Mehr als zuvor


Im letzten Jahr war ich morgens oft vor der Arbeit schwimmen. Dafür hat sich bei mir das Hallenbad im Frankfurter Stadtteil Höchst angeboten, der Verkehr war morgens immer noch ganz ok und der Weg zur Arbeit von dort ist übersichtlich. Die Parkplatzsituation ist, wenn kein Wochenmarkt stattfindet, vorbildlich, aber trotzdem ist mir die Schwimmerei mehr als einmal auf die Nerven gegangen. Morgendliches Schwimmen mögen eben nicht nur kraulende Arbeitnehmer mit Trainingsplan. Das ist so ein bisschen wie ein sonniger Samstag, wo Spaziergänger, Radfahrer, Kinder und Hundeführer alle gemeinsam am Main unterwegs sind und keiner Spaß hat, weil sich jeder über den Zeitvertreib des anderen ärgert.

Für mich war also schon seit längerem klar, dass ich für das morgendliche Schwimmtraining eine Alternative brauche. Ich habe gerne Spaß beim Training und finde es blöd, wenn ich entweder getreten werde, weil ein Brustschwimmer panisch seine vermeintliche Bahn, weil hier halt immer geschwommen wird, verteidigt, oder wenn ich Schlangenlinien schwimmen muß. Manche meiner Übungen erfordern auch mehr Konzentration, so dass ich da auch wirklich gerne ohne hektisches nach vorne absichern umherschwimmen möchte. Das ist ja eigentlich auch nicht zu viel verlangt, finde ich zumindest. Wenn man aber einfach so morgens schwimmen möchte, ist es eben doch zu viel. Ohne eine weitere Vereinsmitgliedschaft läßt sich mein morgendliches Schwimmvorhaben praktisch nicht realisieren.

Und da ich den letzten Winter nicht wiederholen werde, fahre ich heute morgen um 6:20h zum Schwimmbad, parke auf einem bereits gut gefüllten Parkplatz und zeige beim Betreten des Schwimmbads meinen neuen Mitgliedsausweis vor. Um mich rum Radfahrer, denen morgendliches Schwimmen offensichtlich nicht ausreicht und die nur einen winzigen Rucksack dabei haben. Gegen meinen Rucksack ein Witz. wie machen diese Sportler das bloß? Wir laufen zur Umkleide und der Adler, der mir auf der Frankfurter Marathonmesse schon alles zum Verein und zum morgendlichen Schwimmtraining erklärt hat, begrüßt mich und kündigt einen 1000m Test an. Na bravo. Das geht ja gleich richtig los hier. Steckt wahrscheinlich mit der Chefin unter einer Decke?

Die Umkleide ist fast verwaist, wir sind vier Frauen und ich stelle mich gleich vor. Die Anderen sehen wahnsinnig fit aus, und wenigstens haben sie größere Taschen dabei, als die Radfahrer. Das beruhigt mich irgendwie. Immerhin fahre ich im Anschluß an das Schwimmtraining ja direkt ins Büro, da reicht mir schon der Abdruck meiner Schwimmbrille, in Joggingklamotten will ich da dann doch nicht ausdrücken. Sicherlich werde ich das Packen meines Schwimmrucksacks über die Zeit noch ein bisschen perfektionieren können. Umgezogen marschiere ich zum Beckenrand und erfahre, dass wir uns erst mal 200m einschwimmen. Aha. Geht gleich richtig los hier. Nach dem Einschwimmen machen wir für meine Verhältnisse mehr als ausreichend lange Technikübungen und Sprints nach Ansage des Adlers, der die ganze Zeit am Beckenrand hin- und herfliegt. Ich dachte ja, es gibt einen 1000m Test, aber gut, hab ich wohl falsch verstanden?

Nein, habe ich nicht. Der 1000m Test kommt und während ich mich relativ schnell verzähle und meine Uhr mir wegen falscher Bedienung auch keine Hilfe ist, nehme ich mir vor, dass ich mich einfach blind auf den Mitschwimmer verlasse, der immer eine halbe Bahn vor mir schwimmt und auch 1000m absolvieren wird. Jedes Mal, wenn er mir wieder entgegen kommt, bin ich überrascht und denke mir, dass wir es doch schon längst geschafft haben müssten. He he… aber er kann zählen und 20 Minuten, die ich ja wohl mal mindestens brauchen werde, sind halt eben auch kein Fingerschnipp. Was 1000m lang sein können, ist ja total verrückt.

Im Anschluß schwimme ich mich noch aus und mache noch zahlreiche lockere Meter, dann steige dann nach 1,5 Stunden und unheimlich vielen Metern in den Armen und Beinen, aus dem Becken. Die Zeit ist geflogen, das hätte ich nicht gedacht. Wenn ich alleine schwimme, mit dem Plan der Chefin, schaffe ich es motivationstechnisch maximal auf 60 Minuten. Meist bin ich nach 45 Minuten schon so lustlos, dass der Plan notdürftig, wegen Zeitmangel, gekürzt und gar nicht komplett absolviert wird. Und hier schwimme ich jetzt einfach mal so das Doppelte. Ist ja total verrückt. Der Adler sagt, dass es am Dienstag früh dann gleich weitergeht und ich prima in seinem Training mitschwimmen kann. Jetzt muß ich mich nur zweimal die Woche morgens entsprechend organisieren, aber das hat ja im letzten Jahr auch geklappt. Es wird also auch in diesem Winter kein Problem sein.

Und was der neue Verein sonst noch so zu bieten hat schaue ich mir jetzt die nächste Zeit mal in aller Ruhe an. Sicherlich gibt’s noch andere Trainingsangebote, die ich -wenn mein Knie wieder richtig fit ist- ebenfalls in meinen #juditathleten Trainingsplan einbauen könnte. Manche Trainingseinheit geht ja auch leichter von der Hand, wenn man Gesellschaft hat. Wir werden sehen. Heute im Büro bin ich auf jeden Fall schon mal hochzufrieden.

Clauditries

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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Über Clauditries

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