Gewürfelte Hutschnur


Die arme Chefin. Da schreibt sie mir so schöne Dinge auf den Trainingsplan und ich würfel alles irgendwie durcheinander, damit es zu meinem Lebensmodell mit verrückten Zahlen, kreativen Ideen und intensiver Strukturfreiheit passt. Eigentlich komisch, dass ich mich in diesem Arbeitsumfeld so wohl fühle, wo ich gerne pünktlich bin, gut Regeln befolgen kann und der Meinung bin, dass 2+2=4 ist. Offenbar bin ich auf der Welt damit in der Minderheit, aber manchmal sind Minderheiten eben genau das, was man braucht.

Heute steht das bereits gestern absolvierte Krafttraining im Plan und heute mache ich dafür das Schwimmtraining von gestern. Es war sicherlich nicht so gedacht, aber ich glaube, es ist besser als beide Trainings ausfallen zu lassen. Also würfel ich durcheinander und gehe heute zum Vereinsschwimmtraining. Unsere Bahn ist belegt, ehe wir drauf können und dank meiner anstrengenden Woche geht mir schon die Hutschnur hoch, wenn die Vorschwimmer es für selbstverständlich halten, dass sie ihre Zeit überschwimmen dürfen. Es ist ja nicht so, als würden wir hier nicht bereits in Wartestellung stehen. Manch ein Sportler hat einfach ein interessantes Selbstverständnis.

Ich gehe also einfach ins Wasser und teile dem Schwimmer mit, dass wir jetzt hier schwimmen. Anscheinend so bestimmt, dass er sofort die Bahn räumt. Ich wollte das jetzt nicht ganz so bestimmt rüber bringen, aber im Endeffekt tut er ja jetzt das, was ich wollte. Er versteht, dass er sich zu unserer Uhrzeit nichts auf unserer Bahn erlauben kann. Das Selbstverständnis habe ich kurz in meinen Rahmen gepresst. Wir räumen die Bahn auch immer pünktlich. Ist ja auch nicht schwer, an der Wand hängt eine große Uhr.

Mein Programm stelle ich mir aus verschiedenen Trainingsplänen zusammen. Ich arbeite nach dem Bausteinprinzip. Heute schwimme ich 200m ein, in verschiedenen Lagen und freue mich, dass das Wassergefühl sofort da ist. Selbst beim Rückenschwimmen komme ich sofort vom Fleck. Danach schwimme ich 1000m Technik, immer im 200m Block und davon immer 25m die Übung und 25m locker. Das klappt total gut, ist überhaupt nicht langweilig und die Zeit vergeht wie im Flug. Unglaublich, was ich mich in der Vergangenheit manchmal gequält habe, heute geht’s zack zack. Nach dem Technikteil geht es mit einem lockeren Block ohne Hilfsmittel weiter, als hätte ich nie etwas anderes gemacht.

Obwohl ich unter die Würfler gegangen bin, passt mir das Training heute auch kraftmäßig ganz gut. Ich power mich ziemlich aus, aber weil ich morgen etwas länger als sonst schlafen kann, passt das hoffentlich. Und weil ich so auch nicht ganz so viel Training ausfallen ließ, wird die Chefin vielleicht auch etwas zufriedener sein, als mit Ausfällen. Wie ich das Wochenende gestalten soll weiß ich auch nicht nicht, wir haben so viele Termine reingepackt, dass kaum Zeit für Sport bleibt, aber darum kümmere ich mich dann, wenn es soweit ist. Heute genieße ich nach dem Training erst mal die warme Dusche und wundere mich weiterhin über die eiskalte Umkleidekabine. Daheim falle ich praktisch ohne Umweg nach dem Essen direkt ins Bett.

Clauditries

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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Über Clauditries

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