Unbeholfen auf dem Feld


Die Chefin hat meine ständigen Trainingsausfälle an Mittwochen erhört und hat für den gestrigen deshalb einen Ruhetag aufgeschrieben. Ist ein bisschen wie Spülmaschine ausräumen… wenn man nur oft genug etwas fallen lässt, dann muß man die Arbeit auch nicht mehr machen. Der gestrige Ruhetag tat auf jeden Fall sehr gut. Und zusätzlich hatte ich auch kein schlechtes Gewissen, weil es ein Ruhetag war. Perfekte Kombination also. Heute dagegen steht gleich wieder etwas auf dem Trainingsplan drauf. Die Chefin möchte, dass ich gut vorbereitet nach Mallorca ins Trainingslager fahre.

Ich bin mir gar nicht so sicher, ob Trainingslager für mich die richtige Bezeichnung ist. Wie schon im letzten Jahr werde ich eine Woche mit Radfahren und guten Freunden auf Mallorca verbringen. Ich habe ja kein Saisonziel und außer dem großen Traum vom Ironman hängt da auch nichts in der Reihe. Und der ist ja noch so weit weg. Ein Traum eben.

Wie auch immer hat die Chefin für heute einen Lauf aufgeschrieben. Und weil ich weiß, dass der Verkehr am Gründonnerstag unterirdisch schlecht sein dürfte, habe ich heute früh meine Sporttasche entsprechend zusammengepackt und alles notwendige für einen Lauf nach der Arbeit eingepackt. Das Wetter ist heute ja so richtig herrlich und soll es auch über das komplette Osterwochenende sein. Prima Aussichten also.

Auf der Arbeit ist heute viel los und bis ich einigermaßen Land sehe ist der Verkehr zu einem solchen Knäul herangewachsen, dass mein Heimweg, der üblicherweise rund 30 Minuten dauert, auf gute 2 Stunden angewachsen ist. Das kommt natürlich nicht in Frage. Ich stelle mich da auf gar keinen Fall hinten an, das ist total verlorene Zeit. Also ziehe ich mich zum laufen um. Eine gute Trainingsvorbereitung ist alles und ich bin froh, dass ich mittlerweile so routiniert bin, dass ich scheinbar automatisch an alles denke, was für einen Lauf notwendig ist. Und auch an all das, was ich einfach gerne dabei habe.

Meine Kopfhörer zum Beispiel, die ich gewonnen habe. Die sind dabei und auch noch geladen. Vorbereitung ist wirklich das A und O. Für heute hat die Chefin einen Lauf mit Gewichten aufgeschrieben. Ich soll eine Stunde mit Gewichten an den Händen durch die Gegend walken. Mmhh. Sieht das nicht sehr bescheuert aus? Auf der anderen Seite ist es ja auch ziemlich egal, wie es aussieht, so möchte man meinen. Sie wird schon wissen, warum sie sowas auf den Plan schreibt. Erfreulicherweise habe ich an die Gewichte also auch gedacht.

Läuft bei mir irgendwie. Also bin ich flott umgezogen und dann auch schon auf der Strecke. Die Uhr läuft, die Musik auch und die Gewichte sind an der Frau. Ich versuche weiterhin das Walken nach Robert und setze die Füße möglichst unter meinem Körper auf, nur um dafür das Knie entsprechend anzuheben. Zusätzlich muß ich die Gewichte jonglieren. Also natürlich nicht richtig, aber schon das halten und parallel zum Körper hantieren erscheint mir eine regelrechte Zirkusnummer. Irgendwie will ich die Arme eher nach Außen richten, als sie parallel und dadurch sinnvoll in den Vortrieb zu investieren.

Wirkt alles sehr unbeholfen heute. Ich blicke über die Weite der Felder und stelle fest, dass der angedachten Weg für heute unfassbar weit erscheint. Die Chefin hat eine Stunde aufgeschrieben und durch die vermeintliche Hügeligkeit der Landschaft hier, bin ich sicher, ich schaffe da nur knappe 6km. Zusätzlich bewege ich mich nach einem langen Arbeitstag, bin also nicht morgendlich taufrisch und voller Energie unterwegs. Aber die 6km Runde sieht von so weit weg wirklich extrem aus.

Das Wetter hält, was es versprochen hat. Der Wetterbericht hat für heute ja wirklich alles gegeben und ich genieße die Wärme und die tolle Sonne. Die Gewichte an meinen Armen sind extrem schwer. Ich glaube, die Chefin will mich damit wirklich so richtig fertig machen. Ich benutze XCOs, die ja extra für Läufer gemacht sind. Die habe ich vor Jahren mal gekauft, beim Training für einen Womansrun. Ob ich damals und heute die richtige Zielgruppe bin kann man sicherlich diskutieren, aber als dynamische Schwungmasse in den Händen erfüllen die Dinger auf jeden Fall den Zweck „Gewichte in den Händen“, den die Chefin erreichen wollte.

So hat so ein altes Zeug auch tatsächlich mal eine ordnungsgemäße Verwendung. Das ist doch top. Ich erreiche die Eckpunkte meiner Strecke, obwohl sie wirklich extrem weit weg erschienen. Irgendwie cool, dass ich mich anscheinen vorwärts bewege. Fühlt sich kaum so an. Meine Arme können ja wirklich gar nichts. Verrückt. Und das trotz Schwimmen und dem Athletiktraining. Wobei letzteres ja im Prinzip gar nichts für die Arme tut. Aber egal.

Nach einer Stunde bin ich tatsächlich wieder zurück am Schreibtisch. Wie es die Chefin vorausgesagt hat, habe ich die 6km absolviert und wie ich es vorausgesehen habe, habe ich nun ordentlich müde Oberarme. Vielleicht hilft mir das Training ja für die Durchführung des Liegestützziels? Jetzt muß ich mir erst mal überlegen, ob ich den Stift wirklich vom Schreibtisch hochnehmen möchte, oder ob es auch ohne Stift geht.

Clauditries

Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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