Spätsommer auf dem Plan


Heute ist Berlin Marathon. Eigentlich die perfekte Ausrede heute den ganzen Vormittag vor dem Fernsehen zu verbringen. Beim Berlin Marathon soll heute erneut ein Marathon Weltrekord gelaufen werden, das wäre doch schade, wenn wir das nicht live anschauen würden, oder? Andererseits passt der Berlin Marathon und der Weltrekord nicht so richtig in unsere Tagesplanung. Und es dürfte klar sein, dass der Weltrekord, wenn er gelaufen wird, auch dann gelaufen wird, wenn wir nicht am Gerät sitzen, um zuzuschauen. Er versucht es eh, ob ich dabei Sport selbst mache, oder nicht.

Der Trainingsplan teilt mit, das die Chefin sich für heute eine zweistündige Radausfahrt ausgedacht hat, bei der ich nichts besonderes tun soll, außer zu radeln und den Spätsommer zu genießen. Das klingt doch ganz schön. Und der Spätsommer hat den Trainingsplan tatsächlich auch gelesen, denn er glänzt mit Anwesenheit und bereits um 8:30h mit 16°C. Wahrscheinlich ist es im Schatten noch etwas frisch, aber das passt schon. Meint die Chefin mit den 2 Stunden die reine Fahrzeit? Oder soll ich so lange insgesamt unterwegs sein?

Wir ziehen uns zeitig um, entscheiden uns für kurz kurz und fahren in Richtung Bruchköbel. Das ist ohne große Wellen und mit vielen Radwegen, die rennradtauglich sind, zu erreichen. Ich finde, man muß den Autofahrern nicht mehr als nötig vor der Nase rumfahren. Umso mehr freue ich mich, dass wir heute wirklich außerordentlich positive Erfahrungen mit den Autofahrern machen, wenn wir denn mal auf der Straße fahren müssen, weil es keinen passenden Radweg gibt. Wir bekommen mehr als einmal Vorfahrt gewährt, dürfen die Straße überqueren, ohne anzuhalten, weil die Autofahrer proaktiv anhalten oder langsam machen und viele Autos bleiben sogar lieber hinter uns, und überholen an wirklich sehr breiten und übersichtlichlichen Stellen, als dass sie stressig vorbei fahren müssen.Total angenehm.

In Bruchköbel machen wir erst mal ein Foto beim Optiker des Vertrauens.

Leider ist das Optikerschild so klein, dass ich nicht sicher bin, ob das Bild für Social Media was taugt, aber immerhin waren wir da und im Grunde ist Social Media ja auch nicht so wichtig. Immerhin hat dieses Geschäft für mich seit ein paar Jahren eine besondere Bedeutung für die Freiheit. Mich mit meiner Sehschwäche auf  Kontaktlinsen zu setzen wurde damals hier gemacht und ich bin jedes Mal, wenn ich sie einsetze wirklich froh, dass wir das Experiment gewagt haben. Welch unglaubliche Freiheit, wirklich prima. Wir fahren flott weiter, weil wir ja eine genaue Vorgabe der Chefin auf meinem Plan stehen haben, die wir umsetzen möchten.

Vor uns taucht ein Rennradfahrer auf und während es eine Brücke hochgeht, fahren wir näher ran und schließen vollkommen auf. Dann aber nimmt der Zeugwart etwas Geschwindigkeit raus und ich fahre vorbei. Mal schauen, ob wir den Radler abhängen können. Können wir auch tatsächlich. Ist ja witzig. Wahrscheinlich hätte ich mich nicht so leicht abschütteln lassen. Wir radeln kreuz und quer, vorbei an Sonnenblumenfeldern, abgeernten Mais- und Stoppelfeldern. Die Sonne gibt wirklich alles, steht ja auch immerhin im Trainingsplan.

Irgendwann schließt ein älterer Herr zu uns auf und ruft uns zu, dass er Hilfe braucht. Eigentlich ruft er, dass wir ihm helfen müssen, nicht, dass er Hilfe benötigt. Wir halten an, natürlich helfen wir, wenn wir können. Der Herr ist aus den Anfängen der Fahrradzeit und so ist auch sein Equipment, offensichtlich von sehr guter Qualität, denn halten tut es noch. Er kann nicht mehr aus dem Pedal ausklicken. Er dreht zwar seinen Fuß, aber sein, mittlerweile in die Jahre gekommener, Fahrradschuh gibt so weit nach, dass sich die Sohle keinen Millimeter aus dem Pedal raus bewegt. Und weil der Herr ebenfalls schon ordentlich in die Jahre gekommen ist, kann er sich nicht runterbeugen um den Schuh selbst aus dem Pedal zu befreien. Der Zeugwart hilft, versucht das Pedal leichter zu stellen und fragt dann, ob es der Radfahrer denn noch weit nach Hause hat. Er fährt heute mal zur Dippemess nach Frankfurt, antwortet er, er ist gerade erst losgefahren. Dort wird er ja bestimmt jemanden treffen, der ihm, so wie es der Zeugwart getan hat, hilft, aus dem Pedal raus zu kommen. Ja, bestimmt.

Wir sind dann nach 2 Stunden reiner Fahrtzeit und 2:25Stunden insgesamt wieder zurück daheim. Ob das so war, wie es die Chefin wollte, weiß ich nicht, aber sicherlich war es auch nicht zu verkehrt. Ich freue mich auf morgen, da ist Ruhetag und meine müden Beine können sich ein bisschen erholen. Nächste Woche wurde eine Testwoche angekündigt. Na da bin ich ja mal gespannt.

Clauditries

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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Über Clauditries

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