Schwimmen statt fliegen


Die erste Swimnight in den Sommerferien und der Zeugwart und ich sind extra früh am Start. Nach dem ich letzte Woche übermäßig lange angestanden habe, ist es uns heute lieber entsprechenden Zeitpuffer zu haben. Und dann kommt alles ganz anders und heute ist überraschenderweise wenig los, am Waldsee. Das könnte natürlich daran liegen, dass alle Ironman Frankfurt Mitmachen heute nicht antreten, weil sie noch einen Ruhetag im Trainingsplan stehen haben. Aber natürlich ist das nicht der Einzige Wettkampf, den es so gibt, also ist es nicht vollständig leer.

Der Frankfurt City-Triathlon mit seinem Schwimmen im Langener Waldsee und der anschließenden kurzen Fahrt in die Frankfurter Innenstadt, wirft seine Schatten auch bereits voraus. Wonder Woman ist ebenfalls für den City Triathlon gemeldet. Es ist ihr erster Ausflug in die Triathlon Welt und dementsprechend aufregend ist alles. Nach dem anmelden, spazieren wir zum Ufer des Sees und machen uns schon mal mit der Strecke vertraut. Karla Kolumna ist nicht zum ersten Mal am See, aber in diesem Jahr war sie noch nicht und so kommt das langsame anfreunden doch ganz gut.

Ich benutze heute zum ersten mal meine neuen Ohrenstöpsel. In den letzten Monaten hatte ich beim schwimmen immer mal wieder Wasser im Ohr, das dann auch stundenlang nicht mehr raus wollte. Das war einfach unangenehm. Also habe ich mir bei einem Hörgeräteakkustiker einen angepassten Spritzschutz für die Ohren machen lassen. Die gekauften Stöpsel von allen möglichen Firmen empfand ich nämlich entweder als unpassend oder unangenehm, oder ich hatte trotzdem Wasser im Ohr, was der Sache ja generell keine Hilfe war. Dann muß ich mir auch nichts ins Ohr stecken… klar.

Heute gibt’s also die Ohrstöpselpremiere. Ich probiere die gleich zu Beginn mal aus und schwimme innerhalb der Schwimmzone einmal hin und her. Wow. Die sitzen ziemlich gut und Wasser habe ich überhaupt nicht im Ohr. Und unangenehm ist es auch nicht. Ich schwimme also ohne Probleme und finde die Investition großartig. Eine der besten Ideen zum schwimmen, die ich seit langem umgesetzt habe. Es war natürlich auch nicht meine eigene Idee… sondern die des Zeugwarts. Wer hätte das gedacht? Wahrscheinlich jeder.

Der Zeugwart ist heute in seinem pädagogischen Element und macht mit Wonder Woman ein paar Testzüge in der Schwimmzone, aber so wirklich wohl fühlen tut sie sich dabei nicht. Wer nicht so gut kraulen kann und sich im Wasser, bodenlos, eh nicht wohl fühlt, der gibt sich im See natürlich kraulenderweise gleich mal die volle Breitseite. Kopf unter Wasser, kaum Sicht, kein Beckenrand, keine Linien auf dem Boden. Stress pur. Ich kann Wonder Woman verstehen, dass sie das wenig beflügelnd findet. Ich bin dafür, dass wir mal langsam beginnen und biete eine Schwimmbegleitung an. Und ob dann gekrault wird, oder nicht, können wir uns ja immer noch überlegen, wenn der See sich entsprechend angenehm verhalten hat und sympathisch ist.

Wir lassen die Masse der Athleten vor. Dazu gehören auch Karla Kolumna, Walter Mitty und der Zeugwart. Sie verschwinden flott im Athletengetümmel im See und sind kaum mehr auszumachen. Lediglich ab und zu denke ich, dass ich die Tricampanzüge mit ihren gut sichtbaren gelben Ärmeln noch mal sehe. Wonder Woman und ich haben Zeit. Es ist wirklich erstaunlich, wie respekteinflößend ein See sein kann und wie wenig beeindruckend zur gleichen Zeit. Es ist nicht so, als hätte ich Seeschwimmen als Kind gemacht, aber manchmal liegt einem ja etwas ein bischen mehr, als etwas anderes. Freiwasserschwimmen gehört offenbar für mich zum Bereich „liegt mir mehr“.

Als Wonder Woman mich auffordernd anschaut, sage ich, „Du schwimmst, wie Du möchtest, ich richte mich ausschließlich nach Dir. Ich habe meine Boje dabei, die kann ich innerhalb von Sekunden aufblasen. Außerdem sind um uns rum lauter hilfsbereite Menschen und es gibt Sicherheitssurfer vom DLRG. Also, alles gut, hab Spaß!“ Und dann schwimmen wir los. Wonder Woman ist hektisch, man merkt die Aufregung. Wahrscheinlich hat sie nicht nur größten Respekt vor dem See, sondern kämpft mit ihrem Schweinehund, mit der ungewohnten Belastung, mit den Wellen und mit dem berühmten „überhaupt“ , was sich dann ja oft genug auch noch einschleicht.

Ich schwimme neben ihr her, auf dem Weg zur ersten Boje halten wir mal an, um durchzuschnaufen. Für mich ist das Wassertreten null anstrengend, aber ich kann mir vorstellen, dass es für Wonder Woman anders ist, also schlage ich vor, bis zur Boje zu schwimmen und am Surfbrett eine Pause einzulegen. Dafür liegen die DLRG Herrschaften ja schließlich im Wasser rum. Das allerdings kommt für Wonder Woman nicht in Frage, und so schwimmen wir zielstrebig an der Boje vorbei und damit auch am pausenfreundlichen Surfbrett und begeben uns auf die lange Gerade des Trapezes, das zum schwimmen abgesteckt ist. Und Wonder Woman sammelt zahlreiche Schwimmer ein. Ich damit zwar auch, aber geschwindgkeitsmäßig bin ich ja hier nur dabei und keine treibende Kraft.

Das ist sie. Nicht aufgeben, durchziehen und sich nicht unterkriegen lassen. Und tatsächlich biegen wir um die letzte Boje und schwimmen nun fast schon souverän auf den Strand zu. Wonder Woman lächelt. Ich habe es gesehen. Ab und an geht nun auch der Kopf mal unter Wasser, kurz und scheu, aber immerhin. Der nahende Strand gibt Mut. Von hinten kommen jetzt die schnellen Schwimmer, die die große Runde geschwommen sind. Sie sind kampflustig, kräftig, schnell und unbarmherzig. Ich versuche bestmöglich Brustschwimmend rumzuhampeln, damit sie einen großen Bogen um uns schwimmen. Einen Tritt von einem Brustschwimmer will keiner abkriegen. Und tatsächlich funktioniert das ganz gut. Die Wellen passen für Wonder Woman und machen ihr keine Angst.

Total stolz erreichen wir nach meinem noch 50 Meter, noch 40 Meter, noch 30 Meter, noch 20 Meter Countdown, das Ufer und werden von Karla Kolumna und dem Zeugwart empfangen. Für das erste Mal im See finde ich Wonder Woman’s Leistung ziemlich gut. Eine zweite Runde möchte sie mit mir allerdings nicht machen. Aber Karla Kolumna möchte mit schwimmen. Also nehme ich die nächste mit und schwimme neben ihr her. Karla Kolumna krault. Fast schon zärtlich gleitet ihre Hand auf meiner Seite durch das Wasser und langsam schiebt sie sich voran. Karla Kolumna sieht in allem was sie tut gut aus und beim Schwimmen macht sie keine Ausnahme. Hier ist alles schön. Bei mir dagegen wirkt es höchstwahrscheinlich plump und beschwerlich, wie immer. Aber wir wollen hier ja auch -eigentlich- keinen Preis gewinnen.

Wir schwimmen nebeneinander her. Ich wechsel mal zu Rücken oder schwimme mal seitlich, und ich halte die Spur. Während Karla Kolumna manchmal denkt, dass sie lieber direkt Seite an Seite mit mir schwimmen möchte und immer näher kommt. Sie hat offenbar eine starke und eine schwache Seite beim Armzug? Zumindest zeigt sich das so, wo sie mir immer näher auf die Pelle rückt. Aber nah beeinander schwimmen kann ich und so steuer ich sie durch meine Beharrlichkeit wieder richtig. Wir scheinen ein gutes Team zu sein.

Zurück am Ufer wird dann natürlich erst mal abgeklatscht. Alle sind wieder wohlbehalten zurück und mit ihrer heutigen Seeerfahrung auch ziemlich glücklich, was ja das Wichtigste ist. Der Zeugwart und ich haben heute freundschaftstechnisch und der Zeugwart auch noch Seepädagogisch alle Register gezogen und unser Bestes gegeben. Die Pizza im Anschluß schmeckt allen Schwimmern hervorragend, genau, wie es sein soll. Schwimmen macht hungrig.

 

Clauditries

Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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Über Clauditries

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