Immer was zu sagen


Nachdem ich das Frühstück mit dem Abenteurer noch sehr genossen habe, fährt unsere Gruppe geordnet und um ein paar Streitkräfte ergänzt, in Richtung Muro zum schwimmen. Heute soll es mal regnen und da es außerdem bewölkt ist, wollen wir nichts riskieren. Da Muro aber praktisch fast direkt um die Ecke ist, fahren wir eine Schleife über das Meer. Vom Meer kann man per se eh nie genug bekommen.

Die beiden Rennradneulinge fahren vor mir her und ich versuche mich mit Tipps weitestgehend zurück zu halten, als wir über Sa Pobla in Richtung Schilfstrasse fahren. Allerdings frage ich mich dabei dann immer, ob es gut ist, sich zurück zu halten. Manchmal braucht es nicht die eigene Erfahrung zu sein, die man macht, manchmal kann man von anderen doch auch ganz gut lernen. Ich will aber auch nicht als Altklug dastehen, oder als jemand, der zu allem was zu sagen hat. Also wähle ich genau aus, welchen Ratschlag ich wann platziere.

Ich finde die Schilfstrasse heute sehr autoreich, zusätzlich kommen uns Massen an Fahrradfahrern entgegen. 50 und mehr Radler in einer Gruppe sind einfach eine Qual für Autofahrer. Kein Wunder, dass die dann unleidlich oder gestresst reagieren. Und bei Stress passieren Fehler. Zumindest leichter, als ohne Stress. An manchen Stellen ist die Schilfstrasse auch nicht unbedingt breit, so dass auch entgegenkommende Fahrzeuge Angst machen können, wenn sie an zweier Reihen vorbei fahren möchten und dabei unsere Fahrspur wirklich eng machen.

Und als ich mit dem Rennradfahrer begonnen habe und bei unserem ersten Tricamp in der Finca, da hatte ich viele Tipps, Ratschläge und Hilfestellungen. Und irgendwie fand ich das gut. Ich habe das nicht als reinreden empfunden, sondern als Fürsorge. So will ich auch sein. Also gebe ich meinen beiden Vorradlerinnen ab und an mal einen Tipp. Die Mädels sind ziemlich gut trainiert und können deshalb prima auch auf Lücke fahren. Der Schilfstrassenzug wird einige Kilometer vom Zeugwart angeführt, der auch ganz wunderbar im Zeichen geben ist und ein gutes Gruppentempo anschlägt. Und die, die aus der Reihe tanzen wollen, würden das auch machen, wenn es mehr oder weniger Zeichen gäbe.

Daran kann man nichts ändern. Manchmal ist das einfach so. Am Ende der Schilfstrasse biegen wir im Kreisel rechts ab und sind mit einem Augenzwinkern in Playa de Muro. Natürlich am Assos Outlet und bei Specialized. Obwohl wir nachweislich praktisch alles haben und überhaupt nichts brauchen.

Assos

Das ist aber egal, denn gucken kann man immer und außerdem haben wir auch noch ein bisschen Zeitpuffer, bis wir beim Schwimmen sein sollen. Lustigerweise steht mein Canyon im Assos Shop, nur in rosa, weil es das Wettkampfrad von Nairoo Quintana ist und zur Zeit hier ausgestellt wird. Das wäre auch cool, wenn ich mit meinem Canyon auf Mallorca wäre. Aber daheim wird’s mir dann wieder wir auf Wolken vorkommen, wenn ich dann wieder elektronisch schalte.

Nachdem allen Shoppingwünschen gefrönt wurde, fahren wir weiter in Richtung Muro und finden einen wirklich sehr hübschen Zugang zum Ort, an den ich mich nicht erinnern kann. Hier fährt man ganz malerisch auf einen Felsen zu und die Strasse schlängelt sich so zwischendurch. Obendrüber ist ein Haus gebaut, wirklich sehr hübsch. Ich bin natürlich wieder die Letzte an diesem Anstieg und ich bin mir sicher, dass die anderen aus meiner pfeilschnellen Cappuccinogruppe diesen Anblick überhaupt gar nicht mitbekommen haben. Da könnte ich drauf wetten. Tue ich aber nicht. Ich erzähle dann aber davon, natürlich. Und tatsächlich, hat man in der Masse nur den Felsvorsprung gemerkt, nicht aber die malerische Umbauung.

Finca

Am Schwimmbad stürzen sich die Sportlerkollegen gesammelt in die Fluten, während ich ein Päuschen einlege. Der SchwimmGuru hat mir das Schwimmen top beigebracht, so dass ich nicht unbedingt ein Trainerstündchen einlegen muß. Zusätzlich bin ich gut geschafft und muß ja auch noch heim fahren, so dass ich lieber auf das Schwimmen verzichte, als später vor Erschöpfung vom Rad zu fallen. Man muß irgendwie Prioritäten setzen, das ist auch mit den Ärzten so abgesprochen, und so wähle ich heute also ganz klar das Rad fahren aus. Noch während die Athleten drinnen von der Chefin in die Geheimnisse des schneller Schwimmens eingewiesen werden, beginnt hier draußen bei den Rädern ein Unwetter. Und zwar ein ordentliches. Kurzzeitig haben alle Räder einen Wasserstand von mehreren Zentimetern und dann bekommen sie auch noch eine kleine Hagelportion ab.

Und dann, als wäre nichts gewesen, hört es auch praktisch wieder auf, mit dem Regen. Wahrscheinlich wusste der Wettergott nicht, dass ich nicht fit genug zum schwimmen bin und hat deshalb dieses Unwetter eingeschoben. Denn im Wasser hätte ich es ja nicht bemerkt. Da es doch etwas abgekühlt hat, fahren wir nach dem Schwimmen dann mit vereinzelten Tropfen von oben, mit den Regenjacken angezogen weiter. Die will man schließlich nicht ganz umsonst auf die Insel mitgenommen haben. Immerhin fahre ich eine neue, ganz leichte, die wir erst kürzlich in Koblenz gekauft haben. Sie fühlt sich großartig an, muß aber leider, als der Himmel aufreißt und die Sonne sich wieder von ihrer besten Seite zeigt, wieder in die Trikottasche. Wir machen einen Fotostop direkt vor dem Gebirge und rollen dann relativ ruhig in Richtung Finca.

Mallorca

Da wir beschlossen haben, dass wir auf dem Marktplatz an der Kirche noch einen Kaffee trinken, ehe wir heim fahren, und der, wie immer auf Mallorca, oben auf einem Hügel liegt, ruft die Chefin kurz vor dem Anstieg einen Bergsprint aus. Und natürlich finden sich in der Gruppe genügend Teilnehmer, so dass es ein vielversprechender Bergsprint zu werden scheint. Lovis und ich halten uns zurück. Sie hängt mich am Berg dann zwar ebenfalls locker ab, aber wirklich sprinten tut sie auch nicht. Um mich abzuhängen muß sie das auch nicht. Ich bin wirklich sehr zufrieden, dass ich mit gleichmäßigem Treten und im kleinen Gang eine gleichmäßige Atmung sicher stellen kann und nicht total geschafft oben ankomme. Der Sugardaddy hat alle abgehängt. Aber wieder zurück gekommen um mich abzuholen ist er nicht.

Da er in diesem Jahr nach Hawaii möchte, muß da also noch ein bisschen Training drauf gepackt werden! Wie ich später erfahre, lag er vollkommen erschöpft am Brunnen des Marktplatzes auf dem Boden. Aber wir haben ja auch noch etwas Zeit bis zum Qualifikationsrennen. Erfreulicherweise. Im Café auf dem Markplatz genießen wir das wieder hergestellte gute Wetter und freuen uns, dass wir diesen guten Einfall hatten. Den mit dem Café, den mit dem Finca Urlaub und natürlich auch den, mit dem Triathlon und dem guten Wetter.

Kirche

Clauditries

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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Über Clauditries

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