Laufend leiden


Wenn man nicht laufen geht, dann kann man ja auch nicht erwarten, dass es besser wird. Wenn man zu oft laufen geht, tut einem praktisch ständig alles weh und wenn man es zu selten macht, sind die Muskelkaterschmerzen ähnlich. Wie man es macht, ist es also irgendwie doch verkehrt. Oder eben genau richtig. Ich gehe heute laufen, wenn es eh egal ist, was ich mache. Schmerztechnisch gesehen zumindest. Es ist zwar warm draußen, aber im Sommer gehört das eben nun mal dazu und es wäre auch blöd jegliche sportliche Aktivität wegen der Temperatur zu unterlassen.

Ich ziehe mich also um und teile dem Zeugwart meine Pläne mit. Dann packe ich mir etwas leise Musik in die Ohren und starte meine Unr. Das GPS Signal ist gefunden, ehe ich auf die Straße trete und schon kann es los gehen. Heute, nehme ich mir vor, laufe ich ganz langsam, aber mehr durch, als das Letzte Mal. Ich rede mir ein, während ich trabe, dass ich das letzte Mal sicherlich einfach nur zu schnell unterwegs war und dass ich es heute einfach wesentlich klüger angehe. Ich bin eine erfahrene Athletin, ich sollte die Geschwindigkeit passend machen können. Sollte.

Da ich eine andere Strecke laufe, als üblicherweise, weil es auch kein üblicher Lauf ist und weil ich es vermeiden möchte, durch die Felder mit dem dichten Gras und der verhältnismäßig hohen Zeckendichte zu laufen. Irgendwie fühlt sich aber auch das langsame Laufen nicht gut an. Es ist wirklich ziemlich unglaubwürdig, dass ich laufen mal toll fand und dass es mir geholfen hat, mich zu entspannen. Ich schleppe mich, es ist warm und von Entspannung bin ich wirklich weit entfernt. Ich laufe so langsam, dass ich, glaube ich, auch gehen könnte. Oder gehe ich vielleicht wirklich? Warum ist es dann so extrem anstrengend? Ich glaube, ich werde niemals ankommen.

Zur Abwechselung habe ich wenigstens andere Dinge anzusehen, weil ja die Strecke nicht altbewährt ist. Ich laufe über eine kleine Holzbrücke und freue mich, dass der Bach plätschert. Leider ist die Brücke nicht sehr lang und die Abwechslung auch nicht so der Hammer, so dass ich gleich wieder ins Leiden verfalle. Es kann doch wirklich nicht so schwierig sein ein bischen zu laufen. Aber gut, ist es ja offensichtlich, sonst würde ich schneller, besser und unangstrengter unterwegs sein können. Der Weg führt fast einmal rund ums Dorf und heute kommt es mir unendlich weit vor. Es ist keiner auf der Gass‘, es ist heiß und ich beschließe, dass ich mir eine der aktuellen Baustellen anschaue und ein bischen abkürze. Es ist ja auch nicht wirklich wichtig einmal komplett ums Dorf rumzulaufen… schon gar nicht, wenn es so anstrengend ist, wie heute.

Die Baustelle ist nicht wirklich interessant. Eigentlich ist die Strasse nur abgesperrt und fehlt. Es ist nicht wirklich zu erkennen, dass auch gebaut wird. Außer man zählt das Loch, wo mal die Straße war zur Baustellendefinition dazu. Dann natürlich schon. Ich weiß von den Schildern, dass es noch Monate dauern wird, bis das Loch geschlossen ist. Meine Güte ist dieser Lauf anstrengend und das, obwohl die Baustelle ja nun extra ein Loch in die Straße gemacht hat, das es zu umrunden gilt und das für Abwechslung sorgt. Zusätzlich habe ich die Gelegenheit unheimlich viele Insekten zu beobachten, weil die Dorfnachbarn in ihren Vorgärten Lavendel lieben und einen Parkkünstler zu bestaunen. Schon von weitem sehe ich die Kurbelei und vergesse für einen Moment, wie schwer meine Beine sind. Während das Auto sich geschätzte 20 Mal nach vorne und hinten schiebt, schiebt sich die Untrainiertheit aber wieder zurück in mein Bewusstsein. Als ich vorbei laufe, ist das Auto noch nicht in der Parklücke.

Nur um das nicht zu verschweigen, es fährt ein Mann, es ist ein Golf und die Parklücke hätte ich mit einem VW Bus benutzt. Aber für ihn ist es einfach niemals gut genug. Oder er sucht einen Zeitvertreib? Irgendwann bin ich zurück zu Hause und ich weiß, dass ich am Wochenende, wenn ich die Chefin und den Tonangeber beim Ironman Frankfurt sehe, unbedingt mit ihnen sprechen muß. Die Chefin wird es sein, der Tonangeber ist mir manchmal zu krass. Ich werde sie fragen, was ich tun kann, damit mir das Laufen wieder Spaß macht und wie ich vorgehen muß, damit ich das Laufen auch etwas schneller und schöner machen kann. Sie hat bestimmt gute Tipps, obwohl mir schon schwant, dass sie Arbeit bedeuten werden. Viel Arbeit, denn von nichts kommt nichts, das ist ja allgemein bekannt.

Clauditries

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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Über Clauditries

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