Kein Plan, keine Freiheit


Nachdem das Frankfurter Riedbad nach vielen Wochen Pause irgendwann mitten im Sommer seine Vereinsbahnen auch für uns mal wieder geöffnet hat, schaffen der Zeugwart und ich es heute dann heute tatsächlich mal ins Freibad zum Vereinsbahnenziehen. Ich finde Freibadschwimmen blöd. Irgendwie schon immer, wobei ich schon vorher weiß, dass ich heute einen besonders kritischen Tag habe. Auf der Arbeit war viel los, heute früh war ich im Autohaus, wo auch schon alle ihr Bestes gegeben haben, um meinen Wochenstart mehr schlecht als gut werden zu lassen und dann auch noch das Freibad.

Sobald es zur Traglufthalle wird, im Herbst, finde ich es übrigens großartig. Nur das Freie mag ich anscheinend nicht? Das Wasser ist ziemlich warm, so dass es, trotz 28°C Außentemperatur und damit ja sehr aufgehitzem Körper, kaum eine Abkühlung ist. Zumindest nicht für mein Empfinden. Die ersten Bahnen schwimme ich alleine im großen Becken, wobei es mir als Freibad längst nicht so groß vorkommt, wie mit der aufblasbaren Außenhülle. Ich kann mir die Traglufthallenliebe überhaupt nicht erklären, aber dass sie da ist, ist klar. Ich atme im Dreierzug, und merke, wie mir die Atmung nach ein paar Minuten tatsächlich leichter fällt. Ich vertrage das Inhalat was kurzfristige Atemfreiheit bringen soll wirklich ganz gut und es ist erstaunlich, wie es etwas zeitverzögert, tatsächlich deutlich etwas bringt. Nachdem ich mich 200m eingeschwommen habe, stelle ich fest, dass ich besser noch mal hochgegangen wäre, um mein Trainingsequipment zu holen, als zu behaupten, dass es unnötig ist.

Total verrückt, aber ich bin so ein richtiger Schwimmnerd geworden. Am  liebsten genau nach Plan und mit den Trainingshilfsmitteln. Und dann am Besten noch ohne Störungen, einfach machen. Meine Güte, ich werde wirklich alt, bzw. bin wirklich alt geworden. Es ist kaum zu glauben, aber ich vermisse meine Schwimmtrainingsmittel total und eiere deshalb einfach so rum. Ich schwimme und achte auf meine Technik, kümmere mich um die Atmung und die Handhaltung. Mache unterschiedlichste Kraulmethoden, damit ich flexibel bleibe, wie es der SchwimmGuru ja vorgeschlagen und wir eingeübt haben. Gerade das Flexible kommt mir im See ja immer sehr zu Gute, also schadet es nicht, das im klaren Wasser des Freibades auch mal zu üben. Ich hänge mich außerdem in den Flossenwasserschatten vom Fremdvereinsfan und treibe ohne große Anstrengung einfach so mit. Ich spiele mit den Beinschlägen und rotiere mal mehr, mal weniger.

Irgendwie will es heute trotzdem nicht so richtig rund laufen, beim schwimmen. Es ist ohne Plan einfach nur halb so schön. Und zusätzlich kommen mir die Schwimmer des anderen Vereins regelmäßig in die Quere. Das war schon letztes Jahr so, dass sie keine gerade Linie schwimmen konnten und auch, ohne Rücksicht auf Verluste, mit ihren Flossen austreten. Also mein Freibadschwimmerlebnis wird dadurch wirklich erheblich beeinträchtigt. Nachdem ich zweimal durch unkontrollierte Flossenausschläge fast meine Schwimmbrille verloren hätte, beschließe ich, nur noch diese Bahn fertig zu schwimmen und dann mehr oder weniger fluchtartig das warme Nass zu verlassen. Ich bin einfach kein kompatibler mit anderen Schwimmer, wenn das Nass eingeschränkt ist. Im See kann ich ausweichen, da ist Platz. Im Becken nicht. Deshalb mag ich den See lieber. In der Weite liegt die Freiheit. So ist das zumindest bei mir.

Clauditries

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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Über Clauditries

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