Was das Laufen für mich ist…


Warum es letzte Woche so schön war und das Wochenende nun mit Bewölkung und ungemütlichem Wind daherkommt, das weiß natürlich mal wieder keiner. Ich dachte, Gott Jokus würde sich am Fastnachtswochenende um gutes Wetter kümmern, aber so wirklich gut ist das nun wirklich nicht. Schon gar nicht im Bezug auf die anstehenden Umzüge. Nicht, dass ich zu einem hingehen wollte, aber wenn die in langer Vorarbeit designten und gebauten Wagen, die Pferde und Kutschen und alle Fahnen nicht auf die Strecke dürfen, ist so ein Umzug ja wirklich nur halb so schön. Wie schade für die Narren.

Auf meinem Trainingsplan steht für heute Rad fahren. Was hat die Chefin da nur für ein Wetter bestellt? Zum radeln braucht es zwar keine Windstille, aber so heftig muß es nun auch nicht wehen! Zumal wir mit den Crossern ja auch gerne mal durch den Wald fahren und da nun allerlei von den Bäumen runterfliegt. Wir planen also um. Heute wird nicht geradelt. Obwohl ich sehr gerne Crosser fahre. Aber wenn heute einfach kein guter Tag dafür ist, dann muß man das einfach akzeptieren. Bringt ja auch nicht so viel sich gegen das Wetter zu wehren. Ist wie gegen Windmühlen kämpfen. Das mache ich schon nicht auf der Arbeit, warum also in meiner Freizeit?

Heute wird also nicht geradelt. Weder drinnen, noch draußen. Denn wenn ich schon mal bei Tageslicht Sport machen kann, dann mache ich das natürlich draußen. So schlecht kann das Wetter nicht sein, dass ich nicht wenigstens walken gehe. Ich muß mich damit wirklich erst anfreunden, das gebe ich zu. Es ist nicht so leicht für mich, einfach immer alles hinzunehmen, und einfach immer weiter zu machen. Jedes Mal walken fällt mir schwer. Nicht, weil es anstrengend ist, sondern weil ich einfach viel viel lieber laufen würde. Aber das ist schlecht für mein Knie.

Und nicht laufen ist schlecht für mein Gemüt. Zumindest, wenn es ums laufen geht. Ansonsten merke ich kaum, dass ich lieber laufen würde, aber wenn ich mich zum laufen anziehe um dann walken zu gehen, macht sich mein Gemüt eben bemerkbar. Ich packe also Fastnachtsmusik auf meine gewonnen Kopfhörer, weil das zum Tagesmotto passt und walke los. Fastnachtsmusik ist ja vom Prinzip her wie Ballermannmusik. Viel Takt, wenig Textinhalt und unzählbare Wiederholungen, damit man das auch noch mit ordentlich Promille im Blut mitsingen kann.

Für das Walken genau die perfekte Musik heute. Ich überhole zahlreiche andere Walker, weil die Musik einfach den perfekten Takt vorgibt. Ab und an muß ich aber ein Lied abbrechen und weiter drücken, weil die Texte wirklich so abgrundtief niveaulos sind, dass ich es selbst als Hintergrundmusik beim walken nicht aushalten kann. Andere Texte sind regelrecht motivierend und machen Spaß, am Ende weiß ich aber praktisch keine einzige Textzeile mehr. Das Walken schafft es, wie das Laufen, die Gedanken einfach wegzutragen.

Ich denke an Luke Perry, den Held meiner Jugend, einem Star aus der Serie „Beverly Hills 90210“, die ich verschlungen habe. Der hatte vor ein paar Tagen einen Schlaganfall. Jahrelang habe ich nicht an ihn gedacht. Wirklich. Jahrzehntelang. Und jetzt? Seit der Nachricht denke ich ständig an ihn und die Serienfigur, der er den Charakter verliehen hat, der zum Schwarm meines frühen Jugend-ichs geworden ist. Ich bin mir nicht sicher, was ich dem 52 jährigen Schauspieler wünschen soll, außer einer vollständigen Genesung, und vom Grundsatz her, ist es auch egal, denn das, was er für mich war, werde ich nie für ihn sein. Manchmal ist das so.

So ist das auch mit dem Laufen. Was das Laufen für mich ist, kann das Walken niemals sein.

Clauditries

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Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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Über Clauditries

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