Echt jetzt?


Gestern habe ich es nicht zum Schwimmbad geschafft. Das fängt ja großartig an mit dem Trainingsplan. Aber ich war vorgestern erst kurz vor Mitternacht daheim und schaffe es nicht rechtzeitig aus dem Bett. Ich muß auch noch die Balkonblumen versorgen und überpünktlich für das Training im Büro sein. Immerhin sind Kollegen aus aller Herren Ländern angereist und wählen sich ein, nur damit ich ihnen etwas erzählen kann. Auch wenn das System abstürzt oder bisher nur halbfertig angelegt ist, so möchte ich wenigstens mein Bestes geben. Wenn ich auch noch zu spät oder unvorbereitet komme, haben wir es doppelt blöd.

Ich habe also gestern einen Sportruhetag eingelegt, der mich zwar anfangs geärgert hat, aber dann bin ich mir klar geworden, dass das immer mal sein kann. Wenn die Chefin den Trainingsplan schreibt, dann geht sie ja schließlich von einer idealen Zeiteinteilung und einer perfekten Arbeitswoche aus. Sie kann ja nicht ahnen, dass nichts funktioniert und sie weiß auch nicht, dass meine Arbeitstage manchmal morgens um 5h am Flughafen beginnen und dort auch erst wieder um 22h enden. Da passt dann einfach kein Training rein. Und so ist es eben auch gestern gewesen. Heute dagegen mache ich einen fast normalen üblichen Arbeitstag und bin am späten Nachmittag daheim.

Der Trainingsplan ist mit einem Koppeltraining für heute ausgestattet. Echt jetzt? Das habe ich ja schon ewig nicht mehr gemacht. Ich bin ehrlich überrascht, dass das auf dem Plan draufsteht, lese nochmal nach und ja, es ist eindeutig. Ich soll 20km radeln, die letzten Kilometer noch etwas mehr Gas geben und dann soll ich laufen gehen. Mmhh. Ist wahrscheinlich als Test gedacht, nehme ich an. Üblicherweise wird ja in Wettkampfnähe gekoppelt, dachte ich zumindest. Damit man sich an das Gummiartige – Wabbelgefühl gewöhnt, was das Laufen gleich nach dem Radeln so mit sich bringt. Ich ziehe mich also gleich sofort um, als ich heute heim komme. Der Zeugwart landet heute erst gegen 19h, so dass ich eine gute Chance habe, dass ich das Training fertig absolviert habe, bis er daheim ist.

Damit ich mich nach dem Rad fahren nicht umziehen muß, ziehe ich mir gleich eine Triathlonhose an. In einer Radhose laufen macht nämlich wenig Spaß, selbst bei meiner Geschwindigkeit. Ich lege mir außerdem gleich auch die später benötigten Laufutensilien zurecht, denn der Witz beim Koppeltraining ist ja, dass man möglichst wenig Zeit verliert, beim Wechsel der Disziplinen. Eben wie in der Wechselzone. Da der Zeugwart nicht da ist, stecke ich mir all die Werkzeuge und ergänzenden Gerätschaften ein, die er sonst mitführt. Ich denke auch daran die Reifen aufzupumpen und nachdem ich den besten Nachbarn der Welt noch kurz Bescheid gegeben habe, dass ich nun unterwegs bin, geht’s auch schon los. Es ist ziemlich windig heute. Und auch der Himmel sieht mehr als uneinladend aus für eine Radausfahrt. Echt jetzt Chefin? Bei dem Wetter?

Sieht doch wirklich nach Regen aus. Da muß man doch nicht so trainieren, außerdem war meine Woche wirklich mehr als anstrengend. Während ich mir zahlreiche Erklärungen einfallen lasse, warum ich eigentlich ja gar nicht radeln und laufen müsste, bin ich die ersten 5km schon gefahren. Trotz des Windes ist es ganz schön, frische Luft tut wirklich gut und da ich alleine unterwegs bin ist es auch egal, ob ich mal schneller oder mal langsamer fahre. Die Autofahrer, wenn ich auf der Straße fahre, sind sehr vorbildlich und fahren weite Bögen. Auf den geteilten Fußgänger – Radfahrerwegen kündige ich mich frühzeitig an und alle haben ein angenehmes Erlebnis. Die Rennradfahrer, die mir hier entgegenkommen, grüßen freundlich und so bin ich schneller als ursprünglich gedacht kilometermäßig auf Halbzeit.

Ich beschließe nicht umzudrehen, sondern hier einfach in den Ort reinzufahren. So weit bin ich ja nicht weg von daheim, und ich bin mit dem Edge ja auch ganz gut ausgestattet, so dass der mich im Ernstfall zurück nach Hause führen könnte. Oder ich fahre einfach nach Karte. Oder, was natürlich am Allercoolsten ist, ich biege einfach richtig ab und kenn mich aus. Und Letzteres mache ich dann auch.

Auf dem Weg zurück trete ich etwas mehr in die Pedale, bin aber kein einziges Mini-km/h schneller, weil ich ordentlich Gegenwind habe. Aber vielleicht zählt das trotzdem, obwohl die Chefin ja ausdrücklich die gesteigerte Km/h Zahl in den Plan geschrieben hat. Nachdem ich das Rad daheim dann wieder abgestellt, die Nachbarn über meine Rückkehr informiert und die Laufschuhe angelegt habe, geht’s dann auch schon weiter. Der Himmel ist vielversprechend dunkel. Die Wolken hängen tief, der Wind hat aufgefrischt, aber mich kann so gut wie gar nichts erschüttern. Immerhin wird ja gekoppelt. Da läuft es ja praktisch wie von selbst. Ich renne wie nicht ganz gescheit und weiß eigentlich so gar nicht, wie mir geschieht. Ich wähle meine übliche 20 Minuten Runde, weil ich weiß, dass es hier immer ungefähr 20 Minuten dauert, bis ich durch bin. Ganz selten mal 19, meistens sind es wirklich 20.

Weil das mit dem Laufen bei mir ja derzeit noch immer so eine Krux ist, brauche ich eine Gehpause, in der ich einfach mal richtig atme und mich kurz sammle. Und dann geht’s weiter. Und ich bin nach 16Minuten wieder daheim. Als wäre der Teufel hinter mir her gewesen quasi. Das war natürlich nicht weit und auch nicht lange, aber das war eine Geschwindigkeit von unter 6min/km, was vorgestern ja noch sehr weit weg von überhaupt vorstellbar war. Nicht, dass ich jetzt zum Überflieger in meinem Kopf werde, das wird natürlich nicht passieren. Ich weiß, dass das eine absolute Ausnahme und ein ziemliches Zufallsprodukt gewesen sein muß, wahrscheinlich, weil ich warm bin? Oder weil mein Kopf denkt, dass die Landschaft einfach schneller vorbei ziehen muß wegen der Geschwindigkeit beim radeln?

Vom Prinzip her ist es auch egal, woran es liegt. Es ist nicht so, als könnte ich das jetzt bei jedem Lauf reproduzieren, aber es hat sich gut angefühlt, ich bin sehr zufrieden, dass ich das Training trotz des bedrohlichen Himmels durchgezogen habe und dass es regenfrei blieb. Ich kann sogar noch duschen, ehe der Zeugwart endlich wieder nach Hause kommt.

Clauditries

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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Über Clauditries

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