Lohnt es sich? 1


Ich zweifle. Schon seit dem es mit dem Jahr losgegangen ist. Ich zweifle, weil ich das Training das im Plan steht schaffe, wenn ich ein paar Tage frei habe, weil das Land mich mit Feiertagen gesegnet hat, aber sobald ich arbeiten gehe, bin ich zeitlich so Land unter, dass ich nicht alle Einheiten auf dem Plan abarbeiten kann. Oder ich arbeite sie ab, bin aber dann so müde und ausgelaugt, dass andere Sachen liegen bleiben. Meine Zweifel sind wirklich da. Warum muß es ein Trainingsplan sein? Zudem noch einer von einer professionellen Trainerin, die ihn extra für mich schreibt. Ich bezahle sie dafür, dass sie mir aufschreibt, wie meine Woche von sportlicher Seite her aussehen soll. Ich vertraue ihr mehr, als einer Zeitschrift, die einen Plan für die Allgemeinheit aufstellt, weil sie auf meine Wehwehchen und Themen eingeht.

Sie weiß, wann ich auf Geschäftsreise gehe und wie ich dann sporteln kann. Aber natürlich kann sie, genauso wenig wie ich selbst übrigens, im Vorhinein wissen, welche kreativen Nummernzusammenstellungen mich an welchem Tag wie lange an den Schreibtisch ketten. Außerdem weiß die Chefin natürlich auch nicht, wie ausgelaugt ich vom Arbeitsalltag bin, weil ich das oft selbst nicht im Vorhinein sagen kann und manche Angriffe auf meine mentale Fitness auch oft ganz spontan passieren, weil mir jemand eine wirklich sehr zermürbende Frage stellt, deren Antwort Dinge ans Licht bringt, die eine neue Baustelle eröffnen, die mich erneut beschäftigen wird. Ich bin mir nicht sicher, wie ich meinen Beruf am Besten beschreiben könnte… aber ich weiß, wenn ich Kinder hätte haben wollen, dann hätte ich sie längst. Ich wäre längst Mutter, oder hätte zumindest alles dran gesetzt mittlerweile Mutter zu sein.

So ist es aber nicht. Also zweifle ich, ob es wirklich sinnvoll ist, die Chefin jede Woche mit der Erstellung meines Trainingsplans zu beschäftigen und dann fällt doch immer eine Einheit aus. Ein klares Ziel, außer fit werden und -natürlich- irgendwann der Ironman, steht ja auch nicht an, dafür reicht die Stabilität des Knies lange nicht und auch die Chefin sagt, ich sei einer der geduldigsten Athleten, die es so gibt. Trainieren, ohne Aussicht auf Erfolg, zumindest ohne richtig großen, messbaren, belohnt mit einer Medaille Erfolg… lohnt sich dafür ein Trainingsplan?

Heute glaube ich, dass der sich lohnt. Ich glaube das heute deshalb, weil ich müde und sehr spät aus dem Büro heim komme, auf der überraschend schnellen Heimfahrt nicht wirklich Zeit zum abschalten hatte. Außerdem habe ich die Themen von meinem Schreibtisch noch immer im Kopf, als ich den Zeugwart daheim auf der Rolle begrüße. Er fährt bei FulGaz und ist virtuell, aber mit dem Realvideo auf Mallorca unterwegs. Ich bin wirklich gespannt, wie wir dann im Trainingslager wirklich unterwegs sind. Ich ziehe mich zum Krafttraining um. Heute früh konnte ich nicht zum Schwimmtraining des Adlers fahren, ich war einfach zu gerädert um um 5h aufzustehen.

Deshalb will ich also heute das Training von morgen absolvieren und morgen gehe ich dann Schwimmen mit dem Lieblingsverein. Das ist sicherlich nicht nach Plan, aber es ist bestimmt besser als die Einheiten ausfallen zu lassen. Vor allem, wo ich die Schwimmmöglichkeit ja morgen Abend habe. Ich ziehe mich also für das Krafttraining um und lege die Matte aus. Mir tut alles weh und trotz genügend Ablenkung schaffen es meine Gedanken nicht vollumfänglich sich vom Jahresabschluss und dem langen Zettel mit Aufgaben, die morgen abzuarbeiten sind, zu lösen. Wie es die Chefin auf den Plan geschrieben hat, absolviere ich ein 30 Minütiges Training. Ich nutze die letzten paar Minuten dazu ausgiebig zu dehnen. Das ist nämlich einer der Wege zur Lösung meines Knieproblems, sagt Sortiert und die weiß immerhin Bescheid.

Am Ende bin ich sehr froh über das Training. Ich weiß auch sehr genau, dass ich ohne den Trainingsplan heute ganz sicher nicht trainiert hätte. Sehr zufrieden trage ich der Chefin heute ein,  dass ich mich sehr müde gefühlt, das Training aber trotzdem durchgezogen habe. Die Zweifel der letzten Tage, ob ich wirklich einen Trainingsplan brauche, kann ich damit erst mal wegwischen. Mein Wohlbefinden ist mir die Sache einfach wert und ich kenne mich gut genug, dass ich weiß, wenn es einfach nur als Ratschlag in der Zeitung steht, lasse ich es leichter ausfallen, als wenn ich der Chefin melden muß, dass ich lieber auf der Couch gesessen habe.

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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Ein Gedanke zu “Lohnt es sich?

  • Helge Orlt

    Liebe Claudi,
    mit dieser Frage bist du nicht alleine. Ich habe auch oft Zweifel und das, obwohl ich ja ein festes Ziel habe.
    Du hast ja auch eines, es ist halt nur langfristiger und noch nicht auf ein bestimmtes Datum gelegt.
    Aber am Ende deines Beitrags gibst du quasi diese eine Antwort, die ich sehr wichtig finde und die auch meine Rechtfertigung ist: würde man nur irgendwas nehmen, was in irgendeiner Zeitung steht oder im Internet, dann würde die ein oder andere Einheit auch viel leichter und öfter ausfallen. Weil man sich nicht angesprochen fühlt, weil man kein Feedback geben muss.
    Ich kann meinem Trainer ja schlecht schreiben, das ich einfach lieber auf der Couch geblieben bin :-)))
    Und so macht man das Training halt.
    Und hinterher ist man total froh.
    Also machen wir weiter :-)
    Liebe Grüße
    Helge

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