Kaum merklich und doch da: Rückenwind


Mittlerweile bin ich ja triathlontrainingsplanfrei, das bedeutet, ich fahre Fahrrad und schwimme einfach, wie es die Zeit so hergibt. Zwar habe ich das mit Trainingsplan auch gemacht, aber das Bewusstsein war ein anderes. Ich musste den Trainingsplan abarbeiten. Egal, ob das wirklich nötig gewesen wäre, oder nicht, ich hatte dieses Gefühl. Das war teilweise natürlich gut, weil es einem mit etwas sanftem Druck durchaus leichter fällt in Bewegung zu kommen, als ohne, aber da ich wirklich viele Termine und Vorgaben gemacht habe, war es dann auch irgendwie wieder nur Druck und das war blöd. Zumal es zwar um die Fitness geht, aber eben nicht darum zur Olympiade zu gehen oder tatsächlich demnächst einen Wettkampf mitzumachen.

Ich schwimme zwar in einer Staffel beim Tricamp Saisonabschluß, aber da werden wir sicherlich keinen Blumentopf gewinnen und so passt es auch mit dem Fitnesstraining. Heute will ich deshalb mal wieder versuchen, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. diesmal steht das Auto nicht bereit, so dass ich nicht wieder mit dem Auto heim fahren könnte. Ich fahre deshalb, weil das ja heute grandios passt, mit dem Rad nach der Arbeit zum Waldsee und wir gehen schwimmen. Immerhin findet heute wieder eine Swimnight statt und die kann ich natürlich nicht verpassen. Ich kürze deshalb die Belastung etwas, denn wenn ich von der Arbeit zum Waldsee fahre, ist die Strecke deutlich kürzer, als nach Hause. Gestern hat mir der Zeugwart deshalb schon die Strecke auf den Garmin gespielt.

Heute früh geht’s aber erst mal in Richtung Frankfurt und dann an der großen Stadt vorbei auf die andere Seite. Wieder einmal stelle ich fest, dass ich einen neuen Rucksack brauche. Heute bin ich anscheinend so früh, oder es ist so unattraktiv Fahrrad zu fahren, dass ich praktisch alleine unterwegs bin. Ich überhole eine einzige Radlerin, ohne Helm, dafür mit Kopfhörern, die sich so erschreckt, dass ich an ihr vorbei fahre, dass sie regelrecht ins straucheln gerät. Wer bitte hört denn so laut Musik auf dem Rad? Ist das klug? Ansonsten laufen hier heute ein paar Jogger rum, auf dem Weg nach Frankfurt sehe ich sonst keinen.

Die Stadt ist wie ausgestorben, aber wir haben Donnerstag, da bin ich sicher. Ein ganz normaler Arbeitstag. Aber natürlich hessische Sommerferien, so dass wahrscheinlich viele der sonstigen Radpendler im Urlaub sind? Am Main ist es auf jeden Fall regelrecht einsam. Zwar kommt jetzt immer mal jemand von der Straße runter und begleitet mich ein Stück, aber nie wirklich lange. Es ist mehr eine Stippvisite, ohne nennenswerte Länge. Als die Skyline an anderen Ufer etwas weniger wird, sehe ich eine Gruppe Crossfitter auf meiner Seite. Ich mache automatisch langsam.

Besonders sympathisch finde ich, dass das figürlich ganz normale Menschen sind, die sich hier mit Medizinbällen bewerfen und Taue durch die Gegend schwingen. Da ist keiner extrem muskelbepackt oder ein Hungerhaken. Total cool. Das sieht nach einem extrem anstrengenden Workouts aus. Ich nehme mir vor, mal in den sozialen Netzwerken zu schauen, was das für eine Gruppe ist. Anscheinend läuft so eine Art Zirkeltraining… spannend. Natürlich will ich nicht hier rumstarren, also beschleunige ich wieder und bin schon aus Frankfurt draußen.

Jetzt kommen mir zahlreiche Radler entgegen. Klar, es ist nun auch deutlich später, immerhin bin ich schon 30km unterwegs und mein Rädchen und ich kommen nun wieder in eine absolute Wohngegend. Die Leute hier fahren eine kurze Strecke mit dem Rad in die Stadt. Eigentlich perfekt, wenn man so wohnt. Einen interessanten Rucksack hat keiner von ihnen auf. Anscheinend ist das Thema Rucksack wirklich schwierig, als Radpendler? Ich sehe einige Packtaschen, die am Rad festgemacht sind… aber das ist für den Crosser oder mein Rennrad ja nicht wirklich eine Lösung. Wo sollen die denn da rumhängen?

Die enge Kurve, ehe es für mich über den Main und in den Straßenverkehr geht, nehme ich hervorragend und besser, als beim letzten Mal. Im Straßenverkehr muß ich nur einem einzigen Autofahrer mitteilen, dass man zu einem Radfahrer 1,5m Sicherheitsabstand hält und dass ich vorschlage, dass er da noch mal kurz drüber nachdenkt, ob sein Verhalten ihm denn jetzt so viel gebracht hat, wo ich doch direkt neben ihm stehe. Er hat nicht darüber nachgedacht, sagt er. Ja. Hab ich gemerkt. Wenigstens entschuldigt er sich, das ist doch schon mal was. Und vielleicht hat es allen anderen Radlern, die er zukünftig überholt etwas gebracht? Wäre ja wünschenswert.

Meinen Arbeitstag kann ich heute überpünktlich starten. Ich fühle mich großartig, vor allem mein Kopf ist frei und voller Energie. Dadurch, dass ich keinen Trainingsplan befolge, sondern einfach mache, was ich möchte, hatte ich eine komplett druckfreie Radausfahrt. Ich habe so schnell gemacht, wie ich wollte, habe auf die Technik geachtet und die Gedanken baumeln lassen, angstfrei und ohne Aufgaben. Der Start ist prima und Rückenwind ist eben einfach am Besten, wenn man ihn kaum merkt. Obwohl ich heute wettertechnisch einige Gegenwindpassagen hatte. Aber Eva’s Rückenwind war offenbar trotzdem da. Einfach so.

Ich freue mich auf die Fahrt zum See und die Swimnight heute Abend. Aber bis dahin erwarten mich ganz bestimmt ein paar Überraschungen am Arbeitsplatz. Wie jeden Tag.

Clauditries

Unter dem Alias Clauditries schreibe ich meinen Blog Claudi gives it a TRI seit Mai 2011 als Triathlon - Trainingstagebuch mit all den Geschichten, die abseits vom Zahlenwerk der absolvierten Kilometer und des Durchschnittspulses zu finden sind.

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