Lügen in Formentor


Unsere Abfahrt verzögert sich heute um 30Minuten, so dass ich richtig toll Zeit habe, nach dem Frühstück in aller Ruhe meine Schwimmsachen zu packen und die Radausfahrt vorzubereiten. Das Athletiktraining am Pool spare ich mir heute, statt dessen mache ich meine Physiotherapie Übungen, denn das ISG zwickt leicht. Es soll keine Chance bekommen mich heute zu stören. Immerhin ist nach der Radausfahrt auch noch ein Koppellauf geplant.

Die komplette Athletengruppe fährt heute geschlossen zum Schwimmbad nach Muro. Ich erinnere mich noch gut an das Schwimmtraining vom letzten Jahr, bei dem ich bereits fix und fertig angekommen bin, dank der erhöhten Lage des Schwimmbades. Das liegt nämlich oben auf einem Berg, was schon mal per se eine fiese Lage ist. Heute fahre ich locker hoch. Natürlich nicht ganz locker, schließlich liegt es ja oben, aber wesentlich lockerer als noch im letzten Jahr. Wunderbar.

In Muro am Schwimmbad machen wir noch einen flotten Sailfish Neotest und ich bestätige kurz, dass der G-Range der richtige Kauf war. Dann schließe ich mich dem Schwimmtraining an und bin nicht die langsamste. Premiere. Was ein Fest. Ich bin aber vor allem, was noch viel wichtiger ist, als der Vergleich zu den anderen Athleten, schneller und dazu noch weniger müde, als im letzten Jahr. Als das Schwimmtraining vorbei ist, dusche ich das Chlor kurz ab, schmiere Sonnencreme nach und bin fit um die Radtour zu starten. Ich fühle mich großartig.

Heute fahren wir nach Formentor. Es sollen wieder circa 90km werden, aber nicht so viele Höhenmeter. Na, da bin ich ja mal gespannt. Wir rollen locker von Muro und dem Schwimmbad in Richtung Norden der Insel. Im letzten Jahr sind wir hier nicht hergefahren, weil der Anstieg zu anstrengend war und wir den höchstwahrscheinlich nicht geschafft hätten. Heute stellt sich die Frage nicht. Keiner hat Zweifel daran, dass ich hier hochfahren kann.

Ich verschalte mich nicht und die 3km bis zur ersten Plattform, gespickt mit wunderschönen Ausblicken vergeht fast wie im Flug. Natürlich nur fast und in meinem Kopf, aber das ist ja die halbe Miete. Und der Rest sind die Beine. Die fahren nicht locker, aber sie fahren stetig, während die Strickliesl an mir vorbeizieht und ich dann auch noch von der Hübschen eingesammelt werde. Diese Mädels haben eine Kraft in den Beinen, das ist einfach unfassbar. Ich freue mich, dass sie so gut trainiert sind und genieße weiter den Ausblick. Außerdem motiviere ich die Hübsche noch flotter hoch zu fahren, weil sie ja Urlaub hat und es hier einfach so wunderschön ist. Es funktioniert.

Die Hübsche und ich sind ein gutes Motivationsgespann.

Formentor

Am Parkplatz, nach 3km, erwartet mich die ganze Gruppe. Sogar der Hüne steht dort und harrt aus, weil er einen teuflischen Plan ausheckt. Seine Gruppe fährt von hier aus noch eine größere Runde, aber während er auf die wartet, kommt er nicht drumrum mir noch schnell folgende Empfehlung auszusprechen. Ganz überzeugend sagt der Hüne, ich soll noch schnell zwei weitere Kurven rauffahren, weil von dort der Blick über die Bucht einzigartig schön sein soll. Von dort, soll ich dann noch kurz gerade weiter um den Berg herum und dann noch maximal 500m bis ich hinter dem Berg auf die Bucht schauen kann. Das würde sich lohnen sagt der Hüne… und weil er der Radguide ist, und vertrauenserweckend aussieht, glaube ich ihm.

Ich bin einfach so naiv.

Steil Berg an geht es bis zur zweiten Kurve. Von Schnell ist hier keine Spur. Ich weiß nicht, wie er das gemeint haben könnte. Unfassbar. Ich halte an der zweiten Kurve kurz an, genieße den wahrhaftig tollen Ausblick und überlege, ob ich dem Hünen von hier aus ein paar Unverschämtheiten zurufen soll. Er schaut aber nicht nach oben, und so steige ich auf und nehme die nächste Hürde in Angriff. Es geht ja jetzt, laut seiner Beschreibung, noch kurz gerade nur um den Berg herum und dann noch 500m. Dann bin ich ja schon da. Also weiter. Von kurz um den Berg herum merke ich überhaupt gar nichts. Hier ist nichts kurz, alles steil, der Asphalt ist extrem scheiße und die Strecke ist lang. Als ich endlich um den Berg rum bin, sehe ich den Zeugwart weit vor mir und er fährt immer noch. Deutlich weiter als 500m ist er entfernt. Dem Hünen klingeln mittlerweile ordentlich die Ohren. Irgendwie tut er mir auch leid und ich muß über mich selbst lachen.

Der Hüne ist jung, dynamisch und kann wahrscheinlich einfach nicht gut schätzen? Ich fahre schon mehr als 1,5km immer nur Berg auf und bin noch lange nicht am Ziel. Netterweise kehrt Petrosilius zurück und begleitet mich ein die letzten steilen Etappen nach oben. Dabei erfahre ich, dass er heute zum ersten Mal hier hoch fährt und kurz danach, als ich über des Hünen vollkommen falsche Angaben motze, erfahre ich, dass sich der Ausblick seiner Meinung nach lohnt. So sind sie die Zauberer… sie wissen einfach, dass ein Ausblick von soweit oben lohnenswert ist, ohne dass sie schon mal da waren.

Er hat recht.

Und der Hüne auch, obwohl er mich kaltblütig angelogen hat.

Mallorca

Wir beschließen diese Radtour mit eine Kaffee in Playa de Muro und schießen dann über die Schilfstrasse mit Rückenwind zurück zu unserer Finca. Der Zeugwart und ich setzen uns von der Gruppe ab und können sogar noch einen ordentlichen Schlußsprint in den heißen Asphalt brennen.

An der Finca angekommen, wird gleich gekoppelt. Das macht der gemeine Triathlet in Vorbereitung auf die Gummibeine, die ihn ansonsten im Wettkampf erwarten, wenn man es nicht gewohnt ist, direkt nach dem radeln zu rennen. Ob ich mich daran jemals gewöhnen werde, weiß ich nicht, aber zumindest versuchen kann ich es ja. Die Hübsche und ich laufen mit dem Zeugwart zusammen, wobei er sich –durchtrainiert wie er ist- von uns absetzt und mehrere Minuten rausläuft. Die Hübsche und ich erzählen die ganze Zeit, obwohl wir mit 6:20min/km und 6:15min/km unterwegs sind. Wir haben aber noch Puste. Ich bin baff.

Ich möchte heute noch einen Schlußsprint üben und frage, ob die Hübsche auch noch mal ordentlich rennen möchte. Möchte sie aber nicht. Aber weil sie nicht nur hübsch, sondern auch eine klasse Motivatorin ist, schickt sie mich weg und ich mache einen 200m Sprint zurück, den ich sogar noch einmal anziehe, als von hinten eine Anfeuerungssalve auf mich niederprasselt. Wahnsinn! Ich laufe mit 4:50min/km in die Toreinfahrt, stoppe die Uhr und bin so zufrieden mit meinem Sprint, dass ich die Hübsche glatt umarmen könnte. Aber, weil wir ja Athleten sind, klatschen wir uns stilsicher ab und finden uns einfach den kompletten Rest vom Tag, auch über das Abendessen hinaus, großartig.

 

Clauditries

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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Über Clauditries

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