wind angesagt ist. Der Wind weiß das aber anscheinend gar nicht. Da das leider nichts hilft, trete ich also ordentlich in die Pedale und arbeite mich so Stück für Stück in Richtung Großstadt. Kaum dort angekommen, geht die Sonne auf und ich kappe die Fahrradbeleuchtung zur Hälfte. Jetzt, da es hell ist, muß ich nicht mehr so extrem leuchten, halbes Licht reicht auch. In diesem Zusammenhang würde mir tatsächlich auch der halte Wind reichen. Wind gibt es aber weiterhin volle Kanne.

Nachdem ich die Großstadt hinter mir gelassen habe, bin ich auch nicht mehr so häusergeschützt. Häuser können ja Windfänger sein, und demnach sehr unpraktisch. Sie können aber auch Windschattengeber sein und den Wind abhalten. Wenn sie fehlen, tun sie halt gar nichts und ich fahre im Wind. Und das tue ich leider auch noch zu schnell, um mich bei den um mich rum fahrenden Radlern in den Windschatten zu hängen. Alle fahren langsamer als ich. Also noch langsamer, das kann man ruhig so schreiben. Denn ich habe schon das Gefühl, als würde ich heute eher gegen das Umfallen kämpfen als voran zu kommen.

Glücklicherweise kippe ich allerdings nicht um und kann irgendwann, lange nach dem Verlassen der Großstadt und dem Erreichen des Vorortes auch abbiegen und quer zum Wind den Berg rauf fahren. Wenn ich mir jetzt dazu auch noch Gegenwind vorstelle, wäre mein Tag wirklich gelaufen. Sowas gefällt dem Trainer, Anstieg mit Gegenwind, aber mir nicht. Ich finde schon Anstieg oder Gegenwind reicht vollkommen. Wer die Wahl hat, hat die Qual. Der Anstieg geht heute.

Wirklich. Kommt mir gar nicht wirklich anstiegerisch vor. Dabei hat der Wind eigentlich alle Reserven aufgebraucht. Zumindest hat es sich so angefühlt. Scheint aber nicht der Fall gewesen zu sein. Versteckte Reserven vielleicht? Wie praktisch!

Ich bin heute glatte 8 Minuten langsamer als ohne Wind und 18Minuten langsamer als mit Rückenwind. Aber ich kann meine Trainingseinheit für heute schon mal abhaken, das ist doch richtig praktisch. Die Dusche auf der Arbeit ist herrlich und jetzt kann es nur großartig weitergehen.

 

Clauditries

Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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Über Clauditries

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6 Gedanken zu “Wind schult den Charakter

  • Helge Orlt

    Hallo Claudi,
    also ich nehme es ja freiwillig mit jedem Berg auf, aber Wind … hm, das macht mir nicht wirklich Spaß
    Ich finde Wind einfach nur ermüdent :-)
    Aber so zu Tagesbeginn vor der Arbeit … Naja, da kann quasi fast nix mehr schief am Tag wenn du schon so kämpferisch angefangen hast :-)
    Liebe Grüße
    Helge

    • Clauditries Autor des Beitrags

      Hallo Helge,
      Wind ist tatsächlcih ermüdend, aber leider oftmals einfach da… ähnlich wie Berge, aber fieser.
      Es ging auch praktisch nichts mehr schief, wunderbar!
      Grüße,
      Claudi

  • Elke's Runningblog

    Liebe Claudi,
    Du bist ja echt nicht zu bremsen! Aber Duschmöglichkeit auf der Arbeit ist natürlich klasse und erleichtert solch Trainingseinheiten sehr.
    Liebe Grüße
    Elke

    • Clauditries Autor des Beitrags

      Hallo Elke!
      Die Dusche erleichtert das Training vor der Arbeit ungemein. Und macht ein Training in der Mittagspause auch für meine Kollegen angenehmer, wenn ich danach wieder geduscht am Schreibtisch sitzen kann. Purer Luxus!
      Viele Grüße,
      Claudi

  • Andreas

    Also ich fahre ja auch mit dem Rad zur Arbeit – längst nicht so sportlich wie du, ich bin ja im Nebenleben eher Läufer als Radler – aber was mich wirklich nervt, wenn ich mal Lust habe, etwas ambitionierter in die Pedale zu treten, ist der Autoverkehr! Hier in Berlin braucht man schon Mut und einen erfahrenen Schutzengel, um sich täglich neu von Autofahrern mit 50 cm Abstand überholen zu lassen. Übrigens der einzige Grund, weshalb ich noch nicht auf Radfahren als Zweitsport umgestiegen bin: Wenn ich Sport treibe, möchte ich mich auf mich und den Sport konzentrieren und nicht um’s Überleben kämpfen ;-) Das scheint bei dir aber offensichtlich kein Problem zu sein, deshalb wünsche ich dir weiterhin schöne (auch anstrengende ;-)) Radfahrten zur Arbeit und überhaupt!

    • Clauditries Autor des Beitrags

      Hey Andreas,
      ich bin mir sicher, Sportlichkeit liegt vor allem im Auge des Betrachters. Auf meinem Arbeitsweg fahre ich insgesamt nur ungefähr 7km im Autoverkehr, aber auf Radwegen, den Rest meines 40km langen Arbeitsweges lege ich räumlich getrennt vom Autoverkehr zurück. Das macht einen extremen Unterschied. Ich kann das bei Dir vollkommen nachvollziehen!
      Viele Grüße & Dir allseits gute Fahrt, wenn Du mit dem Rad unterwegs bist!
      Claudi

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