Vulkan ganz nah


Gestern sind wir bei schlechtem Wetter vom Mt. Rainier Nationalpark zum Mt. St. Helens gefahren. Der Wetterplan, ähnlich wie der gesamte Reiseplan, den Daniel von amerika-ich.com ausgearbeitet hat, ist einfach klasse. Bei einem Transfertag schlechtes Wetter zu haben, ist so viel besser, als bei strahlendem Sonnenschein im Auto zu sitzen und dann bei der Wanderung Regen zu haben. Wir machen es eben genau andersrum. Gestern also schlechtes Wetter, Regen, Nebel und Kälte. Heute dafür Sonnenschein und in der Höhe klare Sicht. Obwohl das bislang, wenn ich so rausschaue, ausschließlich ein frommer Wunsch ist. Draußen ist es diesig. Der Regen von gestern und der, der über Nacht gefallen ist, hängt noch in der Luft.

Nebelluft

Weil wir heute in die Höhe laufen, ziehe ich mich etwas wärmer an, als die Tage zuvor und dann kann es auch schon losgehen. Das Frühstück im Hotel ist ganz gut und obwohl es ziemlich ausgebucht ist, finden wir noch einen Platz. Die Fahrt zum Mt. St. Helens findet leicht vernebelt statt und wir halten an ein paar Aussichtspunkten, in der Hoffnung, den Krater durch die Wolken zu sehen. Dabei bin ich gar nicht sicher, ob ich immer in die richtige Richtung schauen… immerhin kann hinter Wolken überall ein Krater oder eben auch keiner sein.

Mount St. Helens

Tatsächlich ziehen die Wolken aber ganz ordentlich, obwohl es im Tal fast windstill ist. Die Chancen, dass wir den Krater heute noch zu Gesicht bekommen, stehen gut. Nachdem wir die Aussichtsplattform und einen kurzen Rundweg, der etwas genauer beschreibt was passiert ist und wie die Landschaft, auf die man von hier aus in Richtung Krater schaut, entstanden ist. Tiefe Furchen, die Lavaströme und Schlammlawinen in den Boden gegraben haben und felsige Pickel, die wie Pusteln aus dem Boden hochragen. Dazu „frische“ Vegetation und verkohlte Baumstämme und ein Feld, das aussieht, als würden hier Riesen Mikado spielen, weil alle Bäume kreuz und quer rumliegen.

Gipfelkraxeln

Die Hammocks, bzw. die felsigen Pickel, sind die ursprüngliche Spitze des Mt. St. Helens, ehe der Gipfel explodiert ist und als 400m kleinerer Krater endete, den wir uns heute von weitem ansehen. Der Krater ist natürlich für die Touristen gesperrt, denn der Mt. St. Helens ist weiterhin aktiv und blubbert ab und an. Wir wandern heute auf dem ehemaligen Gipfel, also durch die Hammochs. Von hier aus hat man einen ziemlich guten Blick auf den Krater, den die Wolken tatsächlich immer mal wieder frei geben. Zusätzlich sieht man, wenn man weiter ins Tal blickt, auch die Furchen der Lava- und Schlammströme, die richtige Gräben hinterlassen haben, durch die jetzt das Wasser fließen kann.

Alles neu

Wir laufen durch eine vor 36 Jahren vollkommen neu entstandene Landschaft. Vor dem Ausbruch war hier nichts so, wie wir es jetzt sehen. Zahlreiche kleine Seen, Kanäle und Bäche mit allerlei Getier und dschungelartiger Pflanzenwelt sind entstanden, wo vorher Wald war. Jetzt ist alles anders. Die Ausblicke sind der Wahnsinn, vor allem, wenn man bedenkt, dass wir mitten in der komplett zerstörten Zone stehen und was die Natur an Erholung schon alles geschafft hat.

Irgendwie ähnlich, wie das, was mein Körper nach den Unfällen so schafft. Vieles kaputt und trotzdem gibt es immer wieder Heilung, einen Weg drumrum oder vollständige Erholung. Es dauert zwar, aber dass etwas dauerhaft zerstört bleibt ohne es reparieren zu können, ist mir glücklicherweise noch nicht passiert. Darüber bin ich auch unendlich froh. Obwohl man ganz klar sagen kann, sobald das passieren würde, würde man auch mit der Situation klar kommen… weil auch das schon ganz andere geschafft haben. Bis dahin bin ich froh, dass z.B. mein Knie, das seit Ende Juli ja einen totale Schonung erlebt, im Moment deshalb auch gar nicht mehr dick wird und auch mehr Gefühl hat, als vor meinem Unfall. Obwohl der Unfall am 24. Juli also schrecklich genug war, für mein Knie scheint die extra Erholung nicht so schlecht zu sein. So hat alles seine zwei Seiten.

Hammocks – Vulkan – Gipfel

Unsere Wanderung über den ursprünglichen Gipfel ist total abwechslungsreich und bei Kühle mit Sonnenschein auch wohltemperiert. Der Nebel hat sich vollkommen gelichtet und die Sonne scheint ordentlich. Eben genau, wie man es sich für einen Urlaubstag am Vulkan wünscht. Perfekt eben.

Meine Lunge macht in den Hammochs auch wunderbar mit, obwohl ich nach diesen knappen 6km Wanderung total geschafft bin und im Auto sofort einschlafe. Meine Kondition ist einfach schlecht.

Clauditries

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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Über Clauditries

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