Dreimal zum Hühnerberg


Eigentlich ist heute kein Wetter zum radeln. Zusätzlich läuft der Lifestream von der Weltmeisterschaft über die Ironman 70.3 Distanz in Süd Afrika und wenn ich noch länger darüber nachdenke finde ich garantiert noch zahlreiche Gründe, warum der Trainingsplan der Chefin heute nicht umgesetzt werden kann. Es ist zusätzlich total windig draußen. Wer fährt denn da schon Rad? Ich schlage dem Zeugwart den Crosser als Fortbewegungsmittel vor, aber der Zeugwart teilt mit, dass wir Rennrad fahren und einfach auf das Podium wetten. Man kann schließlich nicht alles haben.

Ich setze auf Sieg Frodeno, Brownlee wird Zweiter und Gomez macht den Dritten, dann ziehen wir uns an. Ich fahre mit Armlingen, Weste und nehme mir zusätzlich noch meine Regenjacke mit. Die ist meistens ein Garant dafür, dass es nicht regnet. Für heute sieht es allerdings ziemlich nach Regen aus, aber das hilft ja nichts. Wir müssen jetzt los, weil wir später verabredet sind und ja keine Ausrede etwas gilt. Ich ziehe noch Überschuhe an und dann schaue ich noch mal auf den Trainingsplan. Als #judithathletin mache ich ja nicht einfach nur eine Radausfahrt, ich fahre nach Trainingsplan. Da steht heute drauf, dass ich nach 20 Minuten Anfahrt dreimal einen Berg hochfahren soll.

Nach 20 Minuten? Da ist bei uns kein Berg. Zumindest kommen wir beide jetzt auf keinen. Wir müssen ungefähr 18km fahren, beschließen wir, und das dauert etwas länger als 20 Minuten. Aber egal. Unser Ziel ist der Hühnerberg in der Wetterau, der wird beim Ironman Frankfurt zweimal befahren und ich soll den heute also dreimal fünf Minuten hoch fahren. Da werde ich nicht weit kommen, so viel ist klar. Immer, wenn ich hier bisher hochgefahren bin, dauerte der Anstieg gefühlte Stunden. Es geht hier immer nur Berg auf. Aus dem Dorf, das schon am Hang liegt, geht’s nach einer Linkskurve am Ortsausgangsschild vorbei noch mal links rum und schon sieht man den langen Anstieg. Alles liegt wie immer im Auge des Betrachters. Der Zeugwart teilt mit, dass er heute dreimal bis oben fährt und wir uns dann im Anschluß einfach wieder treffen. So unübersichtlich ist dieses Trainingsrevier nicht

Wir trennen uns an der Linkskurve im Ort. Ich schalte etwas schwerer, weil das in meinem Trainingsplan so drin steht. Ich soll auf Kraft fahren und nicht wie wild kurbeln. Gut, was drinsteht, wird gemacht. Ich muß jetzt auch immer mal aus dem Sattel gehen und trete und trete. Die Umdrehungen pro Minuten liegen ansonsten immer so bei mindestens 80, jetzt, mit dem schweren Gang und dem zu Trainingszwecken bestellten kräftigen Seitenwind, schaffe ich so 40-50. Nach 5 Minuten bin ich fast oben, das ist doch ein Ding. Ich glaube, ich hätte noch eine Minute länger gebraucht, dann wäre ich tatsächlich oben gewesen. Unglaublich. Wo doch der Hühnerberg so ewig weit ist! Ich drehe um, rolle nach unten, treffe zahlreiche Athleten, die heute die Ironmanrunde abfahren und fahre ab der Linkskurve wieder hoch.

Ich habe das gut getaktet, so dass ich jetzt sogar noch ein bisschen weiter hoch komme, als bei der ersten Hochfahrt. Ich drehe wieder um und wende diesmal unten zügig, um gleich wieder mit dem nächsten Anstieg zu beginnen. Ich bin mir nicht sicher, ob das gewünscht ist, oder ob ich unten eine Pause machen soll, aber so mache ich es jetzt eben so. Und weil ich die letzten zwei Anfahrten zum Berg ja irgendwie fast hochgefahren bin, bis ganz oben, mache ich das jetzt auch. Ob jetzt 5 Minuten oder 6 Minuten, wird schon irgendwie passen. Ich fahre bis hoch und ganz zum Schluß wähle ich dann immer leichtere Gänge. Der Berg zieht hier ganz schön an und die 5 Minuten im schweren Gang sind auch schon rum. Die Alternative wäre, dass ich absteige und schiebe, aber da es ja erfreulicherweise eine Schaltung gibt, warum nicht nutzen? Oben warte ich auf den Zeugwart, der sich eigentlich erhofft hat, dass ich frühzeitig umdrehe und ihm wieder entgegenkomme. Aber ich finde ja, dass oben warten auch cool ist.

Wir besprechen kurz die Heimfahrt, beschließen aber, dass wir den gleichen Weg zurück nehmen, weil das von der Gesamtstrecke für meinen Trainingsplan am Besten passt. Meine Oberschenkel wissen außerdem bereits jetzt, was sie gemacht haben und ich bin mir nicht sicher, ob ein Schlenker noch passen würde. Im Endeffekt, als wir die Strecke dann jetzt abfahren, merke ich, dass ich doch noch hätte etwas dranhängen können. Meine Oberschenkel werden mit jeder Umdrehung lockerer und zusätzlich haben wir teilweise etwas Rückenwind.

Heute treffen wir wahnsinnig viele Rennradfahrer. Ich dachte, die Masse fährt bei schönem Wetter und dass die Hauptsaison vorbei ist, aber anscheinend gibt’s noch genügend Ziele nach der Hauptsaison, für die trainiert werden kann? Die Ironmanstrecke ist voll von Rennradfahrern und Triathleten. Besonders positiv fallen mir heute die Autofahrer auf. Wir haben viele Begegnungen und keine ist unangenehm. Wir werden mit richtig viel Abstand überholt, es wird geduldig gewartet, bis wir an Einmündungen vorbei sind, ehe abgebogen wird, wir werden nicht geschnitten und nicht gemaßregelt. Und wir fahren wie immer, an uns liegt es also nicht. Es liegt an den Autofahrern, die heute allesamt super sind.

Als wir wieder zurück daheim sind, stellen wir übrigens fest, dass ich beim Podium der 70.3 Weltmeisterschaft total richtig lag. Mich kann da also keiner mehr so richtig überraschen. Wenn man zu abgeklärt ist, ist das auch nicht schön. Aber wenigstens hätte ich jede Wette gewonnen.

Clauditries

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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Über Clauditries

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