Mein Gemüt


Ich begebe mich nicht in den inneren Krieg mit mir selbst. Heute nicht. Das Radfahren an einem Samstag passt nicht zum Rhein-Main-Gebiet und auch nicht zu meinem Gemüt. Die Chefin hat zwar radeln auf den Plan geschrieben und schreibt, dass ich einen Umweg zur Eisdiele nehmen soll, aber mir ist weder nach Eisdiele, noch nach Rad fahren. Samstags sind alle auf der Strasse unterwegs und vor allem fährt jeder zur Eisdiele. Bei der Hitze sind die Menschen unentspannt, Radfahrer sind ihnen im Weg oder nicht schnell genug und die anhaltende Schwüle macht es nicht besser.

Also verzichte ich auf die Eisdiele. Obwohl Eis sicherlich lecker wäre, aber lieber wäre mir jetzt irgendwie doch ein Salat. Oder ein Stück Melone. Aber ich will nicht komplett auf Sport verzichten, nur weil ich heute nicht bereit bin, in den Krieg zu ziehen. Nicht den Krieg mit den anderen Verkehrsteilnehmern, sondern den Krieg mit meinem Gemüt und meiner Seele. Eva hat mir zwar Rückenwind gegeben, aber radeln am Samstag bei der Hitze, ist ein Schwierigkeitsgrad, den ich heute nicht absolvieren kann. Ich bringe mich deshalb auch gar nicht in die Situation.

Eine Entscheidung, die mir leicht gefallen ist, obwohl die Chefin den Trainingsplan eindeutig formuliert hatte. Als Alternative könnte ich walken gehen. Oder ich widme mich dem nächsten Techniktrainingstag auf dem Rudergerät. Nachdem es mittlerweile mit der Koordination tatsächlich immer öfter richtig klappt und ich auch fast automatisch dazu übergegangen bin, meine Handgelenke richtig zu halten, geht es heute um den Rücken. Da bin ich ja mal gespannt. Der Rücken ist nämlich bei mir tatsächlich ein schwaches Glied in der Kette.

Ich habe keine besonders gute Haltung. Wahrscheinlich hatte ich die noch nie wirklich richtig, aber im Alter zeigt es sich eben. Das heißt schlichtweg, dass ich gerne mal im Buckel sitze und nicht aufrecht und gerade. Oftmals bietet sich diese Fragezeichenahltung ja auch an, ganz selten fällt der Buckel wirklich mal auf und stören tut mich diese Haltung so gut wie nie. Sie ist bequem, und die Rückenmuskulatur hat damit höchstwahrscheinlich ziemlich wenig Arbeit. Kein Wunder! Beim Rudern aber, da geht es um einen aufrechten Sitz. Wenn die Hände an den Rumpf kommen, soll ich sogar noch aufrechter als aufrecht sitzen.

Im Videoclip, der mir diesen Teil der Ruderbewegung näher bringt, geht es um eine stolze Körperhaltung. Man möchte meinen, dass mir die nicht so schwer fällt, weil ich nicht besonders groß gewachsen bin und deshalb doch sinnvollerweise eher besonders gerade stehe um Größe zu suggerieren. Aber so ist es nicht. Ich suggeriere gar nichts. Ich stehe einfach krumm. Unfassbar. Vor allem macht es die Sache noch schlimmer, weil ich es ja weiß und es trotzdem tue. Ich erhoffe mir vom rudern also auch, dass ich endlich mal gerade stehen werde. Dauerhaft.

Heute geht es also um den aufrechten Sitz. Eine stolze Sitzposition. Ein gerader Rücken, der seine Haltung nicht verändert, wohl aber seinen Winkel. Denn sind die Beine ausgestreckt, sind die Schulter leicht hinter meiner Hüfte, sind die Beine angewinkelt bzw. im Begriff dazu sich anzuwinkeln, dann sind die Schulter vor der Hüfte. Die Hüfte ist der Winkel. Verstanden habe ich das. Jetzt kommt es auf die Umsetzung an. Und erneut wie beim Lauf ABC, legen wir mit dem Auseinandernehmen des Zuges los und machen kleine Miniablaufübungen.

Rudern ist ja dermaßen anstrengend… wann wird das wohl einfacher? Ich nehme also den Zug mit den Miniübungen weiterhin auseinander, kümmere mich darum, dass alle Ratschläge und Anweisungen umgesetzt werden und merke dabei vor allem meine Rückenmuskulatur. Anscheinend ist da gut was zu holen. Das wäre ja ganz schön.

Clauditries

Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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