Ein Vergnügen


Wir sind heute beim schwimmen früh eine angemessene Anzahl an Sportlern um in die Traglufthalle vorgelassen zu werden und weil wir uns heute auch anscheinend besonders flott umziehen, hüpfe ich so super pünktlich ins Becken, dass es einem schon fast Angst macht. Alle machen das so, also fast alle. Manche stehen auch erst Arme kreisend am Beckenrand und hüpfen erst rein, als ich die ersten 200m schon absolviert habe. Der Sinn des Arme Kreisens hat sich mir noch nicht vollumfänglich erschlossen, ist aber auch egal. Selbst der Adler konnte mir keinen wirklich Sinn dieser Aktion sagen, und er ist immerhin der Trainer.

Wir schwimmen und schwimmen und der Adler taucht nicht auf. Die Nebenbahn will von mir wissen, wo er ist. Interessanter Ansatz, aber ich kenne den Adler nicht mehr oder weniger, als wahrscheinlich alle auf der Nebenbahn und von daher kann ich zu seinem Verbleib ganz sicher nichts hilfreiches beitragen. Ich vermute, er hat verschlafen, aber mitgeteilt hat er es mir natürlich nicht. Wie auch, wenn er tatsächlich verschlafen hat? Dann schläft er ja. Anscheinend hat er den Schnellen im Becken für den speziellen Fall des Nichterscheinens aber schon ein paar Übungen auf den Weg mitgegeben. Quasi als Vorbereitung des Ernstfalls, so scheint es mir.

Ich schwimme mich also ein, bis sich alle am Anfang des Beckens sammeln, und habe dann 500m auf der Uhr. Dann geht’s mit den ersten 4x50m los und weil die ja flott absolviert sind, gebe ich mir Mühe zack zack zu machen. Die Nebenbahn hat dabei noch immer die bislang ungeklärte Frage, wo der Adler denn ist und ich kann sie leider immer noch nicht beantworten. Ganz im Gegensatz zu den offenbar viel zu hohen Erwartungen der Mitschwimmer, hat der Adler sich mir noch immer nicht mitgeteilt. Nach den 4x50m schwimme ich mal 100m locker mit Flossen und dann ist der Adler da. Seinen Wecker hat er ausgeschaltet, statt ihn weiterzudrücken. Also verschlafen, wie ich es vermutet habe, ich bin eben doch ein Adlerkenner.

Bei dem Wetter, der Kälte und der Uhrzeit auch irgendwie kein Wunder. Der Adler ist ja auch freiwillig hier. Also wir alle sind das, aber für den Adler ist es Arbeit, für uns Vergnügen. Zumindest sollte es Vergnügen sein. Alles andere wäre ja Irrsinn, denn zumindest mich zwingt keiner hier morgens in Erscheinung zu treten. Ich finde das morgendliche Schwimmen zwar manchmal anstrengend, weil es eben ein frühes Aufstehen voraussetzt und ich auch gerne manchmal noch ein bischen liegen bleiben würde, aber im Grunde finde ichspätestens dann, wenn wir fertig sind immer toll. Was ich nicht so super finde, sind die Pandaaugen, die meine Schwimmbrillen mir regelmäßig machen, aber ich glaube, meine Kollegen haben sich mittlerweile eh dran gewöhnt und es wäre schon fast komisch, wenn ich nicht mindestens zweimal die Woche mit denen ankommen würde.

Der Adler teilt uns unser weiteres Programm mit und wie so oft ist es eine Abfolge von einigen Bahnen mit unterschiedlichen Übungen, die ich mir merken und wiederholen muß. Das ist auch etwas feines am Schwimmtraining. Ich bin manchmal einfach so versunken genau die Übungen durchzuführen, die eben auf dieser Bahn angesagt sind, dass ich alles andere vollkommen vergesse. Da kann es noch so stressig sein mit dem Jahresabschluß, hier kann ich diesbezüglich tatsächlich richtig gut abschalten. Einfach weil ich nicht gleichzeit Schwimmaufgaben abarbeiten und mich auf die Arbeit konzentrieren kann. Eine perfekte Abschalttaktik für meinen Kopf also. Und früher fand ich Schwimmen öde! Wer hätte das gedacht?

Als ich heute nach über einer Stunde aus dem Becken steige, genieße ich die Dusche wirklich sehr. Wenn ich mich auf die Abfolgen konzentriere, ist es einfach anstrengender. Heute verabschiede ich mich beim Adler und melde mich für die nächste Woche vom Training ab. Ich weiß nicht, ob das notwendig ist, aber ich finde es nett. Nächste Woche bin ich nämlich geschäftlich in Florida. Ich bin gespannt, ob da überhaupt geschwommen wird, obwohl der Staat ja am Meer liegt.

Clauditries

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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Über Clauditries

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