Kleine Schrauben drehen 3


Obwohl der Wetterbericht für heute vernichtenden Eisregen und schreckliche Straßenverhältnisse angekündigt hat, ist alles trocken als ich heute früh erneut zum Schwimmbad fahre. Es ist außerdem kaum jemand anderes auf der Straße unterwegs, so dass ich in Windeseile vor Ort bin und mich in aller Ruhe umziehen und warmschwimmen kann. Heute treffe ich mich erneut mit dem SchwimmGuru zum Training. Im Becken ist kaum Betrieb. Der Mittwoch, im Gegensatz zum Donnerstag, ist anscheinend ein denkbar sportlicher Tag im Rhein-Main Gebiet? Oder es ist tagesformabhängig? Weiß man nicht und es ist schlußendlich auch egal, ich freue mich einfach, dass es so ist.

Ich schwimme mich ordentlich ein, mache ein paar meiner mittlerweile sehr vertrauten Technikübungen und freue mich, dass heute genug Platz für jeden ist. Die Brustschwimmer müssen keinen übertriebenen Beinschlag machen, damit sie angefeuchtete Haare rächen oder den durch das Kraulschwimmen verursachten Wellengang, sie schwimmen einfach ruhig und vollkommen gelassen durchs Becken. Klar gibt es bestimmt mal einen Spritzer, aber die Stimmung ist heute trotzdem ganz anders, als gestern. Zu viele Schwimmer auf zu wenig Beckenplatz ist einfach nicht ganz so gut.

Pünktlich wie immer treffen der SchwimmGuru und ich uns im Wasser und er fragt die aktuellen Themen ab. Ich habe erfreulicherweise keine Schmerzen oder Einschränkungen, so dass wir loslegen können, ohne groß auf etwas zu achten. Heute machen wir eine Technikübungswiederholung. Wir gehen also die Technikübungen, die normalerweise so auf meinen Trainingsplänen stehen durch, und der SchwimmGuru kontrolliert, ob ich die auch so durchführe, wie er sich das vorstellt. Tatsächlich weiß ich mittlerweile bei jeder Übung was gemeint ist und habe sie im Training schon öfter gemacht. Der SchwimmGuru findet keine großen Fehler, aber verstellt ein paar kleine Schrauben, damit die Übung wieder etwas fordernder und effektiver wird.

Manchmal ist es nur ein kleiner Winkel oder eine geringfügig andere Haltung und schon benutze ich einen anderen Muskel und der ist vollkommen überrascht. Ich führe die Technikübungen tatsächlich so aus, wie es sich der SchwimmGuru vorstellt. Anscheinend harmonieren wir im Schüler – Trainer- Zusammenspiel ziemlich gut? Zumindest kann ich gut umsetzen, was er mir sagt bzw. dann aufschreibt. Die meiste Zeit trainiere ich ja alleine, auf mich gestellt, da kann er nichts überwachen. Aber er sieht das Ergebnis und damit ist er zufrieden.

Ich ja sowieso. Ich bin seit dem gemeinsamen Trainingsstart signifikant schneller geworden. Ich komme nicht nur wesentlich besser voran, ich bin auch längst nicht mehr so geschafft wie früher. Außer natürlich, wenn ich einen Trainingsplan vom SchwimmGuru durchschwimme. Die sind immer anstrengend. Aber Wellness habe ich ja bei ihm auch nicht gebucht. Ich weiß das ja.

Erfreulicherweise darf ich meine Insektenschwimmkünste auch noch mal vorführen und ich sehe dem SchwimmGuru an, dass er mein Schmetterling nicht schlecht findet. Ich bekomme sogar ein Lob, dass ich stolz darauf sein kann. Ich freue mich. Gut Schmetterling schwimmen zu können, bringt mich im Leben null weiter, aber ich finde es trotzdem großartig. Ich wollte das schon so lange können. Gigantisch, dass ich es jetzt einfach mit erlernen konnte.

Nachdem wir an den Technikübungen etwas gedreht haben und ich ein paar Verbesserungen verinnerlicht habe, geht es weiter im generellen Programm. Zukünftig werden wir nämlich auch im Bereich Strecke arbeiten. Ein Triathlet muß zwar sinnvollerweise gut schwimmen können, um nicht komplett müde und langsam in seiner ersten Disziplin zu sein, aber die Technik ist eben nicht alles. Es handelt sich ja beim Triathlon um einen Ausdauersport. Ich muß also auch Strecke abschwimmen können.

Laut dem SchwimmGuru gibt es deshalb in Zukunft immer kürzere Technikteile und immer längere Hauptteile, in denen ich Strecken schwimme. Hier kommt es dann darauf an, dass ich mich im Plan an bestimmte Abgangszeiten halte. Na da bin ich ja mal gespannt. Die Theorie lautet, je länger die Abgangszeit ist, desto schneller muß ich schwimmen, denn eine lange Abgangszeit heißt, längere Pause. Wenn die Abgangszeit kurz ist, dann schwimme ich GA1, und damit langsamer, damit ich eine kürzere Pause habe, die mir ja bei GA1 auch vollkommen ausreicht. Habe ich verstanden.

Ich schwimme noch einen 100m Test, damit der SchwimmGuru weiß, welche Zeiten er mir sinnvollerweise für den Abgang vom Beckenrand so aufschreiben kann und ich ernte ein weiteres Lob. Ich seit ziemlich flott unterwegs sagt er. Ha! Das ist doch wirklich cool. Natürlich weiß ich, dass er den Vergleich zu mir am Anfang unserer gemeinsamen Zeit meint und dass ich mich nicht für Olympia anmelden kann, aber ich weiß auch, dass ich mich deutlich verbessert habe. Wieder einmal freue ich mich über meine Entscheidung mir einen Schwimmtrainer zu suchen und es nicht weiter mit Trainingsplänen aus Zeitungen, mit YouTube Videos oder mit Büchern probieren zu wollen.

Gut gemacht.

Clauditries

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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Über Clauditries

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3 Gedanken zu “Kleine Schrauben drehen

  • Helge Orlt

    Liebe Claudi,
    „Natürlich weiß ich, dass er den Vergleich zu mir am Anfang unserer gemeinsamen Zeit meint und dass ich mich nicht für Olympia anmelden kann“ … wie cool :-))))
    Aber wer weiß. mach einfach weiter so, warten wir mal, vielleicht wird es doch noch was mit Olympia :-)
    Liebe Grüße
    Helge

    • Clauditries Autor des Beitrags

      Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zu Letzt, Helge. ;-) Wenn es was wird, mit Olympia, sage ich natürlich Bescheid. Dann wirst Du doch bestimmt vor dem Fernseher sitzen, oder?
      Viele Grüße

Kommentare sind geschlossen.