Mitfahrgelegenheit 1


Der Trainer hat mir für die Woche eine geballte Ladung Spaß verschrieben. Hoffentlich fordert das Finanzamt keine Vergnügungssteuer ein, wenn das so weitergeht. Beim plötzlichen Sommerantritt geht’s nämlich jetzt trainingstechnisch mal wieder etwas mehr zur Sache. Ob das die Wettkampfnähe ist, oder ist der Trainer vom Sommer beflügelt? Ich soll heute auf jeden Fall ausgiebig Fahrrad fahren. Das ist ja ganz schön, aber mit An- und Abfahrt per Auto über die Straßen des Rhein-Main Gebietes ist an ein ausschweifendes Radtraining nach der Arbeit, oder womöglich davor, nicht zu denken. Ich bin froh, wenn ich außerhalb der üblichen Zeiten fahren kann und nicht ewig in voraussehbaren Staus stehen muß, da setze ich mich dann um 20h nicht noch auf’s Rad. Etwas essen muß ich ja auch noch und ein bischen Leben. Abseits des Pendlerverkehrs.

Arbeitsweg

Also beschließe ich bereits gestern, dass ich heute einfach mit dem Rad zur Arbeit fahre. Das sprengt zwar den vorgegebenen Bewegungsrahmen des Trainers, aber wenn ich die morgendliche Fahrt zur Arbeit mit dem Training verbinde und abends dann locker heimrolle, ohne viel Druck, sollte das doch trotzdem in seinem Sinne sein. Morgens dürften sich die Störer auch in der absoluten Minderheit befinden, das heißt Spaziergänger, die auf dem Radweg rumschlawenzeln, Hunde, Jogger mit Kopfhörern, Touristen und was einem sonst noch so auf der 42km langen Fahrt durch das Rhein-Main Gebiet und die Frankfurter Innenstadt begegnet. All die sind morgens lediglich in ganz stark begrenzter Anzahl auf den Beinen und deshalb kann ich meine Trainingsvorgabe gut umsetzen. So wird es dann heute früh auch gleich gemacht.

Mitfahrgelegenheit

Der Zeugwart hilft mir noch die Rennradreifen auf meinen Crosser zu machen, dann stelle ich den Tacho noch auf Null und während meine Uhr GPS und Brustgurt empfängt bzw. verbindet, starte ich den Livetracker, damit der Zeugwart auch weiß, wo ich gerade so rumfahre. Das ist wirklich ein hochentwickelter Prozess mittlerweile. Einfach auf’s Rad und los war gestern, heute ist GPS finden, Brustgurt verbinden, Start drücken und los. Die Zeiten ändern sich eben. Die Temperatur ist, herrlich sommerlich und die Luft so früh am Tag noch wirklich sehr erfrischend. Kaum bin ich am Main angekommen, biete ich auch gleich schon ordentlich Mitfahrgelegenheiten an, die von den umherfahrenden Radlern auch gerne angenommen werden.

Tempo

Mein Trainingstempo scheint für viele Mainradler exakt das Tempo zu sein, wo man sich ganz gut reinhängen kann. Zumindest hängen sich viele rein und fahren mit. Das ist ja auch irgendwie ein Lob an meine Kondition, wenn man die Lutscherei jetzt mal positiv sehen möchte. Manch einem, den ich mit meiner kleinen Gruppe überhole, sind wir sogar zu schnell. Das ist ja wirklich ein Ding. Während ich also die Mitfahrgelegenheit ganz positiv sehe und ganz im Sinne meines Trainingsplans durch das Rhein-Main-Gebiet radle, wechseln die Mitfahrer hinten immer mal wieder. Wenn sie Anstand – und noch Puste- haben, fahren sie auch kurz vor um mir Tschüss  zu sagen, das sind heute aber nur zwei. Alle anderen verlassen den Zug einfach wieder, wenn wir sie dort hingebracht haben, wo sie hinwollten. Da ich gefühlt die Einzige bin, die einmal quer durch Frankfurt durch muß, bin ich dann irgendwann auch wieder ganz alleine auf weiter Flur. Aber da ist auch schon die Brücke in Sicht und nachdem ich mich an einem großen Traktor vorbeigezwängt habe und einmal mehr über meine Radbeherrschung begeistert bin, ist es auch nur noch ein Katzensprung, am Feld vorbei, bis ins Büro.

Claudi gives it a TRI - Sommerfeld

Feierabend

Heute fühle ich mich den ganzen Tag großartig, was garantiert mit der Radlerei vom Morgen zu tun hat. Wenn man nicht im Stau stehen muß, sondern relativ freie Fahrt hat, dann ist das schon ein großes Stück Lebensqualität. Hätte ich gar nicht so gedacht, denn so macht mir das rumstehen oder das langsame Autobahnschleichen nicht viel aus, aber so frisch wie heute, bin ich trotzdem selten. Als der Feierabend da ist, habe ich also ein grandioses Stück Arbeit abgeleistet. Ich habe zwar nicht doppelt so viel geschafft, wie sonst, aber ganz sicher bemerkenswert viel mehr trotzdem. Auf jeden Fall bin ich hochzufrieden. Jetzt habe ich mir für die Heimfahrt noch fest vorgenommen, dass ich langsam und bedächtig fahre, mich durch andere Sonnenhungrige nicht auf die Palme bringen lasse und umsichtig unterwegs bin. Das wird mich ungefähr 20 Minuten Fahrzeit kosten, denke ich. Und plane es aber auch genauso ein.

Main

In Frankfurt ist während der Sommerferiene ein Kinderfest am Main, so dass ich, kaum dass ich mit meinen Mitfahrern (die die Gelegenheit wieder dankbar nutzten) an der Uniklinik angekommen bin, einfach oben an der Strasse bleibe und nicht runter zum Main fahre.  Am Mainufer direkt ist es auch wirklich proppevoll. Spaziergänger, Kinder, Hunde und natürlich Radfahrer fordern alle ihr Recht und wollen die warmen Abendstunden nutzen um draußen zu sein. Das ist allerdings für keinen Spaß. Zumindest sieht es von meiner Position her nicht danach aus. Ständig von einem rasanten Radfahrer überholt zu werden ist für Spaziergänger blöd. Kinder müssen an der Hand gehalten werden und können nicht frei stromern gehen, weil sie sonst entweder einem Radler oder einem Hund in die Quere laufen und der Radfahrer selbst ist auch voll genervt, weil ihm ständig jemand vor die Nase läuft, weil andere langsam fahren und weil viele ihre Hunde einfach nicht im Griff haben. „Der tut schon nichts“ höre ich nur am Main bereits 4 mal und das nur deshalb, weil es laut genug gerufen wird um mich hier oben auf dem Radweg noch zu erreichen. Alles soweit ganz schön, solange nichts passiert.

Radweg

Hier oben auf dem Radweg an der Strasse hat man eher mit Rangkämpfen zu tun. Es gibt ja Radfahrer, die hängen sich gerne in den Windschatten und es ist auch nicht schlimm, wenn es eben mal langsamer voran geht. Die müssen sich dann nicht noch dringend durchquälen um doch wieder als erstes an der nächsten roten Ampel zu stehen, die fahren einfach entspannt. Ich zähle mich zu dieser Gruppe. Bemerkenswert ist, dass ich ständig von Radfahrern überholt werde, die eben nicht zu dieser Gruppe zählen. Die haben es verdammt eilig, überholen ständig, auch wenn Gegenverkehr kommt. Machen relativ gefährliche Manöver, Vollbremsungen an der roten Ampel um bei grün dann wieder volle Kanne loszuschießen, damit sie an der nächsten Brücke wieder die ersten an der roten Ampel sind. Wahrscheinlich wollen die in einer bestimmten Pulsvorgabe rumfahren? Mit gesundem Menschenverstand oder Rücksicht auf andere, kann ich mir so eine Fahrweise nämlich nicht erklären. Wenigstens werden so die Fahrradklingeln ausdauernd und zahlreich benutzt. Ist ja auch mal ganz schön, wenn man sein Zeug auch verwenden kann.

Zu Hause auf unserer Haustreppe sitzt der Zeugwart und erwartet mich mit einer Flasche Wasser. Grandios, wofür der Livetracker so alles gut ist. Ich bin mit meiner neuen Uhr wirklich überaus zufrieden. In Anbetracht der sommerlichen Wärme, freueu ich mich auch über das Wasser und darüber, dass ich den Krieg der Erholungssuchenden heil überstanden habe. Und ich bin weiter stolz auf die zahlreichen Mitfahrer.

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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Ein Gedanke zu “Mitfahrgelegenheit

  • Helge Orlt

    Liebe Claudi,
    Na du hast aber einen Spaß auf der Fahrt zur Arbeit :-)
    Und andere dürfen auch daran teil haben. Sehr lieb von dir, Windschatten zu spenden.
    Wenn man morgens schon mal aktiv ist, dann hält das tatsächlich meist den ganzen Tag an. Man fühlt sich wie aufgeladen.
    Liebe Grüße
    Helge

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