Der Zeugwart kann Dich sehen


Nachdem wir mit unserer Sternenfamilie, bei denen einfach alles auf den ersten Blick gepasst hat einen wunderschönen Samstag inklusive Grillabend, Fahrradworkshop und Wettkampfvorbereitung hatten, stehen wir heute mal wieder sportlich früh auf und fahren zu einem Wettkampf. In Dieburg findet heute der 10 Freunde Triathlon statt, bei dem sich die Sternenfamilie und noch ein paar weitere Tricamp Rookies angemeldet haben. Dieburg liegt, wie alles im Rhein-Main-Gebiet, rund 30 Minuten von uns entfernt und so ist es glasklar, dass wir zum anfeuern vor Ort sein werden. Ich habe außerdem unsere große Kamera vorbereitet und will ein paar Fotos machen.

Gerade weil ein paar der heutigen Starter in Dieburg ihren allerersten Triathlon absolvieren werden, ist es umso schöner, dort dabei zu sein. Wir können unser alte Hasen Wissen dabei sicherlich anbringen, ein paar gute Worte mit auf den Weg geben, lautstark anfeuern und den Triathlon Zirkus gleich richtig zeigen. Und vielleicht bringt es den Rookies auch allgemein etwas, wenn ein paar im gleichen Trikot an der Strecke stehen? Freunde, denen es egal ist, wie schnell oder langsam man unterwegs ist, sondern bei denen der Spaß im Vordergrund steht.

Als wir in Dieburg ankommen sind wir begeistert vom Parkplatzangebot, wenn man nicht lange suchen muß, ist das wirklich schon mal die halbe Miete, und marschieren dann schnurstracks in Richtung Wechselzone. Die 10 Freunde Mannschaft aus Tricamp Rookies und Freunden richten sich gerade häuslich ein, da kommt der Fremdvereinsfan um die Ecke und teilt mit, er würde heute ebenfalls in einer leider geilen Truppe am Start sein. Er habe allerdings auf wenig Bekannte gehofft und wollte unauffällig im Hintergrund teilnehmen. Ahja. Ihm und auch mir ist schlagartig klar, dass dieser Plan ganz sicher nicht aufgehen wird. Wenn wir einen Athleten kennen, dann wird der auch auf Teufel komm raus lautstark angefeuert. Aber wirklich böse darum scheint er nicht zu sein.

Nachdem die Wechselzone ordnungsgemäß eingerichtet wurde und wir uns mit den bisher nur über die sozialen Medien bekannten Rookies etwas warm gequatscht haben, marschieren wir zum Schwimmbad. Hier werden noch die letzten Angstpippis erledigt, wir geben ganz in Wings for Life World Run Manier noch ein Interview für die Zeitung und stehen für ein Bild parat. Und dann gehen die Athleten ab ins Abenteuer. Ich freue mich riesig, dass die Ersttäter in Kürze wissen werden, warum es sich unbedingt lohnt einen Triathlon zu machen. Warum jedes Training ein Geschenk ist und warum man es immer wieder machen möchte.

Weil ich Fotos mache, darf ich sogar durch die Absperrung und direkt am Beckenrand Bilder schießen. Und natürlich nutze ich die Gelegenheit auch gleich, um mit der Anfeuerung loszulegen. Der Stadionkommentator teilt dem Freibad über das Mikrofon mit, dass das Team Tricamp ganz offenbar seinen eigenen Drillseargeant mit am Becken stehen hätte, aber das ist schon ok. Da der Tonangeber nicht hier ist, muß er vertreten werden, also teile ich mit, dass die Athleten ordentlich durchziehen sollen, dass es egal ist, ob man Brustschwimmen oder Kraulen wählt, solange man es mit voller Kraft tut und dass sie ruhig zügig schwimmen können, das wäre keine Schande. Ich bekomme nasse Füße, mache ein paar schöne Bilder und so vergeht die Zeit rasend schnell und die 7 Bahnen sind absolviert.

Die Athleten verlassen ihre Bahn, als wären die Mücken hinter ihnen her, und stürmen die Wechselzone. Da für mich jegliche Sprints vom Doktor vorerst untersagt wurden, lasse ich sie rennen und begebe mich in einer der Situation angemessenen Geschwindigkeit zur Radstrecke. Hier versuche ich die Athleten zu erkennen. Erstens kann man ihnen dann eine entsprechende Anfeuerung mit auf den Weg geben, und zweitens hoffe ich, dass ich ein paar Bilder als Erinnerung machen kann. Tatsächlich erkennen wir Anfeuerer die Athleten nach der ersten Radrunde rechtzeitig und schaffen es, motivierende Rufe und schöne Fotos zu verbinden.

Jetzt wird es tückisch für die Anfeuerer, denn die ersten Athleten beginnen bereits mit dem Laufen, während die weniger Schnellen noch auf der Radstrecke sind. Da aber praktisch alle ein Radlerfoto haben, begeben wir uns zur Laufstrecke und erwischen den pinken Powerranger Kimberly gerade noch, ehe sie wie von der Tarantel gestochen, in den Zielkanal abbiegt. Lovis kommt als nächste und fragt sich, warum sie das alles macht. Und der Zeugwart hat die einzig richtige Antwort parat… deshalb. Mehr gibt es nicht zu erklären. Sie macht das, weil es ein tolles Gefühl ist. Fertig. Karla Kolumna ist ihr auf den Fersen und auch sie wird mit genügend Anfeuerung versorgt.

Ich marschiere zurück ins Ziel, damit ich die Athleten dort noch mal unter dem Bogen ablichten kann, während der Zeugwart mit seinen Adleraugen auf der Laufstrecke nach den Rookies Ausschau hält und sie zu Höchstleistungen antreibt. Tatsächlich sieht er alles und als Lovis, geschützt von Bäumen, eine Laufpause einlegen möchte, teilt er ihr lautstark mit, dass er sie sehen kann. Der Tonangeber wäre sehr stolz auf den Zeugwart, der hier wahre Trainerqualitäten an den Tag legt. Und Lovis? Die versteht, auch ohne dass ihr Name genannt wird, und läuft wieder an. Weil sie es kann. Weil sie eine Triathletin ist und weil es genau das ist, was sie machen möchte.

Als alle unsere Athleten ins Ziel gelaufen sind, packt mich etwas Wehmut. Ich schaue in lauter glückliche Gesichter. Im letzten Jahr habe ich selbst beim 10 Freunde Triathlon mitgemacht und gedacht, dass es bei mir nun wieder losgeht, dass die Unfallfolgen überwunden sind und dass ich dann im Rookieprojekt wieder richtig durchstarten kann. Jetzt ist der Sache ein Riegel vorgeschoben, vorerst zumindest. Ich denke zwar konsequent positiv, aber ich bin trotzdem auch auf das größte anzunehmende Unglück, aus Sportlersicht, eingestellt, obwohl ich mich mit Sorgen, Problemen und Nöten erst beschäftigen möchte, wenn es soweit ist. Aber wenn man den halben Tag anfeuernd an der Strecke steht und die Ersttäter mit glücklichem Gesicht ins Ziel rennen sieht, dann kann ich mir ja durchaus mal überlegen, ob es bei mir jemals wieder zu einem solchen Ereignis kommen wird. Oder ob meine sportliche Karriere mit dem 70.3 Kraichgau ihren Höhepunkt hatte…

Bald hat die Unklarheit ja glücklicherweise ein Ende. Das ist gut. Ich verabschiede den Wehmut und wir trennen uns von unserer Sternenfamilie und verabschieden Kimberly, den pinken Powerranger, Lovis und Karla Kolumna zusammen mit den anderen Rookies in den Sonntagnachmittag. Ich habe mit Fotos sichten sicherlich genug zu tun, immerhin habe ich über 400 gemacht.

Clauditries

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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Über Clauditries

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