Bahnenschwimmen im See


Mit eines der besten Dinge am Sommer im Raum Frankfurt sind die Swimnights am Langener Waldsee. Freiwasserschwimmen ist einfach toll und ich genieße die Wendenfreiheit und die Weite immer ganz besonders. Heute fahren wir extra etwas früher an den See, denn Eva, die mir auf dem Fahrrad etwas Rückenwind beschert hat, bzw. sie ist noch dabei, gibt heute ein Seminar im Freiwasser. Es gibt viele Athleten die Schwimmen ziemlich uncool finden. Teilweise kommt Panik auf, weil die Orientierungslinien und der Rand, die im Becken die Begrenzung und Sicherheit geben, nicht da sind.

Anders als ich, die die Weite genießt und die Enge des Schwimmbades oft als nervig empfindet, stehen solche Athleten angsterfüllt am See und wissen mit der Freiwassers nichts anzufangen. Statt sie zu befreien, engt es deren Seele ein. Sie können die Weite nicht genießen. Eva möchte ihnen dabei helfen, dass das Freiwasser auch nur eine Trainingseinheit ist und eben keine Angst macht. Kurz bevor es für die Seminarteilnehmer ernst wird, erwischen wir Eva noch und wir haben Zeit kurz zu sprechen. Total vertraut, weil sie eben genau weiß, was das Thema ist. Wirklich toll.

Zurück am Auto beginnen wir mit dem umziehen und tatsächlich beginnt es natürlich just in dem Moment zu regnen. Wäre egal, wenn wir schon beim schwimmen wären, aber so? Nass in den Neo zu hüpfen ist total ätzend. Ich beeile mich also, wackel rum, wie ein Anfänger und bin dann schlußendlich doch irgendwie drin. Der Baum unter dem ich stehe hat offenbar nicht verstanden, dass er den Regen eigentlich mit seinem dichten Blätterwerk abhalten sollte… aber gut. Was nicht ist, kann ja noch werden. Wir laufen im Regen zum See, was aber egal ist, denn nass werden wir ja sowieso. Und als ich in den See marschiere um den Anzug zu wässern, da hört der Regen auf.

Heute will ich versuchen zwei kleine Runden zu schwimmen und so warte ich ab, bis die meisten Athleten gestartet sind und schwimme dann los. Mein Anzug ist nicht besonders gut gewässert, das merke ich jetzt. Aber egal. Wenigstens hab ich  meine Uhr gestartet. Das ist doch schon mal etwas. Lustig dabei ist, dass ich mir bis zur ersten Boje überlege, in welcher Disziplin ich sie gestartet habe. In meiner Uhr kann ich zwischen den unterschiedlichsten Disziplinen auswählen: Wandern, laufen, Freiwasser, Cardio, Krafttraining und Bahnenschwimmen, also Schwimmbad. Und bis zur ersten Boje bin ich sicher, dass ich tatsächlich Schwimmbad eingestellt habe.

Quasi war da einfach die Routine vom vergangenen Dienstag der Herr der Auswahl… nun gut. Ich überlege mir bis zur zweiten Boje, was da wohl jetzt sinnvollerweise zu tun ist. Anhalten? Zwischenspeichern? Auf keinen Fall. Ich schwimme jetzt erst mal weiter, so wichtig ist das jetzt ja auch nicht mit der Uhr. Und außerdem bin ich gerade offenbar voll auf der Überholspur? Zumindest ziehe ich an einigen Mitschwimmern regelrecht vorbei. Als ich zurück zum Ufer abbiege hole ich einen Sprudelbad Verursacher ein, der so viele Blasen macht, dass ich das Gefühl habe regelrecht an die Wasseroberfläche getragen zu werden. Meine Wasserlage verändert sich signifikant.

Der Typ muß entweder krasse Beinmuskeln haben, oder so gut trainiert sein, dass ihm die Beinschlaggeschwindigkeit als normal vorkommt. Ich auf jeden Fall finde es ziemlich beeindruckend, wie man so einen Wirbel machen kann. Jetzt hört er auf einmal plötzlich auf zu paddeln und weil ich ja eh gerade da bin, frage ich ihn mal, ob er Hilfe braucht. Er schaut sich total verwirrt um und verneint. Irgendwie wirkt er komisch, aber nicht panisch. Mehr so, als wäre er überrascht, dass er hier ist und nicht im Meer, oder sowas… er schwimmt dann aber weiter, ohne Probleme. Offenbar nur ein wacher Moment beim Turbopaddler.

Zurück am Ufer stoppe ich meine Uhr. Ich bin genau eine 25m geschwommen bekomme ich mitgeteilt. Und es sei keine Bestzeit. Nun ja, da wäre ich zur Not auch noch selbst drauf gekommen. Ich speichere also zwischen und wähle als Disziplin nun das Freiwasserschwimmen aus. Dann starte ich meine zweite Runde. Mein Orientierungsschwimmen hat überhaupt nichts gebracht am Dienstag. Außer vielleicht, dass es im Schwimmbad gut funktioniert hat. Hier am See schwimme ich zwar gerade, aber vom dem toll einstudierten Rhythmus und dem perfekten Schauen und dann beim nächsten Mal Atmen ist hier nichts zu merken.

Ich habe das Gefühl, ich mach halt einfach, aber von Takt ist da nichts zu sehen. Es wirkt unkoordiniert. Aber gut. Ich komme an. Das ist ja die Hauptsache. Und diese Runde hat die Uhr sogar mit ordentlich Metern aufgezeichnet. Das ist doch mal ein Erfolg. Für den Verwender der Uhr. Manchmal muß man die Dinge einfach nur richtig benutzen. Am Ufer warten die Männer bereits auf mich. Der Zeugwart ist ebenfalls zwei Runden geschwommen, Walter Mitty ist schon da und William Thacker wartet ebenfalls. Der hat nämlich eine Wette verloren und lädt uns deshalb im Anschluß an das Schwimmen zum Pizza essen ein.

Ich bin nämlich ein regelrechter Wettkönig.

Clauditries

Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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Über Clauditries

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