Unter dem Radar


Gestern hatten wir einen tollen Tag auf der Marathon Messe in Frankfurt. Ich habe wieder einige Schnäppchen gemacht, weil der Zeugwart einfach einen Preissensor drinne hat und wir waren mit den 2018 Rookies und den 2019 Rookies von Tricamp gemeinsam essen. Gestern ging es auch mit meiner Aufregung. Irgendwie war es einfach noch unwirklich und als wir heim gekommen sind, habe ich alles schon gepackt und mir rausgelegt, war aber immer noch nicht überzeugt, dass ich heute die 6km laufen werde. Der 6km Part ist der zweite Teil in der Frankfurt Marathon Staffel und der Kürzeste. Der Räuberhauptmann läuft den ersten Teil, Lovis übernimmt Teil drei und die Tochter von Kimberly, dem pinken Ranger, rennt dann Teil Nummer vier.

Ich stehe heute früh auf, und bin sofort nervös. Die geschenkte Stunde habe ich zwar schlafend voll ausgenutzt, aber sofort nach dem Aufstehen komme ich mir vor, wie ein totaler Anfänger. Der Zeugwart erwähnt berechtigterweise mehrfach, dass er nicht verstehen kann, warum ich so nervös bin. Ich verstehe es selbst nicht. 6km. Eine Strecke, die damals im Kraichgau und in der Vorbereitung kaum der Rede wert war. Aber heute, heute ist es länger, als ich seit dem Unfall am Stück unterwegs war. Und vor allem mit der Zeitumstellung und dem letzten wirklich nicht so guten Training bin ich mir einfach nicht sicher. Meinen Kaffee trinke ich aus einer iQ athletik Start your Engine Tasse, weil das irgendwie passt.

Wir treffen uns früh im Marriott mit den anderen Tricampern und die erste stürmische Begrüßung gibt’s schon vor dem S-Bahnhof, wo wir zeitgleich mit fremden (!) anderen Läufern aus dem Auto aussteigen und sofort gefragt werden „Lauf Ihr auch Marathon“ und die Antwort kaum ausgesprochen mit einem „Woooohoooo“ Schrei kommentiert wird. Aha. Die Stimmung ist also schon mal gut, auch wenn es eiskalt und windig ist. Aufregung gibt’s dann gleich in der S-Bahn. Die fährt nämlich erst nicht, und dann anders, wegen einer technischen Störung. Wir sind aber dann doch fast pünktlich da und machen noch ein paar lustige Gruppenfotos. Meine Nervosität hält sich spontan in Grenzen und wechselt zu Ehrfurcht und Bewunderung, als wir am Start den Beginn des Marathons erleben. Total verrückt, wie schnell diese Läufer losrennen.

Wir machen uns mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auf zum ersten Wechselpunkt und dort angekommen feuern wir noch ein bisschen an. Wie üblich, geht dann aber auch alles wieder ganz schnell. Ich mache mich warm, weil die Chefin das so empfohlen hat, und dann kommt der Räuberhauptmann auch schon angewetzt, als wäre der Teufel hinter ihm her. Also wir hatten ja vorher klar gestellt, dass es hier nicht ums gewinnen geht, aber der Räuberhauptmann hat ganz schön was auf den Asphalt gebrannt. Ich habe meine redliche Mühe den Chip abzumachen und mir umzuschnallen und dann bin ich auch schon auf der Strecke.

Von Kilometer 13 an laufe ich als allererstes beim Zeugwart vorbei und er macht ein paar tolle Bilder, mit der Skyline im Hintergrund. Dann mache ich einen Sprint, weil der Zeugwart erwähnt, dass Lisabet gerade vorbei gelaufen ist und sie nur so 150m vor mir ist. 150m klingt machbar. Was ich rennen kann. Unglaublich. Ich überhole nur und die Leute wundern sich bestimmt, ob ich noch einen Bus erreichen möchte. Ich werde von William Thacker angefeuert, obwohl er gesagt hat, dass meine Strecke sich dafür ja gar nicht eignet. Er ist einfach großartig! Und weil er meinen Namen ruft, dreht sich Lisabet um und weiß nun, dass wir es tatsächlich geschafft haben und ich sie ein Stück begleiten kann.

Geplant wäre das nichts geworden! So aber laufen wir mehrheitlich schweigend nebeneinander her und sind einfach füreinander da. Ich kann es kaum glauben, wie die Kilometer an uns vorbeiziehen. Ich habe schon drei Kilometer in den Beinen. Bei dieser Marke konnte ich vorgestern nicht mehr. Es war mir da unvorstellbar, dass überhaupt ein Schritt mehr möglich ist. Und heute? Laufen Lisabet und ich einfach weiter. Kilometer 4 kommt und auch dieses Schild lassen wir hinter uns. Ich bin ja erst bei Km 13 eingestiegen, aber Lisabet zählt mit mir meine Kilometer. Weil sie großartig ist, weil sie sich einfach für mich freuen kann und weil aus einer puren Vereinskollegin eine echte Freundin geworden ist.

Kurz vor meinem Wechsel an Lovis klinkt sich Lisabet für einen Toilettenstopp aus und sagt mir, dass es nicht mehr weit ist. Ich muß nur noch durch die Unterführung und dann links… und so ist es auch. Sie redet nicht schön, sie sagt einfach genau wie es ist und ich laufe einfach durch. Bis ich Lovis sehe und ihr zuwinke. Ich bin so froh, sie zu sehen und schon ist sie wieder weg. Dafür ist Wonder Woman da und falle ihr in die Arme. Glücklich und erschöpft verdrücke ich kurz ein Tränken und dann holt sie mir etwas zu trinken und wir feiern uns und unseren Lauf. Sie ist eine großartig, so viel schneller und fitter, und dabei wunderbar lebensnah und sie kann nachvollziehen, was es für mich heißt hier neben ihr zu stehen und müde Beine zu haben. Sie wertet auf, nicht ab, sie ist einfach toll.

Zurück an der Messe setzen wir uns in die Festhalle und feiern die Läufer bei ihrem Zieleinlauf. Die Stimmung ist wirklich unglaublich. Und nachdem Lovis sich zu uns gesellt hat, die ihren Abschnitt der Staffel ebenfalls ohne Gehpause lief, machen wir uns zeitnah auf nach draußen in den Wind und die Kälte. Wir warten kurz vor dem Abbiegen in die Festhalle auf Kimberly’s Tochter, die ja unsere Schlussläuferin ist und zack ist sie nach einigem hüpfen und springen in der Kälte auch schon da und wir fassen uns an den Händen. Der Einlauf in die Festhalle ist kurz, aber toll. Von oben oder im Fernsehen wirkt es länger, aber gut. Wir sind im Ziel. Tatsächlich haben wir vier es geschafft und den Frankfurt Marathon 2018 in unsere Wettkampfstatistik gepackt. 6km auf der Strecke. Für mich bisher unvorstellbar und heute, zack, geschafft.

Mit meiner Medaille um den Hals sage ich der Chefin, dass mein nächstes Ziel der Silvesterlauf in Frankfurt ist. Da läuft man 10km. Das sind ja nur 4km mehr. Wir arbeiten daran, sagt sie und ich weiß, dass sie und ich alles dafür geben werden. Danke Chefin, dass Du so an mich geglaubt hast. Danke Lovis, dass Du da warst und egal wie lange gewartet hättest. Danke Räuberhauptmann, dass es für Dich ok war, dass ich den Schnitt merklich gesenkt habe. Danke Lisabet, dass entschuldigen blöd ist und Du bei mir geblieben bist. Danke an alle an der Strecke und an die ganzen Helfer, die mich angefeuert haben, es war wirklich großartig!

Eigentlich ist mein Lauf nicht postbar, weil es nur 6km waren und der Abenteurer erst ab 10km seine Läufe für postbar erklärt. So war ich heute also irgendwie unter dem Radar unterwegs… aber da ich bis km19 gelaufen bin, könnte es doch wieder als postbar gelten. 19 ist immerhin deutlich mehr als 10. Ich hatte keine Zeit das herauszufinden und mache es deshalb einfach.

Clauditries

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

Meine Kontaktdaten findet Ihr im Impressum!
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Über Clauditries

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