Olympic – Wildnis am Pazifik


Unsere Wetterplanung ist wirklich der Knaller. Gestern, an unserem Transfertag, hatten wir immer mal wieder Regen, Wind und ungemütliches Wetter und heute scheint wieder die Sonne. Damit der Zeugwart nicht die Strecke vom Mt. St. Helens zum Olympic Nationalpark am Stück fahren muß, haben wir in Cenntenial, direkt an der Strecke einen ausgiebigen Shoppingstopp eingelegt. Hier gibt es einige Outlet Clearance Geschäfte, die auf den Outletpreis nochmals zahlreiche Rabatte gewähren und selbstverständlich konnten wir in unserer -dem Amerikaner vollkommen fremde- Kleidergröße einige Schnäppchen ergattern. Ausschließlich wegen der Preisgestaltung dieser Clearance Läden und leider weiterhin nicht wegen des miesen USD Kurses. Unser Hotel liegt am Highway, das Frühstück ist typisch amerikanisch und wir sind in nur 10 Minuten am Besucherzentrum des Olympic Nationalparks.

Der Name ist Programm

Der Hauptzugang zum Park von Port Angeles, unserer Übernachtungsstadt, ist „Hurricane Ridge“ und so ist klar, dass wir auch genau diesen Wanderweg erlaufen wollen. Der Name des Grades kommt von den starken Winden, die hier die Natur massgeblich mit gestalten. Am Parkplatz ist schon eine Menge los, als wir ankommen und während ich in meine Wanderstiefel schlüpfe, läuft hinter mir auch der erste neugierige Waldbewohner vorbei. Der große Hirsch stolziert seelenruhig hinter mir entlang und verschwindet im Dickicht. Das kann eine interessante Wanderung werden, vielleicht haben wir Glück und sehen noch mehr wilde Tiere?

Am Beginn der Wanderung gibt es eine Informationstafel, auf der vor den Bergziegen gewarnt wird und eine Besucherin klärt uns auf, dass tatsächlich im letzten Jahr ein Tourist von einer Bergziege getötet wurde, weil er ihr zu nah gekommen ist. Erfreulicherweise stünde aber derzeit kein Warnschild für die Berglöwen hier, wir bräuchten also keine Bedenken zu haben. Ach was. Vollkommen losgelöst von allen Bedenken stolzieren der Zeugwart und ich also los. Es geht immer nur Bergauf. Lustigerweise ist der Weg asphaltiert, weil er für Rollstuhlfahrer geeignet sein soll. Wir überlegen uns allerdings, welcher Rollstuhlfahrer wohl so fit sein könnte, dass er oder sie tatsächlich hier lang rollen würde. Das können wir uns nicht so recht vorstellen. Die Aussicht ist einfach fantastisch. Die Wolken schweben im Tal und wir schauen uns die Berggipfel des Olympic Nationalparks drüber weg an. Wirklich fantastisch, wie weit man schauen kann.

So viel Aussicht

Ich brauche weniger Aufstiegspausen, als noch am Mount Rainier und kann gut tief und frei atmen. Manchmal mache ich sowieso eine Pause, weil ich die Aussicht genießen möchte, und schnaufe so noch einmal mehr durch, aber brauchen, weil ich kurzatmig wäre, tue ich es nicht. Ich bin jetzt in dem Alter, wo man mal die Aussicht genießt oder mit dem Fernglas die Berghänge absucht, weil ein Murmeltier oder eine Ziege auftauchen könnten. Und tatsächlich werden wir öfter fündig, was die Tiere angeht. Wir begegnen Rehen, Murmeltieren und Streifenhörnchen und können außerdem ein paar Adler beobachten. Oben auf dem Bergkamm angekommen, können wir über die Strasse von St. Juan bis nach Vancouver Island schauen, wo wir morgen sein werden.

Auf unserem Rückweg laufen wir teilweise richtig durch die Wolken hindurch. Alle, die uns jetzt entgegen kommen, haben keine Sicht mehr. Sie laufen im Nebel und können weder die Murmeltiere, die nur unweit entfernt am Hang sitzen und rummurmeln, noch die Berggipfel sehen. Wir hatten für diese Tour wirklich ein wunderbares Timing!

Hunger!

Zurück am Auto beschließen wir, dass wir am nächsten Parkplatz ein kurzes Picknick einlegen und tatsächlich bietet sich das nicht nur wegen unseres Hungers, sondern auch wegen der Einsamkeit perfekt an. Außerdem stehen hier am Parkplatz noch zahlreiche Rehe, die uns einfach nicht beachten, aber schön anzusehen sind. Der Olympic  Nationalpark bietet uns heute wirklich ordentlich Einblick in seine Tiervielfalt. Auf dem Weg zurück zur Küste halten wir noch mal an, genießen die Aussicht auf Port Angeles und schauen uns die Fähre von oben an.

Den restlichen Tag verbringen wir am Pazifik und finden wunderschöne, einsame Buchten, vorgelagerte Inseln und tolle Ausblicke. Die Sonne ist raus gekommen und wir haben mal wieder wirklich Glück mit unserer Planung. Gerade rechtzeitig als die Flut reindrückt sitzen wir mit trockenen Füssen auf ein paar Steinen und schauen ein paar Kajakfahrern zu. Wenn ich hier wohnen würde, hätte ich bestimmt auch ein Kajak und würde mein Alternativtraining auf dem Meer verbringen! Vielleicht muss ich irgendwann auswandern? Es gibt wirklich ganz hübsche Fleckchen Erde… wenn man die politischen Themen mal außen vor läßt.

Auf dem Weg zurück ins Hotel finden wir noch einen tollen Campingplatz und entdecken hier ein paar schöne Zugänge zum Meer. Man kann hier ganz toll rumsitzen und einfach nur hinsehen. Wirklich hübsch. Ehe wir ins Hotel fahren, gibt es noch ein italienisches Abendessen beim ältesten Familienbetrieb der Stadt und schon ist der Tag zu Ende.

Clauditries

Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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