Jetzt mit Ausweis! 4


Tägliches Training, regelmäßig überwacht durch den Aktiven in den Physiotherapie „Stunden“ und trotzdem gibt es manchmal einfach das Gefühl, dass alles nichts bringt und dass es einfach nicht schnell genug ist. Dabei legt ja nur der Kopf das Level für schnell und langsam fest… und zwar mein Kopf. Kein anderer. Der Anspruch an den Körper ist einfach da. Warum weiß ich natürlich nicht… obwohl der Anspruch  ja in meinem Kopf drin steckt, aber warum? Könnte vielleicht daran liegen, dass viele Leute sich wundern, dass ich immer noch nicht wieder fit bin. Dass sie selbst verrückt werden würden, weil die Erholung so lange dauert und dass ich mich manchmal sogar verteidigen muß, weil ich eben jetzt noch keine Meldung für einen 70.3 im kommenden Jahr oder einen Frühjahrs Halbmarathon machen kann.

Was auch immer die Zukunft bringt

Ich weiß einfach noch nicht, was im kommenden Jahr möglich sein wird, weil mein Körper keine Maschine ist und so hoffe ich einfach, dass ich irgendwann aufhören kann, mich ständig für das Kranksein verteidigen zu müssen. Heute fährt mich der Zeugwart noch mal ins Krankenhaus, er kennt den Weg natürlich perfekt, nachdem er hier zwei Wochen lang täglich hingefahren ist. Ich dagegen wäre auf der Autobahn erst mal falsch abgebogen. Gut, dass ich noch nicht am Steuer sitzen darf! An der BGU sind alle Parkplätze belegt. Ich schlage -in einem Augenblick geistiger Umnachtung- vor, dass ich alleine reingehe. Heute geht es nur darum einen Ausweis abzuholen und das kann ich alleine, denke ich zumindest.

Wegweiser

Allerdings wird mir spontan klar, als der Zeugwart mich aus dem Auto aussteigen läßt und wieder wegfährt, dass ich ausschließlich den Weg durch die Notaufnahme, den Schockraum, den Aufwachraum, die Intensivstation und dann auf die Station kenne. Das dürfte heute nicht die richtige Vorgehensweise sein! Generell würde ich ungern jemals wieder auf diesem Weg einrücken müssen. Allerdings gilt es nun natürlich direkt vom Empfang auf die Station zu kommen, ohne diese Umwege… das habe ich noch nie gemacht. Aber die BGU ist ganz gut beschildert und so rücke ich flott vor und stehe kurze Zeit danach am Aufzug. Und zwar dem Aufzug, den ich von meinen Besuchen beim Röntgen kenne. Hier auf der Erdgeschossetage ist auch die Abteilung für bildgebende Diagnostik.

Ich fahre auf die Station, auf der ich zwei Wochen gelegen habe und werde großartig empfangen. Alle Schwestern können sich an mich erinnern! Und dabei ist mein Aufenthalt schon einige Wochen her. Alle freuen sich mich zu sehen und ich bekomme zahlreiche Komplimente, wie gut ich aussehen würde. Hier ist man tatsächlich eine noch unfittere Claudi gewöhnt. Verrückt. Die Schwester händigt mir meinen Implantatsausweis aus,

Claudi gives it a TRI - Pass

und dann erfahre ich, dass meine Zimmernachbarin erneut mit Anwesenheit glänzt. Sie wurde zwei Tage nach meiner Entlassung operiert und hat ein Hüftimplantat ausgetauscht bekommen. Wir hatten nach ihrer Operation kurz telefoniert und dann sollte sie in die Reha. Nach einer Odyssee, die sie mir kurz anreisst, ist sie jetzt mit einem dritten Hüftimplantat ausgestattet und darf bald erneut auf eine Entlassung hoffen. Dann allerdings möchte sie mal wieder heim und nicht schon wieder in eine Reha. Das kann ich gut verstehen, auch wenn man zu Hause tatsächlich oftmals vor Probleme gestellt wird, die unlösbar erscheinen.

Als ich unten wieder aus der Klinik rausgehe, bin ich eine der Gesündesten. Ich erinnere mich, als der Zeugwart mich abgeholt hat und alles ganz schrecklich langsam ging. Heute bin ich dagegen regelrecht zügig unterwegs. Und ich kann mich alleine anschnallen! Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen… aber es ernährt sich. Einfach prima!

Clauditries

Clauditries

Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

Meine Kontaktdaten findet Ihr im Impressum!
Clauditries

Letzte Artikel von Clauditries (Alle anzeigen)


Über Clauditries

Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind. Meine Kontaktdaten findet Ihr im Impressum!

4 Gedanken zu “Jetzt mit Ausweis!

  • Karina

    Boah,
    ich bekomme gerade einen dicken Hals! Das gibt es ja wohl nicht, dass du dich verteidigen musst, noch keine Wettkampfpläne für´s nächste Jahr zu haben. Geht´s noch? Ich bin gerade richtig sauer. Tritt denen mal kräftig vor´s Schienenbein. Besser, ignoriere sie so gut es geht. Sie sind es nicht wert, sich groß Gedanken darüber zu machen. Oder sag das nächste Mal: „Wieso Halbdistanzen, ich plane die volle Distanz!“ Grrrrr…..
    Umso schöner, dass die die Stationsschwestern dich so lieb in Erinnerung haben.
    Liebe Grüße
    Karina

  • Helge Orlt

    Liebe Claudi,
    unglaublich. Da wundern sich Leute weil du noch keine sporlichen Pläne für das nächste Jahr aufgestellt hast. Ich glaube nicht, das du dich rechfertigen musst.
    Du solltest die Leute einfach auslachen.
    Mach dir kein Stress :-)
    Freue dich über jeden kleinen Schritt den du machst und ignorier die anderen.
    Liebe Grüße
    Helge

    • Clauditries Autor des Beitrags

      Hallo Helge!
      Ich fühle mich im Moment sportlicher denn je, weil ich selten zuvor so viele Fortschritte in kurzer Zeit gemacht habe. Wobei sich im Schlaf schmerzfrei umdrehen, ohne aufzuwachen, nicht wirklich sportlich ist, dafür aber ein großer Fortschritt. Man muß die Leute einfach reden lassen, in Sportlerkreisen haben ja viele zu Themen eine Meinung, auch wenn sie nicht ganz den Durchblick haben.
      LG
      Claudi

Kommentare sind geschlossen.